McCain möchte jedem ein Haus kaufen und Obama jedem eine kostenlose Gesundheitsversorgung verschaffen. Die TV-Debatte gestern war voller Versprechen, die leer bleiben werden. Denn, wer von den beiden Kandidaten auch immer Präsident wird, im Angesicht der gigantischen öffentlichen und privaten Schuldenberge wird er sparen, sparen und nochmals sparen müssen. Aber das sagt natürlich kein Kandidat fünf Minuten vor der Wahl.

Und was blieb sonst noch von der zweiten Diskussion der Präsidentschaftsbewerber haften? Ach ja, McCain witzelte, die Krankenkasse könne nicht für jeden Defekt aufkommen, zum Beispiel für neues Haar, das auch er selber gut gebrauchen könne. Doch niemand lachte. Im Gegenteil, McCain wirkte in diesem Augenblick eher peinlich und noch älter, als er sowieso schon ist.

Eigentlich sollte die Debatte am Dienstagabend eine Sternstunde für McCain werden. Er hatte sich dieses Townhall Meeting, diese Zuschauer-fragen-Politiker-antworten-Runde von Herzen gewünscht und wochenlang darum gerungen. Er wollte am liebsten ein Dutzend davon. Denn diese Townhall Meetings sind sein Format. Auf Tuchfühlung mit einer kleinen Gruppe von Wählern fühlt er sich am wohlsten, weit wohler als in der direkten Debatte mit Obama.

Aber wieder einmal hat er seine Chance vertan, wie schon in der vergangenen Woche, als es um sein Leib-und-Magen-Thema, die Außenpolitik, ging. McCain war angespannt, verkniffen, oft unkonzentriert und grantig. Er verhielt sich wie einer, der auf die Verliererstraße geraten ist und das vor allem seinem Gegner übel nimmt. "Mein Freund, wir haben keine Zeit für ‚on the job training’, für Anfängerunterricht", herrschte er Obama an und sprach von ihm, der direkt neben ihm saß, als "der da". Die Fernsehzuschauer quittierten seinen Auftritt mit schlechten Noten. Laut Blitzumfragen ist Barack Obama wieder einmal der klare Sieger.

Eigentlich unverdient, denn viel Erhellendes zur Lösung der drängenden Probleme Amerikas und der Welt hatte auch er nicht beizutragen. Das Meiste war bereits bekannt, und Neues zur Bewältigung des Supergaus auf der Wall Street hatte Obama nicht im Gepäck. Er verlor sich oft in Allgemeinplätzen.