Brasilien Über dem Rachen des TeufelsSeite 2/2
Die erste Attraktion, die João im argentinischen Puerto Iguazu jedoch ansteuert, um sie dem Besucher zu zeigen, ist das Kasino. Ein in barocker Fülle beleuchteter Neubau, der aussieht wie ein überdimensionierter gelber Sandkuchen. Keine Eintrittsgebühr, keine Kleiderordnung, aber eine protzige Inneneinrichtung von stilsicherer Geschmacklosigkeit, Las Vegas in der argentinischen Provinz. Hinter den Sälen mit den einarmigen Banditen befindet sich eine Revuebühne, die nach Mitternacht zum sündigen Nachtklub mutiert. In Brasilien ist das Glückspiel mit Ausnahme der traditionellen Lotterien verboten. Ein Brasilianer, den es zu Roulette und Black Jack hinzieht, kann seiner Leidenschaft nur im Ausland frönen, zum Beispiel eben hier.
Iguaçu bedeutet in der Sprache der Guarani-Indianer "Großes Wasser". Auf einer Länge von fast drei Kilometern stürzt der Rio Iguaçu über Basaltklippen bis zu 90 Meter in die Tiefe. Die Grenze zwischen Brasilien und Argentinien verläuft in der Flussmitte, teilt also auch die Wasserfälle. Auf der brasilianischen Seite führen asphaltierte oder gepflasterte Fußwege durch den subtropischen Regenwald zu den Fällen.
João Wunderlich zeigt beim Fußmarsch eine für sein Alter geradezu erschreckende Kondition. Unterwegs begegnet man meistens nur dem einen oder anderen Katzenmaki. Für den Tribut eines Kekses lassen einen die Tierchen ziehen und wenden sich wieder dem Inhalt der Abfallkörbe zu. Bald sind die ersten Katarakte erreicht. Auf kühnen, beinahe in die Fälle gebauten Aussichtsplattformen hüllen Wasserdampf, Gischt und bunte Regenbögen die Besucher ein.
Das Wegenetz ist weit verzweigt, und bald findet nur noch João in diesem Labyrinth den Weg zum Garganta do Diabo. Der "Teufelsrachen" ist ein halbkreisförmiger, riesiger Katarakt, eine kochende, 90 Meter tiefe Wasserhölle, in die pro Sekunde Tausende Kubikmeter Wasser hinein krachen. Die Fontäne aus Wasserdampf ist noch viele Kilometer von den Fällen entfernt hoch über den Wipfeln des Regenwaldes zu sehen. In diesen Höllenschlund, so viel ist sicher, hat nicht einmal der leidenschaftliche Fischer João Wunderlich jemals seine Angelrute gehalten. Vielleicht wären hier Piranhas zu fangen - aber die sind bekanntlich mehr etwas für Horrorfilmer und Aquarianer als für Sportangler und kulinarische Genießer. Nur der delikate Geschmack eines Dourado, schwärmt Wunderlich noch heute, sei mit nichts auf der Welt zu vergleichen.
INFORMATION
Anreise : Direktflüge von Rio de Janeiro, Sao Paulo und Belo Horizonte nach Foz do Iguaçu
Übernachtung : Hotel Bourbon Cataratas, Rod. das Cataratas, km 2,5, Foz do Iguaçu, Paraná, Doppelzimmer 450 Real, www.bourbon.com.br
Auskunft : Tourismusstelle der Stadt Foz do Iguaçu: www.fozdoiguacu.pr.gv.br/turismo
Homepage des brasilianischen Tourismusministeriums: www.braziltour.com
- Datum 07.09.2009 - 10:32 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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