Haarausfall Von wegen sexy!

Wissenschaftler haben ein Gen entdeckt, das Haare lichter werden lässt. Das Interesse an der Glatze ist groß, denn Männer sind erstaunlich eitel

Sie lauern überall, ob in den Körperpflegeabteilungen der Supermärkte oder auf dubiosen Onlineseiten: Tinkturen, Duschgele, Cremes und Pillen. Sie sollen gegen die Geißel der Männlichkeit, die sogenannte androgenetische Apolezie helfen. Was so pathologisch klingt, ist meist ein ganz normaler biologischer Vorgang – der männliche Haarausfall. Dennoch hat die Forschung das Phänomen, dass Millionen von Männern weltweit teilen, fest im Griff.

Was die Hoffnung auf dem blanken Schädel nun keimen lässt: Deutsche und britische Wissenschaftler haben unabhängig voneinander eine Genvariante entdeckt, die direkt mit der Glatzenbildung beim Mann zu tun haben soll. Die Forscher untersuchten dafür das Erbgut von insgesamt über 1700 Probanden. Das Gen findet sich auf Chromosom 20, schreiben die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature Genetics. Es kann sowohl vom Vater als auch von der Mutter an den Sohn vererbt werden.

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Welche Funktion das Gen nun hat, wissen die Forscher allerdings nicht, und ebenso unklar ist, wie es mit den bislang gefundenen Haarausfallgenen zusammenspielt. An eine Therapie ist daher noch nicht zu denken. Dennoch ist das Interesse riesig. Wie ist das zu erklären? Immerhin ist die Glatze doch wohl nicht lebensbedrohlich, sondern lediglich ein optisch auffälliges Phänomen.

"Der erblich bedingte Haarausfall bei Männern ist keine Krankheit, tut nicht weh und ist auch nicht ansteckend", bestätigt Ronald Henss. Der Psychologe ist sicher, dass einzig und allein das Schönheitsempfinden des Menschen schuld an der Misere ist. "Das Problem ist, dass die Haare auf dem Kopf ein wichtiges Markenzeichen des Menschen sind", erklärt der Psychologe. In allen Kulturen und zu allen Zeiten hat der Mann versucht, mit etlichen "quacksalberischen" Mitteln dem Haarausfall Herr zu werden oder ihn zu kaschieren.

Nicht ganz zu Unrecht, wie die Attraktivitätsforschung herausgefunden hat: Kaum etwas wirkt demnach so unattraktiv, wie fehlendes Kopfhaar. "Eine Reihe von Studien belegen, dass der Spruch, eine Glatze sei sexy, Unsinn ist", sagt Henss. Männer mit Platte gelten zudem als "unmodern, altmodisch und konservativ", sagt Henss und werden bis zu fünf Jahre älter geschätzt.

Auf lange Sicht könnte sich der Aufwand für die Forscher daher vielleicht doch lohnen. "Da ist ein Riesenmarkt betroffen", sagt Felix Brockschmidt. Er gehört zur Bonner Wissenschaftlergruppe, die jetzt das Haarausfall-Gen gefunden haben, und würde dem blanken Schädel gern eine wirksame Therapie entgegensetzen. "Die angebotenen Mittel sind unseriös. Es gibt derzeit nichts, was die Haare wieder wachsen lässt", sagt Brockschmidt. Bereits 2005 entdeckten er und seine Kollegen von der Universität Bonn einen Genabschnitt auf dem X-Chromosom, der für den Haarausfall entscheidend sein könnte.

Leser-Kommentare
    • Medley
    • 14.10.2008 um 5:51 Uhr

    "Der erblich bedingte kleine Busen bei Frauen ist keine Krankheit, tut nicht weh und ist auch nicht ansteckend" Trotzdem gibt es diesbezüglich jährlich weltweit zehntausende an Busenvergrößerungs-OP's und das, wo eine Operation, vom Eingriff in und auf den menschlichen Körper her gesehen, ja nun eine ganz andere Dimension hat, als wie wenn man sich nur "Wässerchen" auf lichte Haupt träufelte.

    Ein Verlust von Haupthaaren ist nun mal vorallem das was es ist, nämlich ein Verlust. Und Verluste findet niemand komisch, egal nun, ob sie sich zB. in einem Wertpapierdepot oder oberhalb einer Männerstirn abspielen, wenn man denn selbst davon betroffen ist.

  1. "Was so pathologisch klingt, ist meist ein ganz normaler biologischer Vorgang – der männliche Haarausfall"

    Dieser Satz ist wohl eher pathologisch fuer den Autor. Sorry ... aber wenn es so normal ist warum fallen dann nicht allen Maennern die Haare aus und zwar beginnend kurz nach der Pubertaet?

    @Medley: Du hast meine Gedanken vorweggenommen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Menschen haben verschiedene Haarfarben etc. Ist es auch "unnormal" rote Haare zu haben, weil dies selten ist? Nein.
    Anscheinend bedeutet dies, wie ach Glatzen, keinen relevanten Nachteil, ansonste wäre das Phänomen durch die Evolution beendet worden,

    Menschen haben verschiedene Haarfarben etc. Ist es auch "unnormal" rote Haare zu haben, weil dies selten ist? Nein.
    Anscheinend bedeutet dies, wie ach Glatzen, keinen relevanten Nachteil, ansonste wäre das Phänomen durch die Evolution beendet worden,

  2. Selbst wenn man vom Arzt bestätigt bekommt, dass der Haarausfall nicht durch was auch immer selbst verschuldet ist, sondern irgendein Vorfahr einem das verwünschte Gen aufgehalst hat, laufen die meisten Leidtragenden doch ihr halbes Leben lang mit einem Minderwertigkeitskomplex herum und fühlen sich mit ihrer Platte alles anderes als wohl oder hübsch, was allerei soziale und damit auch verdienstliche Behinderungen mit sich bringt. Solche psychischen Leiden sind genauso Leiden, schlimmere sogar als viele physischen, weil physische werden eher von Nichtbetroffenen verstanden und als schmerzhaft toleriert und können in vielen Fällen wesentlich leichter behandelt werden und sind nur von vergleichsweise kurzer Dauer. Über einen Glatzkopf lachen ist daher eigentlich noch fieser und charakterloser als über Behinderte lachen.

  3. So zu tun, als müsse man Haarausfall als Schicksal hinnehmen ist falsch.
    Mit Finasterid und in manchen Fällen auch Minoxidil (sind Wirkstoffnamen und müssen nicht gelöscht werden) stehen zwei durch Studien bestätigte Möglichkeiten zur Verfügung, den Haarausfall zu stoppen und in einigen Fällen auch Neuwuchs zu haben.
    Dass auf einem kahlen Kopf, dessen Haarfolikel schon seit Jahrzehnten inaktiv sind, nichts wächst ist richtig. Allerdings kann man bei beginnender Alopzie durchaus wirksam eingreifen.

  4. Menschen haben verschiedene Haarfarben etc. Ist es auch "unnormal" rote Haare zu haben, weil dies selten ist? Nein.
    Anscheinend bedeutet dies, wie ach Glatzen, keinen relevanten Nachteil, ansonste wäre das Phänomen durch die Evolution beendet worden,

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