TV-Vermarktung der Bundesliga Weniger Geld für die Vereine?

Premiere hat etwa eine Million Abonnenten weniger als bisher angegeben. Die Schwäche des Bezahlsenders verunsichert auch die Bundesligisten. Einnahmen könnten ausbleiben.

Vertrauen ist das Wort der Stunde. Der Pay-TV-Sender Premiere braucht ganz viel und ganz dringend davon. Ende Oktober wird der wichtigste Partner des Senders, die Deutsche Fußball Liga (DFL), die Medienrechte an der Bundesliga für drei Spielzeiten ab 2009/2010 ausschreiben. Nach bisherigem Stand will und wird Premiere der bedeutendste Nachfrager sein, es geht um sämtliche Livespiele der Eliteliga.

Ohne exklusive Bundesliga-Übertragungen würde der Pay-TV-Sender zusammenbrechen, umgekehrt die DFL ihren wichtigsten Einzelfinanzier verlieren. Premiere zahlt momentan mehr als 200 Millionen Euro in den Bundesligatopf. „Wir waren und sind der Meinung, dass die Bundesliga unbedingt angewiesen ist auf ein starkes Pay-TV-Segment“, sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert dem Kicker.

Anzeige

Jedwede künftige Zusammenarbeit zwischen der DFL und dem Pay-TV-Sender beruht auf Vertrauen. Die Liga muss sicher sein, dass der Sender liquide bleibt – gerade jetzt, da der Milliarden-Deal mit Leo Kirch geplatzt ist. Bei einigen Vereinen sind wegen der Zukunft von Premiere Fragezeichen aufgetaucht, seitdem bekannt wurde, dass sich die ehemaligen Premiere-Geschäftsführungen unter Georg Kofler und Michael Börnicke bei der Zahl der Abonnenten um beinahe eine Million nach oben „verrechnet“ hatten (siehe Infobox). 2008 wird wieder ein Verlustjahr für Premiere. Die Börse ist schockiert und hat den Aktienkurs auf knapp 3,40 Euro mehr als halbiert.

Höchste Zeit für vertrauensbildende Maßnahmen. Die Premiere AG hat Gespräche mit ihren Banken über die Restrukturierung von Kreditvereinbarungen aufgenommen, teilt der Sender mit. Welche Banken das sind, sagt Sprecher Thorsten Fricke nicht, er verweist lieber auf das Statement des neuen Vorstandsvorsitzenden Mark Williams: „Wir überprüfen gründlich sämtliche Bereiche im Unternehmen und sind zuversichtlich, dass dies in eine neue strategische Ausrichtung mündet, die durch einen belastbaren Businessplan für das weitere Wachstum und die Profitabilität von Premiere unterstützt wird.“ Ein Sendermitarbeiter bringt es auf die schlichte Formel: „Wir koflern nicht mehr so viel.“

Echte Zahlen, solider Businessplan, raus aus dem Wolkenkuckucksheim, Premiere kämpft an zwei Fronten, es geht um verlängerte Kreditlinien und um die Verlängerung des Bundesliga-Engagements. Alle Beteiligten innerhalb und außerhalb des Unternehmens in München-Unterföhring setzen auf CEO Williams, dem es immerhin gelungen war, das Pay-TV Sky Italia aus den roten Zahlen zu führen.

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service