Finanzkrise Rette sich, wer kann

Ein koordiniertes EU-Krisenmanagement gibt es nicht. Dabei werden inzwischen selbst im vermeintlich marktliberalen Großbritannien Banken verstaatlicht

Ist eine von acht Banken, die teil verstaatlicht werden sollen: Die britische Royal Bank of Scotland

Für Europa und die Währungsunion ist die Krise der internationalen Finanzmärkte zur Stunde der Wahrheit geworden. Die Finanzmärkte sind globaler geworden, und es hat sich schnell herausgestellt, dass es sich beim Run auf die Banken um kein spezifisch "angelsächsisches Problem" handelt, wie Peer Steinbrück voreilig verkündet hatte. Die meisten Banken in Europa haben kräftig am giftigen Kreditcocktail mitgemischt. Nun hätte man erwarten können, dass die europäischen Staaten in der Stunde der Bedrängnis alles daran setzen würden, gemeinsam zu handeln. Zumal Berlin, Paris und Brüssel unablässig die Vorzüge von mehr Integration predigen und auf mehr gemeinsames Handeln drängen.

Doch trotz der höchst gefährlichen Verwerfungen der Weltwirtschaft folgten keine Taten, nationale Interesse dominieren. Jeder agiert nach dem Motto "Rette sich, wer kann". Irland machte mit einer klassischen Darbietung des verpönten Stücks "beggar your neighbour" den Anfang - andere Länder folgten, wenn gleich sie nicht so weit gingen wie Dublin, alle Einlagen und Sparguthaben in der gesamten Höhe zu garantieren. Selbst Regierungen, die zunächst harsche Kritik am irischen Alleingang geübt hatten, etwa die in Berlin, demonstrierten wenig später, dass auch ihnen das nationale Hemd näher ist als der europäische Rock. Der deutschen Entscheidung, Einlagen zu garantieren, mussten andere EU-Staaten, ob sie nun wollten oder nicht, folgen.

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Europa gelang es nicht, ein ähnliches Rettungspaket wie die USA zu schnüren. Deutschland verweigerte einem europäischen Rettungsfond die Zustimmung, aus durchaus nachvollziehbaren Gründen. Man fürchtete, für die hohe Verschuldung südeuropäischer Staaten, allen voran Italiens, zur Kasse gebeten zu werden. Immerhin einigten sich die EU-Finanzminister darauf, eine Bestandsgarantie für jede wichtige europäische Bank auszusprechen. Was im Klartext bedeutet, dass man jedes wichtige Kreditinstitut retten wird, dass andere Banken mit in den Abgrund ziehen würde.

Gewiss wird das Bemühen der EU um koordiniertes Handeln erkennbar. Es äußerte sich auch in der Entscheidung der EZB, zusammen mit den Zentralbanken von Amerika und England den Leitzins um einen halben Prozentpunkt zu senken. Doch letztlich wurschtelt jedes Mitglied der EU allein vor sich hin. Das jüngste Beispiel lieferten die Briten mit ihrer 50 Milliarden Pfund teuren Rettungsaktion für die eigenen angeschlagenen Banken, die in den Tagen zuvor einem dramatischen Kursverfall ausgesetzt waren.

Auf den ersten Blick erstaunt gerade die Entscheidung der Labour-Regierung, denn sie läuft de facto auf die Teilverstaatlichung des Bankenwesens hinaus. Aber man darf nicht vergessen: Noch vor 30 Jahren waren weite Teile der britischen Wirtschaft im Staatsbesitz. Die Privatisierungswelle brach erst mit dem Thatcherismus über das Land herein. Zudem wissen auch erklärte Anhänger des freien Marktes, dass es nicht ohne den Staat geht, wenn der gesamte Finanzsektor ins Trudeln geraten ist. Nur der Staat hat die erforderlichen Mittel, Bürgschaften zu übernehmen und die Zahlungsfähigkeit sicherzustellen. Und am Ende ist die Teilverstaatlichung ohnehin nicht für die Ewigkeit gedacht. Schweden hat es in den frühen neunziger Jahren vorgemacht, als es zur Verstaatlichung einiger Banken gezwungen war, die in sozialdemokratischen Zeiten zu viele unsolide Kredite vergeben hatten.

Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 08.10.2008 um 20:14 Uhr

    ist bekanntlich der letzte nette Hinweis eines Kapitäns, dessen stolzes Schiff in die dunklen Fluten des geliebten Meeres sich anschickt.

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    Wir sollten auf Zynismen verzichten!

    Ein doch klarer und treffender ZEIT-Artikel, der die Schwächen der internationalen Politik aufdeckt!

    Bis zu einer notwendigen "Weltinnenpolitik" ist es offensichtlich noch weit,
    aber die Krise kann - vielleicht - beschleunigt werden:

    Schließlich müssen noch weitere Welt- Probleme gelöst werden !

    Wir sollten auf Zynismen verzichten!

    Ein doch klarer und treffender ZEIT-Artikel, der die Schwächen der internationalen Politik aufdeckt!

    Bis zu einer notwendigen "Weltinnenpolitik" ist es offensichtlich noch weit,
    aber die Krise kann - vielleicht - beschleunigt werden:

    Schließlich müssen noch weitere Welt- Probleme gelöst werden !

  1. wir haben den Eisberg gerammt.

  2. Wir sollten auf Zynismen verzichten!

    Ein doch klarer und treffender ZEIT-Artikel, der die Schwächen der internationalen Politik aufdeckt!

    Bis zu einer notwendigen "Weltinnenpolitik" ist es offensichtlich noch weit,
    aber die Krise kann - vielleicht - beschleunigt werden:

    Schließlich müssen noch weitere Welt- Probleme gelöst werden !

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    Ich bitte um Entschuldigung: Ich meinte natürlich:

    "Bis zu einer notwendigen "Weltinnenpolitik" ist es offensichtlich noch weit,
    aber die Krise kann - vielleicht - weltinnenpolitikbeschleunigend wirken !"

    Schließlich müssen noch weitere Welt- Probleme gelöst werden !

    Ich bitte um Entschuldigung: Ich meinte natürlich:

    "Bis zu einer notwendigen "Weltinnenpolitik" ist es offensichtlich noch weit,
    aber die Krise kann - vielleicht - weltinnenpolitikbeschleunigend wirken !"

    Schließlich müssen noch weitere Welt- Probleme gelöst werden !

  3. Ich bitte um Entschuldigung: Ich meinte natürlich:

    "Bis zu einer notwendigen "Weltinnenpolitik" ist es offensichtlich noch weit,
    aber die Krise kann - vielleicht - weltinnenpolitikbeschleunigend wirken !"

    Schließlich müssen noch weitere Welt- Probleme gelöst werden !

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    Sehr richtig. Gott würfelt nicht.

    Sehr richtig. Gott würfelt nicht.

  4. Sehr richtig. Gott würfelt nicht.

    Antwort auf "Entschuldigung !"
  5. Wladimir Iljitsch Lenin: Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus .

    http://www.sed-forum.de

  6. sind die "Marktradikalen" in Wahrheit alle Kommunisten, da sie auf den Knien liegend nach Verstaatlichung der von ihnen "geführen" Institute schreien.
    So sieht also der real existierende Sozialismus aus.

    rheinelbe

  7. Gibt es eigentlich konstruktive Vorschläge??? O.k., die haben vielleicht angesichts der aktuellen Lobby kaum eine Chance! Hat sich schon Mal jemand mit den erfolgreichen, aber von den Notenbanken/Regierungen verhinderten/verbotenen Experimenten nach der Theorie von Silvio Gesell beschäftigt? Die Lösung ist denkbar einfach - wie jede erfolgreiche Lösung! Und viel sinnvoller als blinder Aktionismus und teure wie kurzfristige Beseitigung einzelner Symptome der Krankheit. Aber das wollen die, die von Spekulation leben, nicht hören! Ich kann auch das Buch von Margrit Kennedy:" Geld ohne Zinsen und Inflation. Ein Tauschmittel, das jedem dient" (1994!!!) empfehlen. Googeln Sie Mal, es geht nämlich auch anders! Natürlich müsste man manche spezielle Frage noch regeln, aber die Quintessenz ist ganz einfach: Wenn Ihnen Ihr Bankberater sagt:"Lassen Sie ihr Geld für sich arbeiten!", dann werfen Sie ihn raus! Oder haben Sie schon Mal gesehen, dass Geld "arbeitet"??? Geld sollte keine Ware sein, mit der man ohne Arbeit verdient, weil man genug davon zusammengerafft hat. Geld sollte nichts mehr und nichts weniger als ein allgemein anerkanntes Tauschmittel sein - also keine Zinsen bringen. Dann würde sich Spekulation gar nicht lohnen, und wir wären nicht von den jungdynamischerfolglosen Nieten in Nadelstreifen und ihren verrückten Finanzprodukten, die nur aus heißer Luft bestehen, abhängig!!

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    • Anonym
    • 08.10.2008 um 22:32 Uhr

    Gesell vielleicht ja auch...

    http://de.wikipedia.org/w...

    Aber machen Sie den in der heutigen Zeit der Banken- und Aktienmarkthektik mal Jemandem klar.

    100% Zustimmung. Der Kreislauf aus Kreditvergabe und Zurückzahlung PLUS Zinsen ist inflationär, denn die Zinsen können nur mittels neuer Kredite zurückgezahlt werden! Durch die Schaffung von Mehrwert in einer Realwirtschaft kann noch kein Cent zurückgezahlt werden. Der Mehrwert muß erst in Geld verwandelt werden, dann kann abgezahlt werden. Im herrschenden System heißt also Mehrwert = mehr Geld.
    Hier gibt es auch ein Modell, welches ein Ansatz für ein neues System sein kann:
    http://www.joytopia.net/

    • zetti
    • 09.10.2008 um 7:31 Uhr

    Sorry- aber geld arbeitet immer, außer sie horten es unter dem Kopfkissen. Nur für wen es arbeitet ist die Frage: Leihe ich es gegen einem bestimmten Zinssatz der Bank, damit die damit arbeitet oder lasse ich es für mich selbst arbeiten mit dem Risiko vorweg nichts über dei genaue Rendite zu wissen.

    Wertschöpfung findet immer statt, wenn sie Produkte oder Dienstleistungen kaufen. Da Sie mit diesem Geld an der Kasse die Arbeit des Produzenten/Dienstleisters bezahlen. Wertschöpfung findet also immer in Betrieben/Unternehmen statt.

    Das was Sie als Arbeit bezeichnen, das Geld gegen Zins an einen Banker zu geben, stimmt also so nicht. Aber Sie haben Recht. Der Koran verbietet z.B. Zinsgeschäfte und das aus all den Gründen die Sie aufführen. Die Bibel übrigens auch im eingeschränktem Maße.

    Zetti

    • Anonym
    • 08.10.2008 um 22:32 Uhr

    Gesell vielleicht ja auch...

    http://de.wikipedia.org/w...

    Aber machen Sie den in der heutigen Zeit der Banken- und Aktienmarkthektik mal Jemandem klar.

    100% Zustimmung. Der Kreislauf aus Kreditvergabe und Zurückzahlung PLUS Zinsen ist inflationär, denn die Zinsen können nur mittels neuer Kredite zurückgezahlt werden! Durch die Schaffung von Mehrwert in einer Realwirtschaft kann noch kein Cent zurückgezahlt werden. Der Mehrwert muß erst in Geld verwandelt werden, dann kann abgezahlt werden. Im herrschenden System heißt also Mehrwert = mehr Geld.
    Hier gibt es auch ein Modell, welches ein Ansatz für ein neues System sein kann:
    http://www.joytopia.net/

    • zetti
    • 09.10.2008 um 7:31 Uhr

    Sorry- aber geld arbeitet immer, außer sie horten es unter dem Kopfkissen. Nur für wen es arbeitet ist die Frage: Leihe ich es gegen einem bestimmten Zinssatz der Bank, damit die damit arbeitet oder lasse ich es für mich selbst arbeiten mit dem Risiko vorweg nichts über dei genaue Rendite zu wissen.

    Wertschöpfung findet immer statt, wenn sie Produkte oder Dienstleistungen kaufen. Da Sie mit diesem Geld an der Kasse die Arbeit des Produzenten/Dienstleisters bezahlen. Wertschöpfung findet also immer in Betrieben/Unternehmen statt.

    Das was Sie als Arbeit bezeichnen, das Geld gegen Zins an einen Banker zu geben, stimmt also so nicht. Aber Sie haben Recht. Der Koran verbietet z.B. Zinsgeschäfte und das aus all den Gründen die Sie aufführen. Die Bibel übrigens auch im eingeschränktem Maße.

    Zetti

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