Seehofers Nominierung Der Parteirebell kehrt heim
Die CSU kürt Horst Seehofer zum Parteichef und Ministerpräsidenten und übt sich dabei nach Tagen des Machtkampfs in neuer Harmonie. Doch nicht alle stimmen ein, manche Rechnungen bleiben offen

© Stephan Goerlich/Getty Images
Von Journalisten umlagert: Horst Seehofer auf dem Weg zur Fraktionssitzung
Horst Seehofer bleibt auch am Tag seines größten Triumphes seiner Strategie der vergangenen Tage treu: Bloß nichts Falsches sagen, bloß keine triumphale Geste, bloß den innerparteilichen Kritikern kein Futter geben. Am Nachmittag vor der entscheidenden Fraktionssitzung, auf der er nun auch zum künftigen Ministerpräsidenten des Freistaats bestimmt werden soll, meidet er die wartenden Journalisten. Schwer atmend bahnt sich der neue Hoffnungsträger der CSU seinen Weg, sagt lediglich, die Fraktion habe nun Vorrang.
Auch am Morgen vor der Sitzung des Parteivorstands, die ihn offiziell als neuen CSU-Chef nominierte, gibt Seehofer den demütigen Diener seiner Partei. Seine Aufgabe sei es nun, „die verschiedenen Interessen auszugleichen“. Ihm sei ein „partnerschaftliches Vertrauensverhältnis“ wichtig, sagt Seehofer. Sein Führungsstil werde nicht auf „dem Grundsatz von Befehl und Gehorsam“ beruhen; eine „Basta-Politik“ werde es mit ihm nicht geben.
Seehofer weiß schließlich um den zweifelhaften Ruf, der ihm vorauseilt. Viele der Abgeordneten, von deren Zustimmung er künftig abhängig ist, hatten ihn in den vergangenen Wochen und Monaten mit wenig freundlichen Worten bedacht. Als wankelmütigen Egomanen, als für die Realpolitik untauglichen Herz-Jesu-Sozialpolitiker oder als treuelosen Ehemann haben sie ihn geziehen. Seehofer kennt die Vorbehalte, deswegen betont er jetzt nichts mehr als seine Fähigkeit als Teamplayer.
Wie es ihm nun gehe, wird er später an diesem Tag gefragt, jetzt, nachdem er den Machtpoker gewonnen und seinen seit Jahren geäußerten Wunsch, Parteichef zu werden, fast erreicht hat. „Freude und Nervosität“ hielten sich bei ihm die Waage, sagt er. „Zum ersten Mal seit fast 40 Jahren in der Politik habe ich einen leichten Bammel“, sagte er schon am Vorabend, als seine beiden Konkurrenten um das Amt des Ministerpräsidenten, Herrmann und Goppel, ihren Anspruch zurückgezogen hatten.
Zwar raunen einige, dass diese „Demutsgeste“ bloß aufgesetzt und Seehofer schon immer ein guter Schauspieler gewesen sei. Aber ein bisschen nervös wirkt er nun tatsächlich. Er hat von der historischen Niederlage seiner Partei profitiert wie kein zweiter. Nun soll ausgerechnet er sie wieder einen und zum Erfolg führen. Keine leichte Aufgabe.
Dass Seehofer zur Vorsicht allen Grund hat, beweist dann auch prompt die Abstimmung am Nachmittag in der Fraktion. Anders als der Vorstand, der ihn einstimmig vorschlug, beschert ihm die Fraktion ein weniger einmütiges Ergebnis. Zehn der 92 Fraktionsmitglieder stimmen gegen ihn, sechs enthalten sich. In seiner künftigen Regierungskoalition wird er auch deren Unterstützung brauchen.
Seinen innerparteilichen Gegnern widmet Seehofer dann auch sein erstes Statement. Er habe ausdrücklich für einen „offenen Prozess“ geworben nach dem Wahldebakel. Daher betrachte er ehrliche Gegenstimmen als „überhaupt kein Problem“. Die Diskussion der vergangenen Tage sei wichtig gewesen, betont er.
- Datum 13.10.2008 - 17:33 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Eine von Seehofers ersten Äußerungen nach seiner Nominierung war heute:
Das bayerische Rauchverbot verletze den bayerischen Grundsatz "Leben und leben lassen".
An Orten, wo sich Menschen aufhalten müssten, z. B. in Krankenhäusern, bleibe es selbstverständlich bestehen.
Wo Leute ihre Freizeit verbrächten, z. B. in Gaststätten, müsse man in Zukunft eine andere Lösung finden.
Dazu drei Anmerkungen:
1.
An Orten, wo viele ihre Freizeit verbringen, müssen andere sich aufhalten. Gelten bei Seehofer Bedienungen nun als Menschen zweiter Klasse?
2.
"Leben lassen" heißt für mich ganz einfach auch, darauf zu verzichten, die Gesundheit anderer Menschen zu gefährden. Raucher gefährden Nichtraucher, nicht umgekehrt. Und um die Raucher "leben zu lassen", sollen Nichtraucher nun lieber auf den Gaststättenbesuch verzichten?
3.
Wenigstens an dem Ort, wo sich der Krebspatient dann aufhalten muss (im Krankenhaus), will Seehofer das Rauchverbot bestehen lassen. Man dankt.
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