Folgen der Finanzkrise Das kommende Jahr wird hart

Der IWF sagt für das nächste Jahr in Deutschland ein Nullwachstum voraus, die EZB senkt ihre Prognosen. Die Krise schlägt immer stärker auf die Realwirtschaft durch

Der Internationale Währungsfonds (IWF) reduzierte bereits am gestrigen Mittwoch seine Wachstumsprognosen für Europa und die USA drastisch. Mehrere Industrieländer, so das Ergebnis des jüngsten Weltwirtschaftsblicks des IWF, seien auf dem Weg in die Rezession, andere stünden kurz davor. Die deutsche Wirtschaft werde in diesem Jahr noch um 1,8 Prozent wachsen, im nächsten Jahr allerdings gar nicht mehr. Auch die USA werde Ende des Jahres in eine Rezession rutschen.

Deutlich weniger stark werden die Folgen der Finanzkrise dem IWF zufolge in den Schwellenländern zu spüren sein. In Afrika wird die Wirtschaft um sechs Prozent wachsen, jene in China um 9,3 Prozent, teilte die Organisation mit.

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Nun zieht die Europäische Zentralbank nach: Die Notenbank wird nach Angaben von Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi wegen der Finanzkrise ihre Wachstums- und Inflationsprognosen revidieren. "Unsere Vorhersage von 1,2 Prozent Wachstum in 2009 wird nach unten korrigiert", sagte Bini Smaghi der italienischen Zeitung Il Sole 24 Ore.

Hierdurch werde der Inflationsdruck sinken und die Inflationsrate womöglich schon bald wieder die 2-Prozent-Marke erreichen, sagte Bini Smaghi. Am Mittwoch hatten die Notenbanken der wichtigsten Wirtschaftsnationen in einer konzertierten Aktion ihre Leitzinsen gesenkt.

Unterdessen schlägt die Finanzkrise immer stärker auf die Realwirtschaft durch:

  • Der Umsatz der deutschen Exporteure sank im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,5 Prozent auf 75,7 Milliarden Euro, teilte das Statistische Bundesamt mit. Das ist das größte Minus seit fünf Jahren.
  • Ebenfalls in Bredouille geraten die Autobanken, die die Leasing- und Kreditverkäufe der Automobilhersteller abwickeln. Für die Finanztöchter der Hersteller ist es schwieriger, sich frische Mittel an den Kapitalmärkten zu beschaffen. Deshalb fällt es ihnen schwerer, der verängstigten Kundschaft den Kauf eines Wagens mit günstigen Konditionen schmackhaft zu machen, was die Verkaufszahlen weiter drücken könnte.
  • Das Solarunternehmen Schott Solar bläst seinen Börsengang ab. Erst wenn sich die Märkte beruhigt haben, werde man einen weiteren Versuch starten. Derweil muss der Mutterkonzern bei der Finanzierung einspringen.
  • Die deutsche Industrie steigerte zwar im August ihren Umsatz. Die Finanzkrise und die schwächere weltweite Nachfrage dürften das Geschäft der Firmen aber in Zukunft belasten. Der Trend zeige für die Branche nach unten, hieß es von Branchenvertretern. Das Geschäft werde wohl den Aufträgen und der Produktion folgen. Beide Indikatoren waren in den vergangenen Monaten zurückgegangen.
  • Die Absätze des US-Autobauers General Motors in Europa gingen in den ersten drei Quartalen zurück. Die Kreditkrise und die hohen Ölpreise würden auf die Verbraucherstimmung drücken, sagte Europa-Chef Carl-Peter Forster. Auch erneut deutliche Zuwächse bei der Billigmarke Chevrolet halfen dem Autobauer nicht. Vor allem in Westeuropa seien die Verkaufszahlen eingebrochen.
 
Leser-Kommentare
    • iDog
    • 09.10.2008 um 11:23 Uhr

    ... oder mussen wir mit minuszahlen rechen ? vieleicht solltem man terminologisch auf ein optimistisches und machbares "gesundschrumpfen" uebergehen.

    • Hipper
    • 09.10.2008 um 11:27 Uhr

    Schon alleine die Verwendung dieses Terminus zeigt das Bemühen gewisser Kreise wirtschaftliche Zusammenhänge zu verwischen - aus unterscheidlichen Motiven. Die drei wirtsdhaftlichen Sektoren ( Primär- Rohstoffe, Sekundär- Industrie, Tertiär - Dienstleistung ) lassen sich nicht ohne weiteres voneinander trennen - insbesondere nicht in einer Zeit, wo nicht wenige Unternehmen nach Prinzipen des "Shareholder Value" geführt werden.

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    kann man wohl als die Wirtschaft bezeichnen, in der reelle Werte geschaffen/geschöpft werden. Das trifft für alle drei von Ihnen genannten Bereiche zu. Das will auch niemand verwischen. Es ist aber eine deutliche Abgrenzung zur Kreditwirtschaft gemeint, die keine Werte, sondern nur Geld schöpfen kann.

    kann man wohl als die Wirtschaft bezeichnen, in der reelle Werte geschaffen/geschöpft werden. Das trifft für alle drei von Ihnen genannten Bereiche zu. Das will auch niemand verwischen. Es ist aber eine deutliche Abgrenzung zur Kreditwirtschaft gemeint, die keine Werte, sondern nur Geld schöpfen kann.

  1. kann man wohl als die Wirtschaft bezeichnen, in der reelle Werte geschaffen/geschöpft werden. Das trifft für alle drei von Ihnen genannten Bereiche zu. Das will auch niemand verwischen. Es ist aber eine deutliche Abgrenzung zur Kreditwirtschaft gemeint, die keine Werte, sondern nur Geld schöpfen kann.

    Antwort auf "Realwirtschaft?"
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    Wenn schon die Experten (?) mit ihrer Begrifflichkeit nicht mehr klarkommen...es gibt im Kontext der uns beherrschenden Wirtschaftsunordnung keine Instanzen einer realen Wertdimension (einer reellen schon gar nicht - das ist ein anderes, wenngleich verwandtes Thema). Kippt mir jemand ein paar hundert Gramm Kunststoff und Halbleiter auf den Tisch und verlangt von mir ein paar hundert Euro als "Gegenwert", so werde ich ihn (bestenfalls) auslachen. Hat dieser Haufen Schrott die Form und Bezeichnung eines Mobiltelefons, so sieht - für etliche Leute - die Sache schon anders aus. Auf dem Thema iPhone/iPod herumzureiten, ermüdet auch mit der Zeit, aber kaum jemand wendet in der Tat dieses postrealistische Prinzip so zynisch konsequent an wie Apple. Man könnte in der Tat - wie Kommentatoren berechtigt festgestellt haben - einen Kuhfladen digitalisieren, mit dem Apple-Logo versehen ("iDung") und verfolgen, wie sich irgendwelche Dummköpfe darum balgen, um für ein paar Nanosekunden die Speerspitze des Cool-Syndroms zu bilden. "Irrealer" sind Konstrukte wie Leerverkäufe, Derivate oder junk bonds auch nicht.

    Wenn schon die Experten (?) mit ihrer Begrifflichkeit nicht mehr klarkommen...es gibt im Kontext der uns beherrschenden Wirtschaftsunordnung keine Instanzen einer realen Wertdimension (einer reellen schon gar nicht - das ist ein anderes, wenngleich verwandtes Thema). Kippt mir jemand ein paar hundert Gramm Kunststoff und Halbleiter auf den Tisch und verlangt von mir ein paar hundert Euro als "Gegenwert", so werde ich ihn (bestenfalls) auslachen. Hat dieser Haufen Schrott die Form und Bezeichnung eines Mobiltelefons, so sieht - für etliche Leute - die Sache schon anders aus. Auf dem Thema iPhone/iPod herumzureiten, ermüdet auch mit der Zeit, aber kaum jemand wendet in der Tat dieses postrealistische Prinzip so zynisch konsequent an wie Apple. Man könnte in der Tat - wie Kommentatoren berechtigt festgestellt haben - einen Kuhfladen digitalisieren, mit dem Apple-Logo versehen ("iDung") und verfolgen, wie sich irgendwelche Dummköpfe darum balgen, um für ein paar Nanosekunden die Speerspitze des Cool-Syndroms zu bilden. "Irrealer" sind Konstrukte wie Leerverkäufe, Derivate oder junk bonds auch nicht.

  2. Wenn schon die Experten (?) mit ihrer Begrifflichkeit nicht mehr klarkommen...es gibt im Kontext der uns beherrschenden Wirtschaftsunordnung keine Instanzen einer realen Wertdimension (einer reellen schon gar nicht - das ist ein anderes, wenngleich verwandtes Thema). Kippt mir jemand ein paar hundert Gramm Kunststoff und Halbleiter auf den Tisch und verlangt von mir ein paar hundert Euro als "Gegenwert", so werde ich ihn (bestenfalls) auslachen. Hat dieser Haufen Schrott die Form und Bezeichnung eines Mobiltelefons, so sieht - für etliche Leute - die Sache schon anders aus. Auf dem Thema iPhone/iPod herumzureiten, ermüdet auch mit der Zeit, aber kaum jemand wendet in der Tat dieses postrealistische Prinzip so zynisch konsequent an wie Apple. Man könnte in der Tat - wie Kommentatoren berechtigt festgestellt haben - einen Kuhfladen digitalisieren, mit dem Apple-Logo versehen ("iDung") und verfolgen, wie sich irgendwelche Dummköpfe darum balgen, um für ein paar Nanosekunden die Speerspitze des Cool-Syndroms zu bilden. "Irrealer" sind Konstrukte wie Leerverkäufe, Derivate oder junk bonds auch nicht.

    Antwort auf "Realwirtschaft"
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    Ich bin kein Experte auf diesem Gebiet, aber was heißt das schon. Wir sehen ja gerade was die Experten so taugen.
    Aber daß es keine "Instanzen einer realen Wertdimension" gibt, finde ich bedauerlich. Wenn ich die Wahl hätte zwischen einem Sack Reis oder nem iDung würde ich den Reis nehmen...
    Fazit: Wirtschafts(un)ordnung ändern!

    Ich bin kein Experte auf diesem Gebiet, aber was heißt das schon. Wir sehen ja gerade was die Experten so taugen.
    Aber daß es keine "Instanzen einer realen Wertdimension" gibt, finde ich bedauerlich. Wenn ich die Wahl hätte zwischen einem Sack Reis oder nem iDung würde ich den Reis nehmen...
    Fazit: Wirtschafts(un)ordnung ändern!

  3. Ich bin kein Experte auf diesem Gebiet, aber was heißt das schon. Wir sehen ja gerade was die Experten so taugen.
    Aber daß es keine "Instanzen einer realen Wertdimension" gibt, finde ich bedauerlich. Wenn ich die Wahl hätte zwischen einem Sack Reis oder nem iDung würde ich den Reis nehmen...
    Fazit: Wirtschafts(un)ordnung ändern!

    Antwort auf "Real/reell/surreal..."
  4. ...unter welchen Rahmenbedingungen bestimmte Begriffe "Karriere" machen.

    Gehts mit der Wirtschaft nimmer vorwärts greifen die, diesen Zustand berufsbedingt beschreiben müssen, gerne zum Nullwachstum, gehts gar abwärts und es wächst gar nix mehr, dann gibts Minuswachstum...und da Geld nicht wachsen kann wird das Null bzw. Minuswachstum lediglich in der sog. Realwirtschaft verortet.

    Gespannt bin ich darauf, wie lange es wohl dauern wird. bis die beiden Nichtwachstümer zu Ungetümen werden und damit der Euphemismus-Tretmühle* anheim fallen. ;-))

    *http://de.wikipedia.org/wiki/Euphemismus-Tretm%C3%BChle

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