Brasilien

Über dem Rachen des Teufels

Für eine Fahrt zu den weltberühmten Wasserfällen von Iguaçu ist João Wunderlich der ideale Begleiter.

Am letzten Tag seines Urlaubes in Foz do Iguaçu fragte Johann Wunderlich an der Rezeption seines Hotels, ob man nicht einen Job für ihn hätte. Wunderlich war Brasilianer, stammte aber aus einer deutschen Sprachinsel im Süden, seine Portugiesischkenntnisse waren sehr mangelhaft. Doch das Fischen im Rio Iguaçu unterhalb der weltberühmten Wasserfälle im Dreiländereck zwischen Brasilien, Argentinien und Paraguay hatte es ihm angetan: Morgen für Morgen war er die Basaltwand zum Fluss hinuntergeklettert und hatte Peixe dourado geangelt, Riesen-Goldfische von bis zu einem Meter Länge. Eine Fahrerstelle, sagte der Rezeptionist, sei gerade frei geworden.

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Vierzig Jahre ist das mittlerweile her, und aus Johann Wunderlich ist längst João Wunderlich geworden. Deutsch zu sprechen hat er mittlerweile verlernt, versteht es aber noch. Für seine Kunden hat er Englisch zugelegt, mit deutsch-portugiesischem Akzent. Und ist damit im wahrsten Sinne des Wortes immer gut gefahren, als Chauffeur des Hotels Bourbon Cataratas auf der brasilianischen Seite der Fälle.

Für eine Fahrt ins benachbarte Argentinien, in das Grenzstädtchen Puerto Iguazu, ist João der richtige Mann. Der weißhaarige, dürre Herr im grauen Anzug pflegt einen nüchternen Fahr- und Gesprächsstil. An der kleinen Grenzstation, die mit einem Beamten besetzt ist - bekleidet mit Jeans und Flanellhemd - regelt er die Visumformalitäten. Dann kann die kilometerlange Brücke über den Paraná-Fluss passiert werden. Auf der argentinischen Seite sind schwer bewaffnete Militärpolizisten in Tarnuniformen unterwegs. Doch trotz einer gewissen hektischen Betriebsamkeit wird nicht einmal der Kofferraum kontrolliert, ein kurzer Blick in Joáos Taxifahrerausweis genügt den Uniformierten.

Brasilien hat seit seiner Unabhängigkeit 1822 einen Krieg geführt, nämlich gegen Paraguay. Der endete 1870 damit, dass der paraguayanische Diktator auf dem Schlachtfeld zu Tode kam und Brasilien und Argentinien das Gebiet um die Wasserfälle von Iguaçu vom besiegten Nachbarn abtrennten. Seit 1939 ist die Kriegsbeute einer der größten Nationalparks Amerikas. 1986 wurde er von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärt. Allein auf brasilianischer Seite ist eine riesige Fläche Urwald vielfach letzte Heimat für subtropische Pflanzenarten, seltene Vogelarten wie Tukane, aber auch für Jaguare, Affen und Halbaffen und nicht zuletzt für Jacares, gavialartige, gar nicht so kleine Krokodile.

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    • Von Manfred Wieninger
    • Datum 7.9.2009 - 09:32 Uhr
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    • Quelle ZEIT ONLINE
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