Bankenkrise HRE-Chef Funke muss wohl gehen

Finanzminister Steinbrück und Politiker quer durch alle Parteien fordern den Rücktritt des HRE-Vorstandsvorsitzenden. In Finanzkreisen munkelt man, sein Abgang sei nur noch eine Frage der Zeit

"Wenn die Politik seinen Kopf fordert, wird man dem langfristig nachkommen müssen", zitierte die Nachrichtenagentur dpa ungenannte Quellen. Zunächst habe der Aufsichtsrat an Funke festgehalten, um nicht noch mehr Unruhe in das Unternehmen zu bringen. "Im Moment ist extremes Krisenmanagement gefragt." Funke werden das Unternehmen verlassen, nachdem die Details des Rettungspakets endgültig ausgehandelt seien, hieß es in den Agenturen.

Es sei zudem schwierig, kurzfristig Ersatz für Funke zu finden. Neben Funke steht auch Aufsichtsratschef Kurt Viermetz wegen des finanziellen Desasters bei dem Konzern in der Kritik. Möglicherweise ist auch er nicht mehr zu halten. HRE äußerte sich am Montag nicht dazu.

Anzeige

Vor allem Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte massive Kritik am Management der Hypo Real Estate (HRE) geäußert. Es sei undenkbar, mit dem derzeitigen Management der Bank weiter
zusammenzuarbeiten, sagte er am Montag im Deutschlandfunk. Bereits am Sonntagabend hatte er kritisiert, die Bundesregierung fühle sich vom Management falsch informiert.

Quer durch die Parteien waren ebenfalls Forderungen nach Funkes Rücktritt laut geworden. "Wer 35 Milliarden Euro sagt und dann sind es 50 Milliarden Euro - der ist kein kompetenter Gesprächspartner mehr", sagte der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Otto Bernhardt, der Bild-Zeitung. "Es ist an der Zeit, die Konsequenzen zu ziehen."

Auch der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Fritz Kuhn, hatte Funkes Rücktritt verlangt. "Die HRE hat offenbar nicht alle Fakten zum tatsächlichen Ausmaß der Krise auf den Tisch gelegt. Das Vertrauen in Vorstandschef Funke ist zerstört", sagte Kuhn der Bild. "Wenn der Bund Garantien für HRE gibt, muss er im Gegenzug Anteile übernehmen und die Abwicklung der Bank auch personell kontrollieren können."

Leser-Kommentare
  1. hihi... ich erinnere mich gerne an die Debatten in Bund und Ländern wie und wo und natürlich auch mit welchen abstrusen Begründungen und mit allen möglichen Demagogischen Würgereien und Verkrampfungen, Falschaussagen und simplen Lügereien den noch mal ein paar hundert Mio. gespart werden können um den Haushalt zu sanieren...

    wo war das denn nochmal '... äh, ach ja, bei der Bildung, bei den Kommunalen Versorgungen, privatisierung der DB, der Post, der Wasserversorgung, Gas, Abfallentsorgung... bei den Sozialhilfeempfängern, bei den Arbeitslosen...

    Noch mehr...? au wei, die Liste wird ja immer länger...

    ...nachdem man zuerst und immer wieder die Steuern an anderen Ecken und Enden gesenkt hat (nur nie beim normalen Standardbürger) und im Gegenzug sogar die MWst. angehoben hat, wohl wissend das diese die kleinen und mittleren Einommen überproportional belastet...

    ...und jetzt ? Diese Hilflosen Spezialisten werden von der ach so in jubel jauchzenden Höhen gerpiesenen Globaliserung überrannt... der liberalisierung auf Teufel komm raus sind halt nicht nur die Arbeitnehmer nicht gewachsen (die werden einfach entlassen und outgesourct), nein auch die Protagonisten die all die Internatioalen Verträge unterzeichnet haben, hecheln hinter dem harten aber mächtigen Markt hinterher...

    Oh yeah, wir zelebrieren die "unsichtbare Hand", diese angeblich so gerechte... nur wissen leider die wenigsten das hier Adam Smith Aussagen völlig aus dem Kontext genommen wurden...

    Oh yeah, denn sie wissen nicht was Sie tun... hier wird nicht regiert, es wird auch nicht agiert, nein es wird nur reagiert... Mit irgendsowas ähnlichem wie langfristiger Gesellschaftsgestalltung hat das und noch vieles andere nicht's zu tun...

    Leider fehlen die Visionen völlig... es wird lediglich der Globalisierung und ihrer finsteren Auswüchse hinterhergerannt...

    ..und nun, ach schmeissen wir doch dieser und den folgenden im sterben liegenden Finanzinstituten und anderen serbelnden Unternehmen einfach ein paar Mia. oder Mio. hinterher. Einfach so... Nokia.

    Wir sparen das dann beim Volk wieder ein... da ist sich ja inzwischen gewohnt den Gürtel enger zu schnallen... hehe, schon fast von der Richtigkeit überzeugt sind Sie, nach all den Jahren der Pro Globalisierungs, Privatisierungs und Liberalisierungs Vorteile von denen wir immer erzählt haben...

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Helda Camara

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • QUOTE
    • 06.10.2008 um 9:13 Uhr

    ...von vormals angeblich "unfinanzierbaren" Sozialstaatsleistungen, deren Volumen nun vervielfacht in sogenannte "Rettungspakete" für die Reichen gepumpt wird, ist interessant.

    Man denke mal an das Projekt Stasi 2.0 unseres unermüdlichen Innenministers - die Totalüberwachung der Bürger auf allen elektronischen Wegen, Telefon, Mail, vor allem natürlich Internet, vorgeblich zur Rettung von Demokratie und "Freiheit", in Wirklichkeit jedoch um im Auftrage der Contentindustrie zu verhindern, daß einem Dieter Bohlen für seine in MP3s umgewandelten Gehirnfürze auch nur 1 Cent Tantiemen entgeht...

    ...wenn man auch nur einen BRUCHTEIL dieser Überwachung auf den Finanz- oder Steuersektor angewendet hätte, hätte der Staat nicht nur keine Bankenkrise am Hals, sondern auch drastisch verbesserte Einnahmen. In Deutschland übersteigt die Zahl der Sozialfahnder die Zahl der Steuerfahnder DRASTISCH - dabei bringt ein Steuerfahnder seine Personalkosten im Durchschnitt mehr als 10-fach wieder rein!

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,536325,00.html

    Es wird Zeit, daß der Staat auf eine angemessene Stärke zurückgeführt wird - und wem die dazu zu zahlenden Spitzensteuersätze zu viel sind, der mag den deutschen Staub von seinen Füßen schütteln, und verschwinden. Wir sehen doch nun, wohin die asoziale Gier unserer "Eliten", gepaart mit der aus ihrer kastenartigen Struktur unweigerlich erwachsenden monumentalen Unfähigkeit uns geführt hat!

    Wir benötigen auch eine angemessene Besteuerung von Kapitalgewinnen - es ist ein Unding, daß Arbeit, die erst die Zinsgewinne schafft, höher besteuert wird, als die Zinsgewinne selber! Das führt zu der Situation, die uns in diese Krise geführt hat - nicht das Geld dient dem Menschen zur Befriedigung seiner Bedürfnisse, sondern der Mensch ist nur noch dazu da, das Geld zu vermehren bis zur Unendlichkeit. Der Schwanz wackelt mit dem Hund!

    • QUOTE
    • 06.10.2008 um 9:13 Uhr

    ...von vormals angeblich "unfinanzierbaren" Sozialstaatsleistungen, deren Volumen nun vervielfacht in sogenannte "Rettungspakete" für die Reichen gepumpt wird, ist interessant.

    Man denke mal an das Projekt Stasi 2.0 unseres unermüdlichen Innenministers - die Totalüberwachung der Bürger auf allen elektronischen Wegen, Telefon, Mail, vor allem natürlich Internet, vorgeblich zur Rettung von Demokratie und "Freiheit", in Wirklichkeit jedoch um im Auftrage der Contentindustrie zu verhindern, daß einem Dieter Bohlen für seine in MP3s umgewandelten Gehirnfürze auch nur 1 Cent Tantiemen entgeht...

    ...wenn man auch nur einen BRUCHTEIL dieser Überwachung auf den Finanz- oder Steuersektor angewendet hätte, hätte der Staat nicht nur keine Bankenkrise am Hals, sondern auch drastisch verbesserte Einnahmen. In Deutschland übersteigt die Zahl der Sozialfahnder die Zahl der Steuerfahnder DRASTISCH - dabei bringt ein Steuerfahnder seine Personalkosten im Durchschnitt mehr als 10-fach wieder rein!

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,536325,00.html

    Es wird Zeit, daß der Staat auf eine angemessene Stärke zurückgeführt wird - und wem die dazu zu zahlenden Spitzensteuersätze zu viel sind, der mag den deutschen Staub von seinen Füßen schütteln, und verschwinden. Wir sehen doch nun, wohin die asoziale Gier unserer "Eliten", gepaart mit der aus ihrer kastenartigen Struktur unweigerlich erwachsenden monumentalen Unfähigkeit uns geführt hat!

    Wir benötigen auch eine angemessene Besteuerung von Kapitalgewinnen - es ist ein Unding, daß Arbeit, die erst die Zinsgewinne schafft, höher besteuert wird, als die Zinsgewinne selber! Das führt zu der Situation, die uns in diese Krise geführt hat - nicht das Geld dient dem Menschen zur Befriedigung seiner Bedürfnisse, sondern der Mensch ist nur noch dazu da, das Geld zu vermehren bis zur Unendlichkeit. Der Schwanz wackelt mit dem Hund!

  2. Langsam geht es mit über die Hutschnur, wenn Journalisten einer hoch angesehenen Zeitung, die mit ihrem Werkzeug, der Sprache, sorgsam umgehen sollten, immer wieder falsche Begriffe benutzen.

    So wird hier wieder der Begriff >Finanzindustrie< verwendet und man meint damit das Finanzverbundsystem von Geldinstituten aller Art.

    Die Industrie erzeugt, stellt her, Waren und Güter. Die Finanzdienstleister sind notwendige Helfer bei der Finanzierung dieses Vorganges. In der Regel fehlt ihnen das Wissen, um Fragen im Fachbereich der Industrie beurteilen zu können.

    Aber herstellen tun sie nichts. Sie erzeugen keinen Euro Mehrwert, nichts.

    Dennoch haben sich die Finanzdienstleister aber in der Vergangenheit dazu aufgeschwungen, den Warenerzeugern vorzuschreiben, wie sie in den Volkswirtschaften zu funktionieren haben. Vor allen Dingen, welche Ergebnisse zu erwirtschaften sind. Volkstümlich ausgedrückt: Der Schwanz Finanzdienstleister hat mit dem Hund, den Wirtschaftsbetrieben so kräftig gewedelt, dass immer mehr Menschen weltweit in das wirtschaftliche Aus geschleudert wurden. Die Herausgefallenen wurden, quasi als Ausschuss, den Sozialsystemen der Staaten überlassen.

    Die Leute, die nach dem Motto Eigennutz geht, vor Gemeinnutz gehandelt haben, stehen nun an der Tür der Gemeinschaft und verlangen Schutz und Hilfe, nach Möglichkeit ohne das der Garantiegeber in das parasitäre System eingreift.

    Ich bin mal gespannt, wie sich unsere Politiker schlagen.

    • QUOTE
    • 06.10.2008 um 9:13 Uhr

    ...von vormals angeblich "unfinanzierbaren" Sozialstaatsleistungen, deren Volumen nun vervielfacht in sogenannte "Rettungspakete" für die Reichen gepumpt wird, ist interessant.

    Man denke mal an das Projekt Stasi 2.0 unseres unermüdlichen Innenministers - die Totalüberwachung der Bürger auf allen elektronischen Wegen, Telefon, Mail, vor allem natürlich Internet, vorgeblich zur Rettung von Demokratie und "Freiheit", in Wirklichkeit jedoch um im Auftrage der Contentindustrie zu verhindern, daß einem Dieter Bohlen für seine in MP3s umgewandelten Gehirnfürze auch nur 1 Cent Tantiemen entgeht...

    ...wenn man auch nur einen BRUCHTEIL dieser Überwachung auf den Finanz- oder Steuersektor angewendet hätte, hätte der Staat nicht nur keine Bankenkrise am Hals, sondern auch drastisch verbesserte Einnahmen. In Deutschland übersteigt die Zahl der Sozialfahnder die Zahl der Steuerfahnder DRASTISCH - dabei bringt ein Steuerfahnder seine Personalkosten im Durchschnitt mehr als 10-fach wieder rein!

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,536325,00.html

    Es wird Zeit, daß der Staat auf eine angemessene Stärke zurückgeführt wird - und wem die dazu zu zahlenden Spitzensteuersätze zu viel sind, der mag den deutschen Staub von seinen Füßen schütteln, und verschwinden. Wir sehen doch nun, wohin die asoziale Gier unserer "Eliten", gepaart mit der aus ihrer kastenartigen Struktur unweigerlich erwachsenden monumentalen Unfähigkeit uns geführt hat!

    Wir benötigen auch eine angemessene Besteuerung von Kapitalgewinnen - es ist ein Unding, daß Arbeit, die erst die Zinsgewinne schafft, höher besteuert wird, als die Zinsgewinne selber! Das führt zu der Situation, die uns in diese Krise geführt hat - nicht das Geld dient dem Menschen zur Befriedigung seiner Bedürfnisse, sondern der Mensch ist nur noch dazu da, das Geld zu vermehren bis zur Unendlichkeit. Der Schwanz wackelt mit dem Hund!

  3. Was ist das Ausrauben einer Bank gegen die Gründung einer Bank? (Brecht)

    In dieser Krise wird deutlich, wer in dieser Republik (und in vielen anderen) die wahren Schwerstkriminellen sind. Wer einen Schaden von mehreren zig Milliarden für uns Steuerzahler verursacht, nachdem er sich jahrelang fürstlich hat entlohnen lassen, der Risiken in seiner Geschäftsstrategie bewusst in Kauf genommen hat, um für höhere Boni eine höhere Eigenkapitalrendite zu erzielen, dessen kriminelle Energie ist offensichtlich deutlich größer als die jedes Ladendiebs, Erpressers, Entführers und Räubers.

    Die Bundesregierung und die sie tragende Mehrheit im Bundestag legen ein Gesetzespaket nach dem anderen vor, nach dem Bürger, Rechtsanwälte und fast jedermann beliebig ausspioniert werden kann, wenn nur die Straftat, derer er verdächtig ist, schwer genug ist.

    Nach dieser Logik kann es eigentlich nur noch eine Konsequenz geben: Totale Überwachung aller Vorstandsetagen und Aufsichtsratssitzungen. Totale Kontrolle sämtlicher E-Mails, Telefonate und sonstigen Treffen aller Entscheidungsträger in Banken und Finanzwesen.

    Wir brauchen keine "Aufsicht", wir brauchen einen Kontrollapparat. Es ist nicht mehr länger zu verantworten, dass ein paar wenige Anzugträger für höhere Boni mit unserer gesamten Volkswirtschaft Russisch Roulette spielen. Und genau das haben sie getan.

    Der Finanzsektor hat jedes Vertrauen verspielt. Daher meine Forderung: Hetzt Hasso Schäuble auf die Nadelstreifen. Banken unter die totale Kontrolle!

    • T810
    • 06.10.2008 um 10:27 Uhr

    Das ganze Desaster wurde schon im Sommer 2006 von der Bürgerrechtsbewegung Solidarität ausgesprochen.
    Selbst wenn ich mich von einigen Programmpunkten aus innerster Überzeugung stark abgrenzen muss, sind die Fakten schon erheblich länger bekannt, als wie jetzt gejammert wird.
    Ein Geschäft jedweder Art ist nicht zwangsläufig asozial, selbst wenn es sich um das Geschäft des Verleihens von Geld ist. Das ist ja nun mal der Geschäftsinhalt von Banken. Kritisch wird es aber, wenn zu Schleuderzinsen und ohne gründliche vorherige Überprüfung des Kreditnehmers Geld verschleudert wird. -Dann krankt dieser Kredit (leidet Not) und wird weiterverkloppt. Wenn dann noch konjunkturell nicht viel in den Vereinigten Staaten läuft und der Kreditnehmer umschuldet und umschuldet, kommt es zum Bersten der ersten Banken. Der folgende Dominoeffekt in der Wirtschaft ist dann nur noch eine Frage der Zeit.
    Das geheimnisvolle Gepokere auf dem Finanzparket ist das eigentlich asoziale, absurde und verwerfliche, weil durch diese Finanzgebaren das Geld für das eigentliche Kerngeschäft der Banken fehlt.
    Letzteres hat sich leider verschoben in Richtung Börse und der wertschöpfende Charakter des Mittelstandes sieht sich nun in der Pflicht mit Staatsgarantien, Hand in Hand mit dem Steuerzahler die Kastanien aus dem Feuer zu holen.

    • LJA
    • 06.10.2008 um 12:05 Uhr

    Für pauschale Verurteilungen ist es eindeutig noch zu früh. Die HRE hat in der genannten Höhe keine Verluste gemacht, die es jetzt auszugleichen gilt. Es handelt sich um einen Finanzierungsbedarf. Dabei besteht durchaus die Chance, dass die dahinter stehenden Geschäfte langfristig profitabel sein werden.
    Das Geschäftsmodell der HRE war keineswegs ungewöhnlich oder besonders risikoreich. Es hat viele Jahre lang funktioniert, ohne dass sich jemand daran gestört hätte. Allerdings wäre spätestens seit Sommer 2007 ein Umsteuern angezeigt gewesen, nämlich weg von allzu kurzfristiger Gegenfinanzierung. Das dies unterblieben ist, darin liegt das eigentliche Managementversagen.

  4. Ich höre die ganze Zeit, man könnte diesen Nadelstreifen
    strafrechtlich nichts anhaben. Aber ist das nicht wenigstens
    versuchte Insolvenzverschleppung ähnlich wie bei Franjo Poth?
    Als BaFin und Regierung hätte ich schon gestern den ganzen
    Vorstand einkassiert nebst Ackermännern im Aufsichtsrat.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service