Nobelpreise 2008 Fundamentale Einblicke in den Kosmos
Ein US-Amerikaner und zwei Japaner erhalten den diesjährigen Physiknobelpreis. Die drei Wissenschaftler haben nach Ansicht der Stockholmer Komitees entscheidend zur Erforschung der Materie beigetragen
Den diesjährigen Physiknobelpreis teilen sich der US-Forscher Yoichiro Nambu und zu gleichen Teilen seine japanischen Kollegen Makoto Kobayashi und Toshihide Maskawa. Sie erhalten die mit rund einer Million Euro dotierte Auszeichnung für ihre Entdeckung und Erforschung der spontanen Symmetriebrechung, wie die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften mitteilte.
Der Amerikaner Nambu von der University of Chicago hatte die jetzt gewürdigte Theorie bereits in den sechziger Jahren formuliert. Stark vereinfacht ausgedrückt geht es darum, dass physikalische Gesetze an sich perfekt symmetrisch sind - es tatsächlich aber nicht sein können, weil es unsere Welt, wie sie heute existiert, sonst gar nicht geben dürfte. Die Symmetriebrechung soll deshalb auch an der Entstehung des Weltalls vor etwa 14 Milliarden Jahren beteiligt gewesen sein. Perfekte Symmetrie hätte hier bedeutet, dass während des Urknalls gleiche Mengen Materie und Antimaterie entstanden wären, die sich gegenseitig ausgelöscht hätten. Die Tatsache, dass wir in einer materiellen Welt leben, ist auf einen Symmetriebruch zurückzuführen, der einen Überschuss an Materie entstehen ließ.
Die Japaner Kobayashi und Maskawa erklärten später, worauf sich die spontane Symmetriebrechung zurückführen lässt. Mit den Erkenntnissen der Teilchenphysiker lassen sich drei der vier fundamentalen Naturkräfte - schwache und starke Kernkraft und die elektromagnetische Kraft - in einer Theorie, dem Standardmodell der Teilchenphysik, vereinen. Sie können auch erklären, warum es mindestens drei Familien von Elementarteilchen gibt. Lediglich die Gravitation entbehrt derzeit noch einer Grundlage. Was fehlt, ist eine Elementarteilchen namens Higgs, das nun im neuen, weltgrößten Teilchenbeschleuniger am CERN in Genf gesucht wird .
Im vergangenen Jahr teilten sich der deutsche Physiker Peter Grünberg und sein französischer Kollege Albert Fert die begehrte Auszeichnung. Beide hatten unabhängig voneinander Ende der achtziger Jahre den sogenannten Riesenmagnetowiderstand entdeckt. Der Effekt ermöglicht die Speicherung großer Datenmengen auf engstem Raum. Ohne ihn wären moderne Festplatten und Speichermedien, wie sie heute in fast jedem PC verwendet werden, nicht denkbar.
Bereits am Montag erhielt der Deutsche Harald zur Hausen den Medizinnobelpreis für seine Forschung zum Gebärmutterhalskrebs. Zur Hausen hatte als erster krebserregende Typen des humanen Papillomviruses entdeckt. Auf Grundlage seiner Arbeit konnte ein Impfstoff für die zweithäufigste Krebsart unter Frauen entwickelt werden. Der 72-Jährige teilt sich die höchste Auszeichnung im Bereich der Medizin mit den französischen Virologen Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier, die für die Entdeckung und Erforschung des AIDS-Erregers HIV geehrt wurden.
Bis Anfang nächster Woche werden die Preisträger in den Kategorien Chemie, Frieden, Literatur und Wirtschaft bekanntgegeben.
- Datum 10.12.2008 - 11:19 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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