Finanzkrise Wo geht’s wieder nach oben?

Die Regierung stützt den Bankensektor und beruhigt die Sparer. An spezielle Konjunkturprogramme gegen die Wirtschaftsflaute denkt sie bisher nicht. Ist das richtig? ZEIT ONLINE und die ZEIT haben 13 renommierte Ökonomen aus sieben Ländern befragt, was sie gegen die Krise tun würden.

Ist die Wirtschaft noch zu retten? 13 Ökonomen machen Vorschläge, welchen Feuerlöscher die Regierung jetzt nutzen sollte

Ist die Wirtschaft noch zu retten? 13 Ökonomen machen Vorschläge, welchen Feuerlöscher die Regierung jetzt nutzen sollte

Wäre ihr Arbeitsplatz nicht der Hörsaal, sondern das Büro des Finanzministers – wo würden sie als Erstes anpacken, um die Krise unter Kontrolle zu bekommen? Das war die Frage, die wir an führende Wirtschaftswissenschaftler gestellt haben.

Viele der befragten Ökonomen fordern den Staat auf, aktiver ins Geschehen einzugreifen – und dafür auch Geld in die Hand zu nehmen.

„Es muss ein Konjunkturprogramm her, das schnell wirkt“, sagt beispielsweise Willi Semmler, der viele Jahre in Bielefeld Vorlesungen hielt und inzwischen an der New School for Social Research in New York lehrt. Vorbild könne der amerikanische Kongress sein – er hatte im Februar denjenigen Amerikanern 300 bis 600 Dollar Steuern zurückzahlen lassen, die weniger als 75.000 Dollar im Jahr verdienen.

Auch Johann Eekhoff, Professor in Köln und Anfang der Neunziger Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, fordert sinkende Steuern.

Als kurzfristige Hilfe schlägt er vor, die Mehrwertsteuer um zwei Prozentpunkte zu senken. „Es wäre ein klares Signal der Politik an die Bürger: Wir wollen Sie entlasten“, sagt Eekhoff. So könne die Regierung wieder mehr Vertrauen schaffen.

Aus Japan kommt die Warnung vor einer Deflationsspirale, also vor einer Rezession mit sinkenden Preisen: Die Gefahr sei groß, solange die Regierungen in Europa nicht die Möglichkeit hätten, Rezessionen mit kurzfristig schuldenfinanzierten Staatsausgaben zu bekämpfen, sagt Richard Koo vom Nomura Forschungsinstitut in Tokio. Die deutsche Regierung solle in Brüssel daher darauf drängen, die strengen Verschuldungsgrenzen in solchen Fällen aufzuheben, rät Koo.

Der Mann spricht aus Erfahrung: Japans Wirtschaft hatte in den Neunzigern unter den Folgen einer geplatzten Spekulationsblase auf den Aktien- und Immobilienmärkten schwer gelitten.

Bei Rezessionen dieser Art helfe nur staatliche Ausgabenpolitik, sagt Koo. Platzt eine Blase, sinkt der Wert des Vermögens der Unternehmen, während die Schulden gleich hoch bleiben. In solchen Situationen würden alle rabiat sparen und nicht investieren – ganz gleich, wie niedrig die Zinsen seien.

Leser-Kommentare
  1. Ganz klar, am besten gefällt mir die Aussage von Spoun...von denen die heir zur Auswahl stehen....

    Das was Er anspricht wurde in der Vergangenheit der lächerlichkeit Preisgegeben. Am offensichtlichsten bei dem Versuch die Umlagerungsverfahren der Rentensysteme bei den Bürgern madig zu machen (was schon fast gelungen ist). Die Hoffnung dabei war ja wie schon gehabt, möglichst Kommissonsfähige Transaktionen und überhöhte Renditen zu erhalten. Die Renditenüberschüsse währen dann bei den Verwaltern geblieben,die Verluste hätte man mittels Rentenkürzunge beglichen.

    Die andere Offensichtlichkeit waren die Hatz IV Beansprucher die über die Jahre Repressionen ausgesetzt waren und noch sind die einer zivilisierten Gesellschaft nicht würdig sind. Sogar denunzierende TV Sendungen wurden mit den beinahe rechtslosen Menschen produziert. Daumen nach oben, Daumen nach unten... ->

    ;-)

    Aber es geht noch weiter mit der Teilung der Gesellschaft. Die Teilung basiert auf haben oder nicht haben in allen Lebensbereichen.... Lohn, Job, Auto, Freizeit, Krank, Gesund, Bildung, Kommunale Versorung/Entsorgung, Renten, Invalidität, Transport, Medien usw. usw.

    Die seit Jahren fortschreitende Teilung der Gesellschaft in die die sich alles Leisten können (angeblich nur weil diese tüchtiger als die Verlierer sind) und die die es sich nicht mehr leisten können hat bisher kein Ende gefunden. Um einen systematischen Aufschrei in der Bevölkerung im Keim zu ersticken wurden mittels Propaganda in Form von zitierten Pseudowissenschaftlern (man kann alles kaufen) die Gemüter beruhigt, die Selbstverschuldeten Versager ausgemacht und ausgegrenzt...

    Kritiker wurden mit Floskeln aus Theoriebüchern demogogisch und Pseudoargumentativ in die Ecke gestellt und ebenfalls der lächerlichkeit Preisgegeben. Ich erinnere an eine TV Sendung von vor 3 Wochen mit Sahra Wagenknecht (die viel geschmähte) in der Sie genau dies versucht hat anzusprechen doch der Moderator war leider klar Ueberfordert.

    Ein Artikel von Sahra Wagenknecht auf ihrer Homepage vom 15.9.2007 !!! Mit dem Titel " ...Die Krise am Hypothekenmarkt und ihre internationalen Auswirkungen..." dürfte doch klar machen das die Linken nicht automatisch einfach keine Ahnung vom Kapital haben... Bitte mal lesen.

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Helda Camara
    a

    • Piepe
    • 08.10.2008 um 21:07 Uhr

    Der Vorschlag von Eekhoff ist ausgezeichnet. Er bleibt seiner Linie treu. Übersetzung: Entmachtet den Staat beraubt ihn seiner Mittel. Es gibt keine Monopole und keine Marktmacht der Unternehmen. 2% weniger Mehrwertsteuer, werden die Unternehmen sofort an die Verbraucher weitergeben.

    Die Ausbildung der Volkswirtschaftler kostet die Steuerzahler viel Geld. Es ist zum Fenster hinausgeschmissenes Geld.

  2. 3. @Piepe

    Tsss, ist es schwer, Sie zu verstehen.

    Ich setze der Klarheit wegen noch eins oben drauf:

    [entfernt, bitte vermeiden Sie Beleidigungen/ Redaktion; svb]

    Denn:

    Den Eekhoff zu zitieren, dass muß wohl sein, dass ist man seinem konservativen AG und einem Teil der ebenso strukturierten Leserschaft wohl schuldig??? Kostolany hätte man statt dessen auch befragen können (vielmehr seine Bücher lesen). Das hätte mehr Sinn gehabt.
    [entfernt, bitte bleiben Sie sachlich/ Redaktion; svb]

  3. ...apropos schuldig: Ich vergaß die Werbekunden, vermutlich Mitglieder im Hundtschen AG-Verband. Man weiß ja nie...

    • gayorg
    • 09.10.2008 um 21:43 Uhr

    Was um Himmelswillen, ausser momentaner journalistischer Effekthascherei,ist diese Bezeichnung eigentlich noch Wert !! Diese Ökonomen und oder Experten wissen jetzt ganz genau wann die Krise vorbei ist und was zu tun ist um sie zu beenden. Mal ganz dumm gefragt : Wenn diese Leute soo schlau sind und Alles VORHERSAGEN können , warum ist es dann so weit gekommen ??

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