Musikpresse Reifer Käse mit süßlicher Note
Sind Oasis-Anhänger anspruchslos und kritikunfähig? Die Resonanz auf das neue Album der Band legt diesen Schluss nahe. Außerdem im Echolot: Blurs Bassist verkauft jetzt Ziegenkäse, und Phil Collins will nicht mehr auf Tour gehen. Schade!
Eine Frage an Noel Gallagher von Oasis: "Sie sind nun seit fast fünfzehn Jahren die beste Band der Welt. Haben Sie in all diesen Jahren jemals an Oasis gezweifelt?" Oha, das grenzt ja an Blasphemie! Die FAZ erstrebt eine kritische Auseinandersetzung mit dem Britpoprüpel und schickt Christine Käppeler, die ihn anlässlich des neuen Albums Dig Out Your Soul umgarnt.
Gallagher habe "mit ausgesuchter Höflichkeit" gesprochen, berichtet sie. "Das Fluchen, in den neunziger Jahren das hervorstechende Merkmal eines Gallagher-Interviews, hat er sich, von einem kleinen Ausrutscher mal abgesehen, offenbar abgewöhnt." Dass aber – so viel Unhöflichkeit musste dann doch sein – Damon Albarn von Blur eine Oper komponiert habe, finde er "fucking lächerlich".
So liest sich auch der Rest des Gesprächs. Frage: "Wird der psychedelische Touch Ihrer neuen Platte nicht abschrecken? Ist das noch ein Album für die Arbeiterklasse?" Antwort: "Sicher. Denn hier drin (er legt die Faust aufs Herz) gehören wir zur Arbeiterklasse. Aber wenn ich vorhersagen könnte, was den Leuten gefällt, dann wäre ich ein sehr erfolgreicher und wohlhabender Mann." Frage: "Sie sind ein erfolgreicher, wohlhabender Mann, oder nicht?" Antwort: "Nein. Ich bin gerade so erfolgreich. Wer weiß schon, was den Leuten gefällt? Jeder, der die Platte bislang gehört hat, sagt mir, sie würde ihm gefallen. Aber wer würde mir schon die Wahrheit sagen? Wenn ich Sie fragen würde, ob Ihnen das Album gefällt, dann würden Sie wohl kaum nein sagen, oder? Aus reiner Höflichkeit würden Sie sagen, das Album sei in Ordnung." Das würde sie wohl.
Nicht so Alexis Petridis im britischen Guardian. Er findet, das neue Album sei "weder ein Meisterwerk noch eine Katastrophe". Es klinge nicht gewagt, sondern nach harter Arbeit – nach einer Band, die sich mühe, gute Ideen zu haben. Gelungen sei das nur in wenigen Fällen, etwa bei der neuen Single The Shock Of The Lightning. "Seit mehr als einem Jahrzehnt haben Oasis Millionen von Platten verkauft, obwohl sie in der musikalischen Warteschleife hingen", schreibt Petridis. Dass ihnen dieses beeindruckende Kunststück gelungen sei, verdankten sie wohl auch der bemerkenswerten Loyalität und der lachhaften Anspruchslosigkeit der Anhänger.
Ist Michael Pilz also loyal oder anspruchslos? Ihm jedenfalls gefällt Dig Out Your Soul. Oasis hätten eine aufrüttelnde Platte aufgenommen, schreibt er in der Welt, "eine starrsinnige, selbstbewusste, stampfende Oasis-Platte. Wer so bürgerliche Tugenden wie Originalität, subtile Vielfalt oder Ironie verlangt, wird von den Gallaghers zum Naserümpfen herzlich eingeladen. Früher wurden Klangmauern geschichtet. Heute werden Soundtürme errichtet, um die Botschaft weit ins Land zu donnern." Mit dem Album finde "eine wichtige Band im Alter wieder Anschluss". Wie Mitte der Neunziger gelinge es ihnen nämlich, "ihrer Basis aus der Seele" zu singen. "1995 hieß es: So I start a revolution from my bed." Heute singen Oasis: Hold the line / Friend of mine / Sing a song / Soldier on. Das ist ein Marschbefehl, Oasis singen Kampflieder. Kein Witz."
- Datum 13.10.2008 - 11:11 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Natürlich sind Fans immer ein bestimmtes Mass kritikunfähig. Dies gilt auch für mich als bekennender OASIS-FAN. Nicht nur als Fan, sondern auch als mündiger Hörer finde ich die neue Scheibe wirklich gut. Mir gefällt ausserdem, dass diese Band sich selbst treu bleibt ohne peinlich zu werden, und nicht jeder neuen "Rettung" des Rock´n Roll hinterherläuft. OASIS haben mehr Substanz im kleinen Zeh, als viele der "ach so hypen" Bands, die wir sowieso wieder in ein paar Monaten vergessen werden. Mittlerweile sind sie gestandene Musiker und keine Schnösel mehr-das und die damit einhergehende Souveränität steht ihnen ausgesprochen gut.
Ich freue mich schon auf die nächsten Platten...
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