Die Macht der Fifa Das lösen wir in der Familie

Nach Drohungen durch den Fußballweltverband Fifa hat Polens Regierung ihren Fußballpräsidenten abbestellt. Der Kampf gegen die Korruption scheint in der Fifa keine Priorität zu haben.

Polens Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, das große Übel im Land, die Korruption, an der Wurzel zu packen. Auf ihre Anordnung musste Michal Listkiewicz, der Präsident des polnischen Fußballverbands, jüngst seinen Stuhl für Robert Zawlocki räumen, nicht nur weil er unkluge Aussagen getätigt hat, sondern weil er unter Korruptionsverdacht steht und sich wenig Mühe gegeben hat, Polens Fußball zu reinigen. Zunächst handelte es sich um eine innenpolitische Auseinandersetzung: hier die Politik um den rechtsliberalen Ministerpräsidenten Donald Tusk, das neue Polen, das den Seilschaften den Kampf ansagt; dort das alte Polen, die Sportverbände, die ihr Personal großteils aus kommunistischen Vor-89er-Zeiten rekrutieren.

Gestern hat Polens Regierung auf Druck des Fußball-Weltverbands Fifa Zawlocki abbestellt. Ein neuer, dritter, Präsident soll am 30. Oktober von den Verbandsgremien gewählt werden. Dieser Kompromiss geht auf einen Vorschlag der Regierung zurück, zu dem sie sich genötigt sah, weil die Fifa den Polen damit drohten, ihnen die Europameisterschaft 2012 zu entziehen.

Anzeige

Ist es zum Vorteil des polnischen Fußballs, wenn die Fifa einen Amtsträger verhindert, der die Korruption bekämpft? Die polnische Öffentlichkeit dürfte überrascht sein, vermutete sie eher, dass ihre Regierung im Sinne der Fifa gehandelt habe. Vermutlich hat sich noch nicht in alle Teile der Welt herumgesprochen, dass sich der Ehrgeiz der Fußballweltmacht, Korruption zu beseitigen, in Grenzen hält.

Verdachtsmomente nimmt Fifa-Präsident Joseph Blatter nicht so wichtig. Man denke an seinen Vize Jack Warner, der WM-Karten zu Gunsten seiner Familie vertickte und über den ein ehemals hochrangiger britischer Fußballfunktionär sagte, dass er ihm nie die Hand geben würde, weil man anschließend nachzählen müsse, ob noch alle Finger da sind. Alle Skandale sitzt Warner mit Blatters Hilfe aus, im Gegenzug sichert er ihm alle Stimmen aus seiner Konföderation Nord- und Zentralamerika.

Blatters Motto lautet: „Der Fußball ist stark genug, um sich aus eigener Kraft zu organisieren. Dafür braucht er keine politischen Institutionen.“ Ihre Sünder straft die Fifa lieber selbst, das „lösen wir in der Familie“, hat Blatter dem kritischen Journalisten Jens Weinreich gesagt. Das klingt mafiös.

Leser-Kommentare
  1. na ist denn die FiFa so - unschuldig -?

    m.E. ist das auch ein Mafia-ähnlicher Betrieb.

    aber ist nur meine unmassgebliche Meinung;

    Geführt wird sie doch vom - Boss - Blatter;
    und der duldet nun mal keinen Widerspruch;

    ist doch genau ds Gegenteil von Demokratie, oder ? !

    Glück Auf

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service