Beckstein-Nachfolge Der Groll der Franken

Horst Seehofer wird bayerischer Ministerpräsident, seine Konkurrenten Hermann und Goppel verzichten. Doch Frieden kehrt damit in die CSU nicht ein

Es kam wie von vielen in der CSU erwartet: Am Dienstag, einen Tag vor der Abstimmung in der Landtagsfraktion, zogen Wissenschaftsminister Thomas Goppel und Innenminister Joachim Herrmann ihre Kandidatur für die Nachfolge von Ministerpräsident Günther Beckstein zurück. Zu eindeutig war inzwischen das Meinungsbild in der Partei und vor allem den einflussreichen Bezirksverbänden, dass der designierte neue CSU-Vorsitzende Horst Seehofer auch das Amt des Regierungschefs in München übernehmen soll. Und zu sehr waren seine beiden Konkurrenten in den vergangenen Tagen offenbar aus der Parteispitze bearbeitet worden, eine Kampfabstimmung in der Fraktion zu vermeiden.

Denn die hätte den neuen starken Mann der Partei nur beschädigen können. Vor allem aber hätte sie in der ohnehin durch die schwere Wahlniederlage vor gut einer Woche gebeutelten CSU neue Gräben aufgerissen. Der vierte im ursprünglichen Bunde, Fraktionschef Schmid, hatte bereits am Freitag seine Kandidatur wegen Chancenlosigkeit aufgegeben.

Anzeige

Seehofer wird sich also nun am Mittwoch als einziger Kandidat für die Beckstein-Nachfolge den Abgeordneten stellen. Mit Spannung wird erwartet, mit welchem Ergebnis sie ihn nominieren werden. Denn in der Fraktion und auch in der Partei gibt es weiterhin deutliche Vorbehalte gegen ihn, und die Debatten und internen Machtkämpfe der vergangenen Tage haben die Lage nicht gerade beruhigt - insbesondere zwischen den in der CSU traditionell widerstrebenden "Stammesverbänden".

Ein moderner fränkischer Mythos lautet zum Beispiel: Ohne das unsolidarische Verhalten der oberbayerischen CSU wäre Günther Beckstein noch immer bayerischer Ministerpräsident. Nur weil der südliche Teil Bayerns "praktisch keinen Wahlkampf geführt“ habe, so formuliert es etwa der unterfränkische CSU-Landtagsabgeordnete Robert Kiesel, fiel seine Partei bei der Wahl am 28. September auf 43 Prozent.

Aber damit nicht genug an fränkischen Verschwörungstheorien. Wer sei denn schuld daran, dass Beckstein zwei Tage nach der Wahlniederlage so schmählich zurücktreten musste? Klar: Die Oberbayern waren’s! Ihr Bezirksverband beschloss damals am Nachwahlmontag, dass man Beckstein als Landesvater keine 48 Stunden länger akzeptieren wollte. Und wer dominiert danach abermals die Debatte um die Nachfolge? Wer hat sich blitzschnell und lautstark auf den Oberbayern Seehofer festgelegt und den Franken Herrmann nicht mal zu Wort kommen lassen, fragen die fränkischen Gesprächspartner ebenso vorwurfsvoll wie rhetorisch.

Leser-Kommentare
  1. Das die oberbayerische CSU bewusst keinen Wahlkampf gemacht hat, um Seehofer zu schaden, glaubt wohl außer leidenschaftlichen Verschwörungstheoretikern niemand. Dass aber viele Oberbayern die CSU nicht gewählt haben, weil der Beckstein "keiner von uns" war, hört man in Oberbayern an jeder Ecke. Leider werden die Franken 2009 trotzdem wieder CSU wählen.

  2. Er will von seinen Fehlern ablenken, sie verschleiern, vernebeln. Er glaubt weiterhin als Ehrenvorsitzender ständig den "neuen Leuten?" bis ins tägliche politische Tagesgeschäft reinreden und seine Intrigen spinnen zu müssen. Wenn sich die eigene Partei dies gefallen lässt, sind die nächsten Minuspunkte zur Europawahl schon vorprogrammiert. Was macht eigentlich der Ehrenvorsitzende hier, man hat gedacht er wurde mit der Entbürokratisierung Europas beauftragt? Ist diese Aufgabe schon erfüllt oder sind im die Intrigen in Oberbayern und gegen Berlin wichtiger geworden?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service