Finanzkrise EU will Regeln für Banken verschärfen

Die EU-Kommission reagiert auf die Finanzkrise: Die Banken sollen künftig fünf Prozent der vergebenen Kredite in ihren Büchern vorhalten

Die EU-Kommission will die Kreditrisiken der Banken deutlich begrenzen. Die europäischen Institute sollen künftig Wertpapiere, in denen sie die Risiken eines Kreditausfalls bündeln, nicht mehr vollständig verkaufen dürfen. Fünf Prozent der Wertpapiere sollen stattdessen in den Büchern verleiben, die Käufer müssen die Kreditwürdigkeit der Anlage genau prüfen. "Wenn sie dies unterlassen, droht eine harte Kapitalstrafe", erläuterte die EU-Kommission den Gesetzentwurf.

Die EU-Kommission möchte so erreichen, dass die Geldhäuser ihre Kreditrisiken genauer prüfen. Grobe Fehleinschätzungen über die Zahlungsfähigkeit von Kreditnehmern in den USA sind eine wesentliche Ursache der Finanzkrise, die mehrere europäische Länder in den vergangenen Tagen dazu zwangen, Banken mit öffentlichen Geldern zu retten. Die neuen Regeln stärkten das Bankensystem und seien eine abgewogene Antwort auf die Finanzturbulenzen, erklärte EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy.

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Die Änderung der seit 2007 geltenden Eigenkapitalregeln sieht außerdem höhere Kapitalanforderungen für Großkredite vor, die sich Banken gegenseitig gewähren. Die Aufsicht über Großbanken, die in mehreren europäischen Ländern tätig sind, soll verbessert werden. Für diese Institute soll eine Gruppenaufsicht mit den Behörden aller beteiligten Länder eingeführt werden, bei der die Aufsicht des Heimatlandes eine führende Rolle spielt.

Die Regeln gelten für die rund 8000 Banken in Europa. Sie müssen jetzt vom Europäischen Parlament und den 27 EU-Mitgliedsstaaten beraten werden. Sie sollen bis zum April nächsten Jahres von den Mitgliedstaaten und dem EU-Parlament verabschiedet werden.

 
Leser-Kommentare
  1. Wenn es einen guten Aspekt dieser Krise gibt; dann der Umstand, dass die “Finanzwirtschaft” ordentlich durchgerüttelt wird und irrsinnige Kettenbriefkonstrukte in Form von Zertifikaten zusammengebrochen sind.

    Es ist zu hoffen, dass die Finanzwirtschaft künftig äußerst hart von finanziell unabhängigen, staatlich kontrollierten Institutionen an die Kandarre genommen wird und jegliches Handeln der “Finanzwirtschaft” am Nutzen für die “Realwirtschaft” gemessen wird. Die Kriterien für den Nutzen und die daraus folgenden gesetzlichen Regeln sollten wiederum unabhängige Gremien festlegen, die der Förderung der Realwirtschaft verpflichtet sind und keinerlei Verbindung zur Finanzwirtschaft haben, d.h. die Personen, die diesen Gremien angehören dürfen in keiner Einkommens-Verbindung zu Finanzinstitutionen stehen.

    In jüngster Vergangenheit war festzustellen, dass die Finanzmärkte, völlig losgelöst von der Realwirtschaft, Spielchen mit sich selbst getrieben haben. Nur so konnten “Finanzprodukte” entstehen, die keiner mehr durchschauen konnte, was letztlich ja nichts anderes bedeutet, als das niemand mehr den Bezug zur realen Welt erkennen konnte. Erst jetzt, als man durchschaut hatte, das hinter den vielen mit wohlklingenden Namen versehenen “Spiel-Zertifikaten”, keine Substanz steckt, fliegt das ganze System auf und bricht zusammen. Und bei einem Zusammenbruch wird nicht nur der Müll mitgerissen, sondern es droht auch die gute “reale” Substanz den Bach herunter zu gehen, weil schlichtweg kein Geld mehr in Umlauf gebracht werden kann, obwohl es in überreichem Maße zur Verfügung stände; denn in der Finanzbranche mißtraut mittlerweile jeder jedem.

    Man kann ohne Übertreibung sagen, dass die Finanzwelt im Delirium ist. Sie ist gierig süchtig nach der Droge “Gewinn”. Niemand von den sogenannten Finanz-Experten weiß noch wo oben und unten ist. Die Erklärungsversuche, die man sich aus dieser Ecke zusammenreimt, klingen wie hohles, lächerliches Gestammel.
    Nun ist Gewinn nichts grundsätzlich falsches. Man sollte sich nur fragen, ob dieses Gewinnstreben überhaupt Platz in der Finanzbranche haben darf. Die Finanzbranche handelt mit nichts anderem als Geld. In einer kapitalistischen Marktwirtschaft ist Geld, das Lebenselixier der realen Wirtschaft, wenn dieses Geld nicht mehr zur Verfügung steht, weil sich die “Verwalter des Geldes” nicht mehr trauen und den Fluß ins Stocken bringen. Das ist in höchstem Maße lebensbedrohlich. Es wäre so, als wenn Venen und Aterien im Körper sich weigern würden, das Blut zu transportieren.

    Die Finanzbranche hat bewiesen, dass sie “gewinnsüchtig” ist. Bekanntlich muss dem Süchtigen in letzter Konsequenz die Droge entzogen werden, so dass er wieder gesund werden kann. Gewinnstreben darf keinen Platz in der Finanzbranche haben. Ihre überlebenswichtige Aufgabe für die Gesellschaft verbietet es geradezu. Hier ist ein wirklich mutiger Schritt der Politik gefragt.
    Leider ist zu befürchten, dass das neoliberal ideologisierte politische Establishment diesen Zusammenhang nicht sieht und letztendlich wieder nur ein geschminktes “Weiter so!” herauskommen wird. Und so werden wieder neue Kettenbriefspielchen entstehen und es wird wieder zusammenbrechen, und so weiter und so weiter…. und täglich grüßt das Murmeltier....

    • bobom
    • 05.10.2008 um 9:05 Uhr

    ihr seit durch eure Zinswirtschaft ständig gezwungen die Geldmenge auszuweiten, da ansonsten der Geldfluss vollständig versiegen würde. damit ihr die Geldmenge ausweiten könnt, müsst ihr neue und größere Schuldner finden... immer und immer wieder. wenn ihr jetzt die Kreditvergabe stärker kontrolliert, wird der Geldfluss zurückgehen und ihr in eine Deflation stürzen. wenn sich euer Staat als Schuldner hergibt und ein Rettungspaket beschliesst, werdet ihr euch noch ein paar Jahre länger halten können, aber irgendwann wird euch eure fehlerhafte Zinswirtschaft die Rechnung präsentieren und die Krise wird noch viel schlimmer sein. das einzige was euch also langfristig von den Krisen befreit ist eine Lösung zu finden um eure Währung stabil zu halten. und damit sind nicht 2% Inflation, sondern 0% gemeint. wenn ihr ernsthaft danach sucht, werdet ihr eine Lösung dafür finden, aber leider gibt es einige Menschen die am aktuellen System gut verdienen :) auch in Krisenzeiten.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters
  • Kommentare 2
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