Notenbanken-Aktion Zinssenkung stoppt Börsentalfahrt

Auf diesen Schritt hat die internationale Finanzwelt lange gehofft: Die konzertierte Aktion von EZB, Fed und vier weiteren Zentralbanken konnte die Anleger vorerst beruhigen

Die überraschende Zinssenkung mehrerer Zentralbanken hat den europäischen Aktienmärkten neuen Auftrieb gegeben. Da die konzertierte Aktion die Rezessionsängste der Anleger aber nicht vollständig vertreiben konnte, blieben die Indizes im Minus. Der Dax notierte 0,9 Prozent tiefer bei 5279 Punkten, nachdem er zuvor zeitweise um 8,6 Prozent abgestürzt war. Der EuroStoxx50 der größten Börsengesellschaften aus der Euro-Zone lag ebenfalls 0,9 Prozent im Minus bei 2852 Zählern.

"Das war ein wichtiges Signal, um Vertrauen zu schaffen", sagte ein Aktienhändler. "Aber jedem ist auch bewusst, dass die Krise damit noch lange nicht überwunden ist. Mit der Zinssenkung können die Zentralbanken die Folgen der sich abzeichnenden Rezession nur abmildern, sie aber sicher nicht völlig verhindern." Auch für Analyst Dennis Nacken von Allianz Global Investors brachte der Schritt der Notenbanken noch keine Wende: "Mit dem Zinsschritt ist nicht noch gewährleistet, dass die Kreditvergabe der Banken untereinander wieder in Gang kommt. Die Unsicherheit und die Vertrauenskrise bleibt."

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Sechs der führenden Notenbanken waren der aktuellen Finanzkrise mit einer gemeinsamen Senkung ihrer Leitzinsen entgegengetreten. Die Federal Reserve (Fed) und die Europäische Zentralbank (EZB) hatten in Washington und Frankfurt mitgeteilt, dass der Leitzins in der Euro-Zone und den USA jeweils um 0,50 Prozentpunkte sinken wird. Damit liegt der wichtigste Leitzins zur Versorgung der Kreditwirtschaft in der Eurozone jetzt bei 3,75 Prozent und in den USA bei 1,5 Prozent. Auch die Bank of England kappte den Zins um 50 Basispunkte auf 4,5 Prozent.

An der Zinssenkung nehmen auch die Nationalbanken Schwedens, Kanadas und der Schweiz teil. Die japanische Nationalbank senkte die Zinsen nicht, sprach der Aktion aber ihre Unterstützung aus. Die chinesische Zentralbank zog bald nach und reduzierte den Leitzins ihrerseits  um 0,27 Prozentpunkte auf 6,93 Prozent. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte nach der jüngsten turnusgemäßen Zinsentscheidung am vergangenen Donnerstag die Tür für eine Zinssenkung geöffnet.

Die Notenbanken begründete den Schritt mit der Unsicherheit an den Finanz- und Geldmärkten. Zudem seien die Risiken einer steigenden Inflation gesunken. Niedrigere Zinsen verbilligen Kredite für Unternehmen und Verbraucher und können somit die Wirtschaft ankurbeln. Eine konzertierte Zinssenkung ist eine außergewöhnliche Aktion, zu der die Notenbanken nur bei besonders großen Krisen greifen. Zuletzt gab es eine gemeinsame Leitzinssenkung nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA.

Leser-Kommentare
  1. “Heli Ben” wie er auch ganz liebevoll in Insiderkreisen genannt wird, also Bernanke, der "klassische Fortsetzer" der Greenspan Politik erwägt nun tatsächlich zu prüfen, ob die gegenwärtige Geldpolitik der FED noch angemessen ist?

    Ex-Fed-Chef Greenspan hat mit seiner Niedrigzinspolitik die Grundlagen für die Immobilienkrise geschaffen, Bernanke versuchte dieses Problem bereits Anfang des Jahres mit einer erneuten Leitzinssenkungen zu bekämpfen, nachdem Greenspan dies bereits 11-mal getan hatte. Mit welchem Ergebnis?
    Die jetzige Forderung nach 1,0% ist geradezu dramatisch.

    Das zeigt m.E. ganz klar, wie es um das „Lernvermögen“ dieser Jungs bestellt ist.

    "Die wirtschaftliche Aktivität Amerikas wird für den Rest des Jahres und bis ins nächste Jahr hinein gedämpft sein", sagt Bernanke.

    Gedämpft???

    Hier ein paar Sätze von Kenneth Rogoff, dem ehemaligen Chefvolkswirt der IWF zum Thema Finanzkrise, USA und Rezession:

    „In den kommenden Monaten werden wir noch mehrere Wellen mit dramatischen Zusammenbrüchen erleben. Es handelt sich schlicht um den Kollaps des Finanzsystems.
    Wir rutschen gerade in eine ernsthafte globale Rezession. In den USA müssen wir uns auf mehrere Jahre mit hoher Inflation einstellen. So zahlen wir alle.“

    http://www.stern.de/wirts...

    Passt doch:

    Bank-of-America-Gewinn fällt dramatisch
    Die größte Bank der USA meldet nachbörslich miese Zahlen und eine Dividendenkürzung
    Der Chef der US-Anleihetochter der Allianz Pimco, hat die USA gemahnt, schnell in den Markt für US-Schuldverschreibungen, den so genannten Commercial Papers, einzugreifen. Diese sind ein wichtiges Finanzierungsinstrumen der US-Industrie. Die US-Notenbank Fed solle die Papiere schnell aufkaufen. Die Fed solle außerdem den Leitzinssatz schnell auf ein Prozent senken, meint Gross.

    http://www.boerse-online....

    "Es gibt große Angst, dass die Finanzkrise auf die Realwirtschaft durchschlägt und es zu einer globalen Rezession kommt" sagte ein Händler

    Liebe „ahnungslose“ Händler, „dat loft scho!“
    Und zwar ganz gewaltig.

    Lasst mich mal oraklen, wann platzt ganz unverhofft die nächste Blase, die Kreditkartenblase in den USA? Ende diesen, Anfang nächsten Jahres, und wieder ganz unverhofft?

    Da sollte man aber wirklich langsam mal mit Nachdebnken anfangen.

    PS:
    "Heli Ben" wird er deswegen genannt, weil er mal ernsthaft verkündet haben soll, im Falle einer Deflation in den USA mit Hubschraubern Dollars abzuwerfen.

  2. Es ist viel zu kurz gegriffen, wenn die hohen Kursverluste nur mit einer Furcht vor einer Weltrezession begründet wird. Die jetzigen Panikverkäufe haben damit zu tun, dass das Vertrauen in die virtuellen Börsenmärkte vollkommen abhanden gekommen ist, und das völlig zu Recht!

    Das Finanzsystem und die Börse werden im Grunde genommen gleichgesetzt. Und sie sind genau genommen auch sehr stark vernetzt, denn die Banken haben ihr Börsenengagement in den letzten Jahren stark ausgebaut. Nicht zuletzt durch die gigantischen Einzahlungen der großen und kleinen "Rentensparer" in Fondsprodukte haben sich die institutionellen Anleger aufgebläht und mit ihnen die Börse. Stetig wurde immer mehr Kapital angespült und mußte angelegt werden. Dies tat der Marktgläubige in der Hoffnung ein wenig mehr Rendite zu erwirtschaften als mit langweiligen aber sicheren Zinspapieren. Der Glaube an die Börsenrendite ist in diesen Tagen völlig verpufft und selbst der letzte "Schläfer" wacht auf und flüchtet aus den windigen Papieren. Es bleibt zu hoffen, dass diese Flucht so nachhaltig ist, dass ein Umdenken im Bezug auf die Finanzbranche, die die Börse mit einschließt, erzwungen wird.

    Es sollte darüber nachgedacht werden, die gesamte Finanzbranche dem Markt zu entziehen, insofern als dass sie künftig keine Gewinne mehr erwirtschaften darf. Das Geldsystem ist zu wichtig, als dass es zum Spielball gewinnsüchtiger Akteure wird, die völlig anonym vom Schreibtisch aus Milliarden und Billionen in z.T. Fantasiepapieren (auch Derivate/ Zertifikate genannt) hin- und her verschieben. Das, was wir in den letzten Jahren an der Börse und der Finanzwelt allgemein erlebt haben, hat nichts mehr mit einer Abbildung Realwirtschaft zu tun, sondern ist ein willkürliches Monopoly geworden, auf das man nicht mehr nachhaltig setzen kann und sollte, und schon gar nicht, um die Altersversorgung aufzubauen.

    Leider ist es so, dass sich zu viele Menschen von diesen Kettenbriefspielern verführen lassen haben und jetzt das große Erwachen kommt. Es ist zu hoffen, dass man nicht so schnell wieder einschläft....

    • Anonym
    • 08.10.2008 um 13:39 Uhr
    3. ;-)

    Es gibt ein altes chinesisches Sprichwort: Wenn der Boden trocken ist, sollte man nicht den Komposthaufen gießen.

    • gayorg
    • 08.10.2008 um 14:10 Uhr

    Anfang des Jahres ZINSEN GESENKT, nutze nichts. MIA FRISCHES KAPITAL in die Märkte gepumpt, nutzte nichts, BANKEN und VERSICHERUNGEN mit MIA aufgefangen , nutzte nichts, BANKEN V ERSTAATLICHT , nutzte nichts, RETTUNGSPLÄNE , nutze nichts, GIGANTISCHE BÜRGSCHAFTEN nutzte nichts. Na dann fangen wir halt wieder bei Zinssenkungen an. Sagt ein NICHTEXPERTE: UM DAS GANZE ZU VERSTEHEN MUSS MAN MINDESTENS AN DER HARVARD UNI ÖKONOMIE, ODER IN DEUTSCHLAND FINANZWISSENSCHAFTEN STUDIERT HABEN UND NATÜRLICH EINS UND EINS ZUSAMMENZÄHLEN KÖNNEN: Anbei eine kleine YAHOO Meldung:WASHINGTON - Days after it got a federal bailout, American International Group Inc. spent $440,000 on a posh California retreat for its executives, complete with spa treatments, banquets and golf outings, according to lawmakers investigating the company's meltdown.

    • Anonym
    • 08.10.2008 um 14:21 Uhr

    Wohl denen, die gerade dort stehen, wo es Geld regnet. Wen wundert es, dass sie plötzlich alle ihre Regenschirme umdrehen ?

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