Fans des FC Liverpool Fußball ist kein Investment

Während der Finanzkise entdecken Englands Fans die Basisdemokratie und wollen den FC Liverpool von US-Investoren zurückkaufen.

Der Bösewicht saß gut verschanzt hinter dunklen Glasfenstern. George Gillett, der 69-Jährige Eigentümer des FC Liverpool, hatte es sich an dem sonnigen Septembersamstag vor dem Derby gegen Manchester United im VIP-Bereich des Stadions an der Anfield Road bequem gemacht. Vor der Arena demonstrierten etwa 1000 enttäuschte Anhänger des FC Liverpool gegen ihn. „Enough is enough – Genug ist genug“, stand auf einem großen Spruchband, das einige kahl rasierte Jugendliche trugen. Als die Fans Gillett entdeckten, drohte die Stimmung kurz zu eskalieren. Gegenstände flogen, die Yankees-Raus-Rufe wurden lauter.

Inmitten der Menge versuchte Rogan Taylor die Contenance zu wahren: Wenn der Direktor der Football Industry Group der Universität Liverpool über den FC Liverpool spricht, verfällt er in einen ruhigen, beinahe sakralen Ton. „Gillett und Hicks haben die Fans belogen“, sagt Taylor, „sie haben sich anfangs als Treuhänder und Wohltäter ausgegeben, dann aber jegliche Transparenz vermissen lassen, Schulden angehäuft und den Klub so in eine kritische Situation gebracht.“

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Der Milliardär George Gillett hatte im Februar 2007 zusammen mit seinem Geschäftspartner Tom Hicks den FC Liverpool gekauft. Im ersten Jahr ihrer Regentschaft haben die beiden amerikanischen Geschäftsmänner Verbindlichkeiten in Höhe von rund 545 Millionen Euro angehäuft, von den nun 157 Millionen kurzfristig beglichen werden müssen. Auch für das neue Stadion („New Anfield“), welches im Sommer 2009 eröffnet werden soll, wurde Geld geliehen. Mit der Verpflichtung des spanischen Stürmers Fernando Torres, der für 38 Millionen Euro von Atlético Madrid kam, landete der Klub im Sommer 2007 den teuersten Transfer der Vereinsgeschichte. Doch der vierte Rang in der Liga und das Erreichen des Halbfinales in der Champions League in der vergangenen Saison waren den Amerikanern zu wenig. Sie liefern sich seit Jahresbeginn einen Machtkampf mit dem beliebten Trainer Rafael Benítez. „Die Handlungsweise von Gillett und Hicks macht deutlich, dass sie ihr Engagement anders als etwa der Russe Roman Abramowitsch beim FC Chelsea nicht als Mäzenatentum, sondern als scharf kalkuliertes Investment begreifen“, schrieb der Autor und Liverpool-Experte Broder-Jürgen Trede über das Engagement der Investoren.

Der 18-fache Meister FC Liverpool ist im englischen Fußball neben dem im Jahr 2005 vom US-Milliardär Malcolm Glazer aufgekauften Branchenriesen Manchester United das begehrteste Spekulationsobjekt für internationale Finanzjongleure. Zwischen 2004 und 2007 gab es ein regelrechtes Wettbieten um den Verein mit Interessenten aus Thailand und den Vereinigten Arabischen Emiraten, ehe schließlich Gillett und Hicks den Zuschlag erhielten. Finanzielle Konzepte und sportliche Planungen boten sie Fans und Klubverantwortlichen jedoch nicht an. Über den unnahbar wirkenden Tom Hicks erzählt man sich in Liverpool, dass er sich sogar einmal ein Spiel live in Anfield angesehen habe und nach zwanzig Minuten wieder verschwunden sei.

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