Für John McCain ist das Rennen um die Präsidentschaft zum Berglauf geworden. In den Umfragen liegt er hinten, und der Abstand ist zuletzt gewachsen. Aus einem der umkämpften Staaten, Michigan, hat er sich soeben zurückziehen müssen. Und, besonders wichtig: Die Zeit wird langsam knapp. Es gibt nur noch wenige Möglichkeiten, das Ruder dramatisch herumzuwerfen. Unter diesen Bedingungen gewinnt die heutige Fernsehdebatte für McCain an Bedeutung.

McCain mag bergan laufen müssen. Es ist für ihn schwieriger geworden, sein Ziel zu erreichen, aber keinesfalls unmöglich. Zunächst einmal spricht die Geschichte dafür. Andere Kandidaten haben schon fulminante Aufholjagden auf der Zielgeraden hingelegt. Einer davon war Al Gore, der George Bush in den letzten beiden Wochen sechs Prozentpunkte abnahm und beinahe gewonnen hätte. Auch diesmal scheinen Wählerwanderungen nicht ungewöhnlich zu sein.

Das Rennen sei "für blitzschnelle Veränderungen empfänglich", meint George Bushs ehemaliger Wahlkampf-Guru Karl Rove. Schon zweimal haben sich die Umfragen binnen weniger Wochen um ganze sechs Prozentpunkte verschoben. Es scheint Ewigkeiten her zu sein, und doch lag John McCain vor fünf Wochen noch fünf Punkte vorn. Nach seinem Nominierungsparteitag Anfang September war das. Inzwischen scheinen sich die Götter zugunsten der Opposition verschworen zu haben.

"Senator Obama hat mehr Geld als Gott; er kann auf das vorteilhafteste politische Klima bauen, das vorstellbar ist; er hat drei Wochen lang eine Art Kernschmelze der Finanzwelle nutzen können – und trotz allem kann er nicht mehr als ein paar Punkte Vorsprung erkämpfen", wundert sich der konservative Wahlkampfforscher Bill McInturff. Das alles deutet auf fortdauernde Schwächen Obamas. Tatsächlich ist Obamas Vorsprung in jenen Bundesstaaten, in denen die Wahl entschieden werden wird, nur hauchdünn.

Hier also drei (unerbetene) Ratschläge für John McCain:

Thema wechseln, Opponenten angreifen. Vier Wochen vor dem Wahltag ist es einfach nicht mehr genug, McCains Biografie zu vermarkten und seine Geschichte als Kriegsheld, als erfahrener Abgeordneter und als politischer Außenseiter nachzuerzählen. Über die Wirtschaft zu reden, bringt McCain nicht weiter. Zu viele Wähler assoziieren ihn mit Bankenpleite und Deregulierungs-Exzessen. Drum muss McCain versuchen, das Großthema des Wahlkampfs zu wechseln. Das ist, zugegeben, schwierig angesichts des täglichen Trommelfeuers schlechter Wirtschaftsnachrichten. Auch hat kein anderes Thema eine vergleichbare Zugkraft, nicht mal der Krieg im Irak.