EU-Minigipfel Zahlen, bitte!

Beim heutigen Krisentreffen in Paris müssen Europas Regierungschefs eine Antwort auf Amerikas Banken-Rettungspaket finden. Für Deutschland könnte das besonders teuer werden

Wehrt Forderungen nach einem eigenen europäischen Rettungsfonds für die Banken ab: EU-Ratspräsident Nicolas Sarkozy

Dem Paukenschlag hat Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy schon die Wucht genommen, als er gerade erst durch Europa hallte. Nein, nichts sei dran am angeblich geplanten europäischen 300-Milliarden-Euro-Rettungspaket für dien hiesigen Banken, verkündete der derzeitige EU-Ratspräsident nur wenige Stunden, nachdem dieses Gerücht Mitte der Woche aufkam. Dabei erwartet ganz Europa die Antwort auf das 700-Milliarden-Dollar-Programm der USA zur Stützung ihrer taumelnden Geldhäuser, das das US-Repräsentatenhaus am Freitag im zweiten Anlauf gebilligt und das Präsident George W. Bush danach sofort durch seine Unterschrift in Kraft gesetzt hat. Und wann, wenn nicht heute im Elysée-Palast, könnte diese Antwort präsentiert werden?

Die mächtigsten Wirtschaftslenker Europas versammeln sich dort zur Krisendebatte. Nicht nur die Regierungschefs der vier größten Volkswirtschaften Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien, Merkel, Sarkozy, Brown und Berlusconi, sondern auch der Chef der Europäischen Zentralbank Jean-Claude Trichet sowie der Vorsitzende der Finanzminister der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, werden erwartet. Am Ende könnte die größte Umverteilung in der Geschichte der Europäischen Union stehen.

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Denn trotz aller Dementis ist ein europäischer Hilfsfonds keineswegs ausgeschlossen. Sollte der tatsächlich 300 Milliarden Euro betragen, wäre das Budget rund zweieinhalb mal größer, als der aktuelle Haushalt der Europäischen Union. Das Volumen des vielfach wegen seiner Dimension kritisierten Agrarhaushalts würde der Fonds gar sechsmal übertreffen.

Und der Druck für solch einen Krisenfonds wächst mit jeder natioonalen Erste-Hilfe-Aktion. Ein gemeinsamer europäischer Fonds erscheint vielen Politikern angesichts der jüngsten Bankenpleiten von Großbritannien bis Deutschland  überfällig. Brüsseler Parlamentarier wie der Berliner Abgeordnete Roland Gewalt (CDU) fordern seit Tagen ein „EU-Rettungspaket für europäische Banken“. Ein solcher europäisch abgestimmter Ansatz sei schon deshalb geboten, um Wettbewerbsnachteile für die europäischer Institute gegenüber den amerikanischen Konkurrenten zu vermeiden, die von dem dortigen gigantischen Rettungspaket profitieren, aus dem ihnen ihre faulen Kredite abgekauft werden sollen.

Was populistisch klingt, erfährt auch von wissenschaftlicher Seite Unterstützung. In einem Appell an die europäischen Staaten ermuntern zehn Ökonomen aus Europa und den USA, darunter der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus F. Zimmermann, Sarkozy & Co. zur Intervention: „Jeder Europäer weiß, was passiert ist, als die Finanzmärkte in den dunklen Jahren der Weltwirtschaftskrise zusammenbrachen. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass genau dies wieder passieren könnte, wenn die Regierungen jetzt nicht handeln“, schreiben die Wissenschaftler.

Auch der SPD-Europaparlamentarier Udo Bullmann warnt vor zähen Debatten. „Ich hoffe, das Ergebnis am Sonnabend ist nicht nur heiße Luft“, sagt Bullmann. Er mahnt zu dringenden Systemkorrekturen, die auch in Brüssel koordiniert werden könnten. So schlägt der SPD-Politiker vor, dass Staatshilfen bei Privatbanken mit zukünftigen Beteiligungen an den Gewinnen der Institute verknüpft werden könnten. All dies sollten die Wettbewerbs- und die Binnenmarktbehörde der EU-Kommission initiieren.

Leser-Kommentare
  1. 1. Nein!

    Nein! Keine Kohle für den Geldadel.

  2. Bevor sinnvoll über das "JA" oder "NEIN" zu so einem Paket diskutiert werden kann, müssen erst einmal die Fakten auf den Tisch´.

    1)
    Für die Banken heißt das:
    "Hosen runter!" Wenn Ihr Probleme habt, woran liegt das dann genau? An Eurer hochriskanten Zockerei oder "nur" an zeitbedingten Refinanzierungsschwierigkeiten (bei ansonsten solider Geschäftspraxis)? Und was gedenkt Ihr, liebe Banker, in Zukunft zu tun, um solche Situationen auszuschließen? Das möchte der Steuerzahler schon etwas genauer wissen.

    2)
    Für die Politiker und Journalisten heißt es:
    Erklärt uns das alles mal bitte so präzise und anschaulich, wie ihr könnt! Worin genau besteht eigentlich das volkswirtschaftliche Risiko eines Bankenkrachs? Muß wirklich jede Bank gerettet werden? Und gibt es nicht verschiedene Möglichkeiten, den ultimativen Crash zu vermeiden?
    Wie kann man die materiellen Interessen der Steuerzahler sichern?
    Beweist uns doch mal, daß Ihr Bilanzen überhaupt lesen könnt!

    3)
    Die Berliner haben es gut, die hatten ihren Bankenskandal schon vor sieben Jahren. Sechs Milliarden DM: um so lächerliche Summen ging es damals! Jetzt haben auch alle anderen korrupten CDU- und SPDS-dominierten Landesbanken das Problem, nur halt entsprechend größer.
    Willkommen in der Berliner Republik!

    4)
    Fragt doch mal Herrn Landowsky, was er eigentlich so macht und ob er nicht Lust hätte, den 500-Milliarden-Rettungstopf zu managen. ..

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    Kann ich nur unterstreichen. Die zur Gewohnheit gewordene Delegation bei Unfällen mit Selbstbeteiligung lassen den Drang nach Aufklärung sich in Grenzen halten. So verständlich das ist, so unredlich ist es auch, ähnlich wie die Zockerei, die nicht kein amerikanisches Problem ist, sondern zur Grundausstattung erfolgreichen "Finanzmanagements" gehört.
    Es können viele kleine und für sich unbedeutende Entscheidungen sein, die eine Ausweitung und Wiederholung dieses Desasters schwer machen. Die kleine Sparer behalten ihr Geld, wenn sie Wert darauf legen, es wieder zu sehen.
    Die kleinen helfen sich gegenseitig und organisieren sich in Genossenschaften,die von ihresgleichen verwaltet werden und demokratische Regeln zu den Selbstverständlichkeiten gehören.

    • LJA
    • 04.10.2008 um 15:31 Uhr

    Zitat:"...Worin genau besteht eigentlich das volkswirtschaftliche Risiko eines Bankenkrachs? Muß wirklich jede Bank gerettet werden? Und gibt es nicht verschiedene Möglichkeiten, den ultimativen Crash zu vermeiden?..."

    Ein Großteil unseres heutigen Wohlstandes, verglichen mit früheren Jahrhunderten, besteht auch in zuverlässigen und schnellen Möglichkeiten für Finanztransaktionen. Ohne Bankensystem müssten wir zur Naturaltauschwirtschaft zurückkehren. Diese ist aber viel langsamer und uneffektiver. Nur mit Geld als allgemeinem Zahlungsmittel kann man zum Markt (oder auch zum Supermarkt) gehen und hat innerhalb kürzester Zeit alles Benötigte zusammen. Versuchen Sie sich vorzustellen, Sie müssten sich jedesmal erst durch 20 Stellen durchtauschen, bis sich endlich jemand findet, der bereit ist, das was Sie brauchen gegen etwas anderes abzugeben, dass Sie zufällig gerade besitzen und nicht mehr brauchen.

    Das Problem ist nun, dass heutzutage so ziemlich alle Banken miteinander vernetzt sind und zwar auf globaler Ebene. Das müssen sie auch, wenn unsere ortsansässige Maschinenfabrik eine Lieferung nach Indien innerhalb weniger Tage abwickeln will, inkl. Akkreditiv und gegenstehender Bürgschaft.

    Das Bankgeschäft beruht auf Vertrauen. Sowohl das der Kunden zu ihren Banken, als auch das der Institute untereinander. Beides ist mittlerweile schwer angeschlagen. Da für den normalen Sparer die Risiken kaum einzuschätzen sind, heben mittlerweile viele Menschen ihre Guthaben von hiesigen Sparkassen und Volksbanken ab, obwohl diese vermutlich am wenigsten gefährdet sind. Aber danach geht es nicht. Wenn erst einmal ein allgemeiner "run" beginnt, beispielsweise nach dem Zusammenbruch eines bekannten Namens, dann ist es meist schon zu spät. Es spielt dann keine Rolle mehr, ob die eigene Bank in die Geschäfte verwickelt war oder nicht. In der Wirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre, sind viele Finanzunternehmen dadurch in den Ruin getrieben worden, die eigentlich noch im Kern gesund waren.

    Wenn man hier also von staatlicher Seite eingreifen will, dann muss es möglichst früh passieren. Es ist nicht annähernd genug Bargeld im Umlauf, um sämtliche bestehenden Guthaben auszuzahlen. Wenn es erst einmal so weit kommt, dann können sowohl Geldscheine als auch Aktien, Versicherungspolicen oder Rentenbescheide nur noch als Heizmaterial verwendet werden.

    Das bei einer solchen Aktion auch die Fehler hochbezahlter Banker mit Steuergeldern behoben werden, ist richtig und skandalös, aber kurzfristig nicht zu ändern.

    Kann ich nur unterstreichen. Die zur Gewohnheit gewordene Delegation bei Unfällen mit Selbstbeteiligung lassen den Drang nach Aufklärung sich in Grenzen halten. So verständlich das ist, so unredlich ist es auch, ähnlich wie die Zockerei, die nicht kein amerikanisches Problem ist, sondern zur Grundausstattung erfolgreichen "Finanzmanagements" gehört.
    Es können viele kleine und für sich unbedeutende Entscheidungen sein, die eine Ausweitung und Wiederholung dieses Desasters schwer machen. Die kleine Sparer behalten ihr Geld, wenn sie Wert darauf legen, es wieder zu sehen.
    Die kleinen helfen sich gegenseitig und organisieren sich in Genossenschaften,die von ihresgleichen verwaltet werden und demokratische Regeln zu den Selbstverständlichkeiten gehören.

    • LJA
    • 04.10.2008 um 15:31 Uhr

    Zitat:"...Worin genau besteht eigentlich das volkswirtschaftliche Risiko eines Bankenkrachs? Muß wirklich jede Bank gerettet werden? Und gibt es nicht verschiedene Möglichkeiten, den ultimativen Crash zu vermeiden?..."

    Ein Großteil unseres heutigen Wohlstandes, verglichen mit früheren Jahrhunderten, besteht auch in zuverlässigen und schnellen Möglichkeiten für Finanztransaktionen. Ohne Bankensystem müssten wir zur Naturaltauschwirtschaft zurückkehren. Diese ist aber viel langsamer und uneffektiver. Nur mit Geld als allgemeinem Zahlungsmittel kann man zum Markt (oder auch zum Supermarkt) gehen und hat innerhalb kürzester Zeit alles Benötigte zusammen. Versuchen Sie sich vorzustellen, Sie müssten sich jedesmal erst durch 20 Stellen durchtauschen, bis sich endlich jemand findet, der bereit ist, das was Sie brauchen gegen etwas anderes abzugeben, dass Sie zufällig gerade besitzen und nicht mehr brauchen.

    Das Problem ist nun, dass heutzutage so ziemlich alle Banken miteinander vernetzt sind und zwar auf globaler Ebene. Das müssen sie auch, wenn unsere ortsansässige Maschinenfabrik eine Lieferung nach Indien innerhalb weniger Tage abwickeln will, inkl. Akkreditiv und gegenstehender Bürgschaft.

    Das Bankgeschäft beruht auf Vertrauen. Sowohl das der Kunden zu ihren Banken, als auch das der Institute untereinander. Beides ist mittlerweile schwer angeschlagen. Da für den normalen Sparer die Risiken kaum einzuschätzen sind, heben mittlerweile viele Menschen ihre Guthaben von hiesigen Sparkassen und Volksbanken ab, obwohl diese vermutlich am wenigsten gefährdet sind. Aber danach geht es nicht. Wenn erst einmal ein allgemeiner "run" beginnt, beispielsweise nach dem Zusammenbruch eines bekannten Namens, dann ist es meist schon zu spät. Es spielt dann keine Rolle mehr, ob die eigene Bank in die Geschäfte verwickelt war oder nicht. In der Wirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre, sind viele Finanzunternehmen dadurch in den Ruin getrieben worden, die eigentlich noch im Kern gesund waren.

    Wenn man hier also von staatlicher Seite eingreifen will, dann muss es möglichst früh passieren. Es ist nicht annähernd genug Bargeld im Umlauf, um sämtliche bestehenden Guthaben auszuzahlen. Wenn es erst einmal so weit kommt, dann können sowohl Geldscheine als auch Aktien, Versicherungspolicen oder Rentenbescheide nur noch als Heizmaterial verwendet werden.

    Das bei einer solchen Aktion auch die Fehler hochbezahlter Banker mit Steuergeldern behoben werden, ist richtig und skandalös, aber kurzfristig nicht zu ändern.

  3. Kann ich nur unterstreichen. Die zur Gewohnheit gewordene Delegation bei Unfällen mit Selbstbeteiligung lassen den Drang nach Aufklärung sich in Grenzen halten. So verständlich das ist, so unredlich ist es auch, ähnlich wie die Zockerei, die nicht kein amerikanisches Problem ist, sondern zur Grundausstattung erfolgreichen "Finanzmanagements" gehört.
    Es können viele kleine und für sich unbedeutende Entscheidungen sein, die eine Ausweitung und Wiederholung dieses Desasters schwer machen. Die kleine Sparer behalten ihr Geld, wenn sie Wert darauf legen, es wieder zu sehen.
    Die kleinen helfen sich gegenseitig und organisieren sich in Genossenschaften,die von ihresgleichen verwaltet werden und demokratische Regeln zu den Selbstverständlichkeiten gehören.

    Antwort auf ""Hosen runter"!"
  4. Wenn die Europäer ökologische Maßnahmen zur Verbesserung der Umwelt durchgeführt haben,
    so hat Washington das vielfach nicht für nötig befunden.Auch schon zu einer Zeit vor 10 Jahren wo
    die Wirtschaftsdaten der USA wesentlich besser waren.
    Die sozialen und ökologischen Maßnahmen für Industrie und Gewerbe haben dazu geführt,dass
    in Ländern mit keinen oder geringeren Standards billiger produziert werden konnte.Fallende Steuereinnahmen waren die Folge.Scheinfirmensitze in Steueroasen wurden und werden vielfach nicht entsprechend in die Überlegungen und Handlungen einbezogen
    Das leitende Wirtschaftssystem,wurde aber vom Westen importiert,von den brennend nötigen
    ökologischen Reformen hört man seither sehr wenig.Hört man deshalb so wenig,weil
    die freie Forschung mittlerweile von Forschungsaufträgen durch die Industrie abhängig ist?
    Diskutiert man auch deshalb so wenig über Hurrikans von den doppelten Größe Deutschlands,
    die zufällig direkt vor der Finanzkrise die Welt erschütterten,wo nur mehr in CNN zu lesen
    ist,dass noch 300 Menschen vermisst werden?
    Provokant gefragt:War die USA deshalb der Wirtschaftsmotor,weil es dort weniger Öko-und
    Sozialauflagen gibt,die immerhin in den Menschenrechten festgeschrieben sind und
    weil man regellos gewirtschaftet hat.
    Zunehmende Krebsraten scheinen die Menschen nicht mehr besonders zu schocken.
    Eine wirklich saubere Untersuchung der Gentechnik,in ihren Folgen für die nächsten
    Jahrzehnte und Jahrhunderte,ist die,bei der massiven Abhängigkeit der Forschung von
    der Industrie überhaupt möglich?Es gibt schon saubere und sehr deutliche Recherchen
    auch aus der USA durch Jeffrey Smith:Sein Buch Gentechnik Roulette.
    Das wichtigste ist,die Wirtschaftsdaten müssen stimmen.nicht einmal die stimmen mehr.
    Man will Wirtschaftsdaten retten nicht Menschen,sonst hätte man vielleicht doch die
    geniale Idee der Demokraten für ein erweitertes Rettungspaket,wobei erneuerbare
    Energien gefördert hätten werden sollen übernommen.
    Fallendes Geld,bei in der Zukunft sicher steigenden Energiepreisen sind die Realität.
    Der Vorschlag der Demokraten eine gute Antwort darauf.Ein Leserbriefkommentar in
    nzz.ch war,dass jetzt durch das Hilfpaket,das BIP der USA 70% verschuldet ist,und
    dass es das eigentlich bisher nur zwei Mal in der Geschichte der Menschheit gab.
    Einmal war das so vor dem zweiten Weltkrieg......
    Was tun,wenn es trotz einem europäischen Hilfspaket,trotzdem zu einem großen Krieg kommt?
    Dann müßte man massiv steigende Ölpreise miteinkalkulieren?Neben dem schrecklichen Menschlichen Aspekt.....

    Man kann einiges in Europa tun ohne mit der Wimper zu zucken:Klare Grenzen
    für Ausuferungen der Wirtschaft.Freie Forschung und Lehre und Kunst,freies nicht nur wirtschaftsorientiertes Bildungssystem.Unterstützung der Instrumente der direkten Demokratie um die Europaskepsis nicht ausufern zu lassen.Was bringen Bankenverstaatlichungen oder Wirtschaftsverstaatlichungen?Wenn man Mensch und Natur,wenn möglich seine unabhängige
    Beziehung zu Gott,wieder in den Mittelpunkt stellt,und die Wirtschaft marktwirtschaftlich arbeiten
    lässt,so wird man Erfolg haben.
    Wenn in einer Monokultur eine Epidemie entsteht, so kann das verheerend sein.Wenn es aber viele verschiedene Pflanzen gibt,so wird wenig passieren.
    Warum muß immer ein für alle geltendes Rezept gefunden werden?

    • LJA
    • 04.10.2008 um 15:31 Uhr

    Zitat:"...Worin genau besteht eigentlich das volkswirtschaftliche Risiko eines Bankenkrachs? Muß wirklich jede Bank gerettet werden? Und gibt es nicht verschiedene Möglichkeiten, den ultimativen Crash zu vermeiden?..."

    Ein Großteil unseres heutigen Wohlstandes, verglichen mit früheren Jahrhunderten, besteht auch in zuverlässigen und schnellen Möglichkeiten für Finanztransaktionen. Ohne Bankensystem müssten wir zur Naturaltauschwirtschaft zurückkehren. Diese ist aber viel langsamer und uneffektiver. Nur mit Geld als allgemeinem Zahlungsmittel kann man zum Markt (oder auch zum Supermarkt) gehen und hat innerhalb kürzester Zeit alles Benötigte zusammen. Versuchen Sie sich vorzustellen, Sie müssten sich jedesmal erst durch 20 Stellen durchtauschen, bis sich endlich jemand findet, der bereit ist, das was Sie brauchen gegen etwas anderes abzugeben, dass Sie zufällig gerade besitzen und nicht mehr brauchen.

    Das Problem ist nun, dass heutzutage so ziemlich alle Banken miteinander vernetzt sind und zwar auf globaler Ebene. Das müssen sie auch, wenn unsere ortsansässige Maschinenfabrik eine Lieferung nach Indien innerhalb weniger Tage abwickeln will, inkl. Akkreditiv und gegenstehender Bürgschaft.

    Das Bankgeschäft beruht auf Vertrauen. Sowohl das der Kunden zu ihren Banken, als auch das der Institute untereinander. Beides ist mittlerweile schwer angeschlagen. Da für den normalen Sparer die Risiken kaum einzuschätzen sind, heben mittlerweile viele Menschen ihre Guthaben von hiesigen Sparkassen und Volksbanken ab, obwohl diese vermutlich am wenigsten gefährdet sind. Aber danach geht es nicht. Wenn erst einmal ein allgemeiner "run" beginnt, beispielsweise nach dem Zusammenbruch eines bekannten Namens, dann ist es meist schon zu spät. Es spielt dann keine Rolle mehr, ob die eigene Bank in die Geschäfte verwickelt war oder nicht. In der Wirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre, sind viele Finanzunternehmen dadurch in den Ruin getrieben worden, die eigentlich noch im Kern gesund waren.

    Wenn man hier also von staatlicher Seite eingreifen will, dann muss es möglichst früh passieren. Es ist nicht annähernd genug Bargeld im Umlauf, um sämtliche bestehenden Guthaben auszuzahlen. Wenn es erst einmal so weit kommt, dann können sowohl Geldscheine als auch Aktien, Versicherungspolicen oder Rentenbescheide nur noch als Heizmaterial verwendet werden.

    Das bei einer solchen Aktion auch die Fehler hochbezahlter Banker mit Steuergeldern behoben werden, ist richtig und skandalös, aber kurzfristig nicht zu ändern.

    Antwort auf ""Hosen runter"!"
  5. Es scheint beinahe so zu sein das die Euphorie, Rechthaberei und Ueberheblichkeit der Vergangenen 20 Jahre einem Ende zugeht. Die Hilferufe und Rechtfertigungen für das Einspringen des Staates könnte man fast etwas mitleidig belächeln wo doch alles Staatliche bisher in den Dreck gezogen wurde...

    Leider mit noch ungewissem Ausgang, wobei mich hier eigentlich nur interessiert welche Massnahmen getroffen werden um die liberalisierungen/privatisierungen, die fantastischen Renditeansprüche, die sogenannten Innovativen Investitonssysteme (welch eine Illusion) komplett neu zu regeln oder diese sogar explizit zu Verbieten.

    Jegliche Hilfe aus der so verpönten staatlichen Ecke nur im Gegenzug zu solchen Regeln welche die Finanzindustrie primär in den Dienst der Allgemeinheit stellt. Jegliche Hedonistischen Geldvermehrungesysteme soll der Hauch des Lebens entnommen werden. Den unverschämten Bonussystemen (bei der UBS waren das im letzten Jahr über 10 Milliarden Sfr. !!!) soll ebenfalls der Anreiz des fantastischen genommen werden.

    Warum z. Bsp. ist es notwendig das auch das hinterletzte Provinzblatt die Kursentwicklung der Börsen auf bunten Seiten publiziert wo doch lediglich ca. 10% der Menschen Finanzprodukte besitzen ??? Warum wird den Finanzmärkten auch in TV und Radio soviel Sendezeit eingeräumt wo doch der weitaus grösste Anteil der täglichen, ja sekündlichen Transaktionen mit dem normalen Bedürfnissen der Menschen überhaupt nicht's zu tun hatte.

    Paralle dazu dürfen auch gleich noch die MBA Ausbildungsssysteme mit einiges mehr an Gesellschaftlicher Verantwortung und Moral im Ausbildungsplan ausgestattet werden, auf das auch zukünftige Managergenerationen nicht wieder auf solch dumme Ideen kommen.

    Man denke mal an die vielen 100' tausende verarmte Europäer jeglicher Couleur also Arbeitslose, Sozialhilfeemfänger, Alleinerziehende , verarmte Rentner und Kinder, Invalide und die vielen anderen die dem Turbossytem nicht mehr gewachsen wahren und entsorgt wurden. Viele dieser Menschen wurden mittels Medialen und Gesetzlichen Angriffen moralisch und finanziell Mundtot gemacht und bis zum Schluss auch noch per voeuristischer TV Sondersendungen der letze Lebenssinn beraubt... All diese Menschen haben auch vom Staat Hilfe und Unterstützung erwartet doch zu mehr als einem herblassenden Schulterzucken reichte es bis heute nicht mehr...

    Fehlentwicklungen in unglaublichen Ausmassen bei gleichzeitigem ebenso ungaublichem Anwachsen des Reichtums der komplett einsetig verteilt wurde. Beide Entwicklungen, also die Fehler und auch der einseitige Reichtum wurden und werden mit konstanter Propaganda verniedlicht so das viele von uns dies bis heute als quasi natürliche und unabänderliche Entwicklunegn angesehen haben...

    Auch das ist ein Fehler...

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Helda Camara

  6. Es grenzt schon an Armut, das plötzlich Milliarden Euro an Steurgelder verhanden sind und diese auch noch von der Bundesregierung zur Verfügung gestellt werden, um Banken zu retten, die sich auf dem Banken-Weltmarkt der Spekulation verspekuliert haben.
    Da grinst ein Herr Finanzminister Steinbrück in die Kameras und sagt mal ebenso lapidar, als wenn es sich um einen Summenklecks für den Steuerzahler handelt, das es für....genau....den Steuerzahler im Lande schon ein grosses Risiko darstellt...dieses 35-Milliarden-Soforthilfe-Paket. Es könnte auch schief gehen...was heisst...die 35 Milliarden wären futsch. Aber das interessiert grad niemanden, denn wir werden schon eine neue Steuer erfinden, egal ob die 35 Milliarden geholfen haben oder nicht, um diese Summe wieder einzufahren. Da führt schon mal kein Weg dran vorbei. Dann wird man Herrn Steinbrück, und nicht nur ihn, in einer bekannten ach-ich-kann-aber-nichts-dafür-miene und einer es-tut-mir-aber-leid-liebe steuerzahler-aber-irgendwo-muss-das-geld-wieder-eingespart-werden-miene über sämtliche Flimmer huschen sehen. Mal schauen wer sich, in Richtung Bundestagswahl im kommenden Jahr, davon täuschen lässt.

    Für Kinderspielplätze.....kein Geld vorhanden!
    Für Kitas.......kein Geld vorhanden!
    Für Schulen......kein Geld vorhanden!
    Für Krankenhäuser......kein Geld vorhanden!
    Für Medikamente schwerstkranker Menschen, die mit diesen Medikamenten noch ein klein wenig länger Leben könnten......kein Geld vorhanden!
    Für alleinerziehnde Mütter und Väter.....kein Geld vorhanden!
    Für die Verbesserung der absolut desolaten Zustände in den Altenheimen.....kein Geld vorhanden!
    Für die Rentner, die nicht zu den Rentner-Millionären gehören und sich trotzdem ihr ganzes Leben kaputt geschuftet haben.....kein Geld vorhanden!
    Für ältere Hartz-IV-Empfänger, die an ihrer Situation nicht Schuld sind und aufgrund der wir-stellen-nur-noch-mitarbeiter-unter-28 jahre-ein-mentalität keine chance mehr haben, jemals in ihrem Leben eine berufliche Herausforderung zu finden.....kein Geld vorhanden!

    Die Liste könnte weiter und weiter geschrieben werden. Bei diesen Themen diskutiert die Bundesregierung jahrelang, meistens zu Zeiten der Bundestagswahl und dann verstauben diese Themen wieder für knapp vier Jahre. Aber bei dem aktuellen Crash der Banken, da geht es ratzifatzi und keiner weiss, ob es überhaupt mit dem Milliarden-Paket funktioniert.

    Wahrscheinlich hebt Frau Merkel beim Gipfel in Paris gleich beim betreten des Saales ihre Hand, dass der deutsche Steuerzahler gern als Vorbild fungiert und für ganz Europa zahlen möchte. Das würde mich nicht wundern.

    Auf einen angenehmen Nachmittag in gesellschaftlicher Runde....im schönen Paris, Frau Merkel!

  7. Die weltweite Finanzkrise zeigt deutlich das Versagen des Marktes und die dringende Notwendigkeit einer vernünftigen Regulierung. Anderenfalls werden Banken bei der nächsten Krise wieder nach dem Staat und vor allem nach dem Geld rufen. Das ist dann mehr als ein dreistes Bubenstück auf Kosten des Steuerzahlers. Für die sich regelmäßig verspekulierenden Banken ist Geld gleich in Milliardenhöhe da, während Sozialleistungen gekürzt werden und z.B. die Kinderarmut im Lande wächst. Das nennt sich Neoliberalismus. Und der muss weg! Weil er schlicht eine Schande ist.
    rheinelbe

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    • LJA
    • 05.10.2008 um 16:45 Uhr

    Lieber Neo-Liberalismus als Neo-Biedermeier.

    • LJA
    • 05.10.2008 um 16:45 Uhr

    Lieber Neo-Liberalismus als Neo-Biedermeier.

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