Telekom-Skandal Sag mir, wo die Daten sind ...

Dass Unternehmen Daten abhandenkommen, mag passieren. Doch dass sie darüber weder Betroffene noch Öffentlichkeit informieren, wollen Politiker nicht länger hinnehmen

Ein kurzes Gedankenspiel: Was wäre, wenn einer Bank die Hälfte ihrer Kundendaten gestohlen würde? Würde sie darüber nicht die Betroffenen und wohl auch die Öffentlichkeit alsbald informieren? Höchstwahrscheinlich.

Der Telekom-Tochter T-Mobile sind im Jahr 2006 17 Millionen Kundendaten abhandengekommen: Telefonnummern, Adressen, Geburtsdaten, auch von zahlreichen Prominenten. Die Telekom verhielt sich scheinbar vorbildlich. Sie gründete sofort eine interne Ermittlungsgruppe, schaltete die Staatsanwaltschaft ein und versuchte, die Daten vom Markt zu bekommen, ergo: sie wiederzubeschaffen. Nur eines hatte sie bei all der Aufregung vergessen – die Betroffenen oder gar die Öffentlichkeit zu informieren. Zwei Jahre lang drang von dem Daten-Diebstahl nichts nach außen, bis der Spiegel nun davon berichtete.

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"Wir waren bis Mittwoch überzeugt, dass die Daten nicht im Umlauf sind und es keine Notwendigkeit gibt, die Kunden zu verunsichern", sagte Telekomsprecher Phillipp Blank ZEIT ONLINE. Warum man bei einem solchen GAU nicht die Öffentlichkeit informierte? Immerhin müssten Betreiber von Atomkraftwerken auch jede Störung melden, auch wenn keine Radioaktivität austrete? "Die Daten waren nicht am Markt verfügbar." Mehr Begründung gibt es nicht. Nichts passiert also. Die Telekom will damit jedoch auf keinen Fall den Eindruck erwecken, sie würde das Problem nicht ernst genug nehmen. Gegen eine entsprechende Formulierung, die zuvor an dieser Stelle stand, protestierte sie heftig.

"Mit Verlaub, auf welchem Niveau diskutieren wir hier eigentlich diese ganze Datenschutzgeschichte?", fragte ob solchen Verhaltens der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Sebastian Edathy. Wenn Kundendaten in unbefugte Hände kämen, sei es doch geradezu die Pflicht eines Unternehmens, dies öffentlich zu machen!

Der Kunde/Laie mag das ähnlich sehen. Die Telekom jedoch behandelte den Fall, als ginge er nur sie etwas an. Erst jetzt, nach der Medienveröffentlichung, sah sich Telekomchef René Obermann bemüßigt, um Verzeihung zu bitten: "Wir können uns bei unseren Kunden nur entschuldigen", sagte er. "Das Ganze ist ein sehr ärgerlicher Vorfall."

Bisher sah der Gesetzgeber keine Notwendigkeit für eine Meldepflicht bei Daten-Pannen und -Diebstählen. Weder im Telemediengesetz noch im Bundesdatenschutzgesetz gibt es eine entsprechende Vorschrift. Dabei liegen seit 2006 Anträge dazu im Bundestag vor, unter anderem von den Grünen. Beschlossen wurden sie aber bis heute nicht. Noch im September wurde bei einem Datenschutzgipfel zwischen Telekommunikationsfirmen und Innenminister Wolfgang Schäuble ein ähnlich lautender Vorschlag des Bundesdatenschutzbeauftragten abgelehnt.

Leser-Kommentare
  1. Auch dieser Skandal wird wieder schnell in Vergessenheit geraten, wie auch die Veröffentlichung von Daten durch ein Einwohneramt und viele andere Beispiele, wie der Datenschutz wirtschaftlichen Interessen weichen muss.
    Dass die Politiker sich hier nicht engagieren erklärt sich ganz leicht aus der Arbeit unuzähliger Lobbyisten, die hier richtigen Gesetzen entgegenwirken.
    Dass die betroffenen Bürger (also wir) sich nicht wehren, ist frustrierend und passt zu der politischen Faulheit, die sich seit den 90er Jahren breit gemacht hat.
    Dass die Justiz nicht einschreitet, wundert mich! Wenn Sie, Herr Biermann, die Parallele zum Börsenrecht ziehen, scheint mir hier der Schlüssel zu liegen, wie die Telekom rechtlich zu belangen wäre. Schließlich müssten die "Manager" dieses Komödiantenvereins doch mittlerweile kapiert haben, dass solche Schlampereien sich negativ auf den Börsenwert des Unternehmens auswirken.
    Oder sind wir mittlerweile schon so abgestumpft, dass es uns völlig egal ist, was mit unseren Daten passiert und wie schlampig ein Unternehmen arbeitet - hauptsache die Aktie steigt?
    Ich finde, man sollte die Telekom verklagen, weil sie der Vorschrift nicht nachgekommen ist, aktienentwicklungsrelevante Neuigkeiten zu veröffentlichen!

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