Kino Fauler Zauber

Regisseur Marco Kreuzpaintner setzt in seiner Verfilmung des Jugendbuchklassikers "Krabat" auf Atmosphäre und vergisst darüber die Geschichte

Krabat (David Kross, rechts) und Lyschko (Robert Stadlober) in Marco Kreuzpaintners Kinderbuchverfilmung

Krabat (David Kross, rechts) und Lyschko (Robert Stadlober) in Marco Kreuzpaintners Kinderbuchverfilmung

Zaubern ist keine Lösung. Gut, es erleichtert einiges, zum Beispiel die Säcke, die Krabat jeden Tag auf den Mühlspeicher schleppen muss. Doch wie schnell gewöhnt man sich an diese Bequemlichkeit! Wer Mühlsäcke auf den Mühlspeicher zaubert, statt sie selbst dorthin zu schleppen, wird sich bald langweilen. Ob in Harry Potter oder Otfried Preußlers Krabat , die Probleme in Zauberschulen sind dieselben wie überall. Zauberschüler haben Streit mit den Lehrern, sie verlieben sich, wollen jeden Tag explodierende Bonbons (Harry Potter) oder Speckkuchen (Krabat) essen, wollen besser zaubern als die anderen und erst ganz zum Schluss, und nur wenn es unbedingt sein muss, retten sie die Welt. Bis zur ersten Realverfilmung der Erzählung Krabat vergingen fast 40 Jahre, zuletzt konkurrierten allerdings gleich zwei Filmproduktionen um den Stoff.

Otfried Preußlers Jugendbuch Krabat von 1971 erzählt schlicht vom Leben auf einer Schwarzen Mühle. Wichtiger als die gelernten Zaubersprüche sind die Freundschaften, die der Zauberlehrling Krabat schließt, schmerzvoller als die Schläge des Meisters ist das Erwachsenwerden. Und nicht Zauberkraft, sondern die Liebe einer Frau überwindet am Ende den bösen Meister.

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Auf den ersten Blick hat Regisseur Marco Kreuzpaintner diese Steilvorlage aufgenommen. Die Grundzüge der Handlung folgen dem Buch, viele Dialogsätze stammen von Preußler. Shootingstar David Kross, die Entdeckung aus Knallhart , spielt Krabat , Daniel Brühl und Robert Stadlober zwei Müllerburschen an seiner Seite. Dass der Meister dabei zum Kumpeltyp wird und seine Angst vor dem Tod zeigt wie seine Gesellen? Geschenkt. Dass die Müllerburschen in zwei Gangs gespalten werden, die sich bei jeder Gelegenheit terrorisieren, um am Ende plötzlich Freunde zu werden? Ist eben so, wenn ein Buch zum Film wird.

Drehbuchsätze wie "Hör auf dein Herz!" haben zwar mehr mit einem falsch verstanden Saint-Exupéry zu tun als mit Preußlers Vorlage, doch schmuggeln sie sich ja mittlerweile in fast jeden Film.

Der wahre Grund, warum Kreuzpaintners Krabat die Stimmung eines Gruselkabinetts und die Spannung eines alten Haushaltsgummis hat, ist der missglückte Versuch, dem Film eine besonders aufregende Atmosphäre zu verpassen, um eine berührende Geschichte zu erzählen. Auf diesen Versuch aber setzt der Film alles: Er zeigt verschneite Berglandschaften und satte Kornfelder, lässt mystische Chöre und tiefe Streicher raunen und taucht von Anfang an alles in so fantastisch gleißendes Licht, dass der Zuschauer bald die Augen schließt. Die Darsteller treten dahinter völlig zurück, David Kross bekommt keine Chance, Krabat gegen die Spezialeffekte, die Musik und die Landschaft erwachsen werden zu lassen.

Wie ein Bündel Werbeclips besteht dieser Krabat -Film aus zehn hintereinander geschnittenen Höhepunkten, die Bemühung, die Spannung auf Dauer zu halten, lässt den Film zusammenfallen wie einen leeren Sack. In Wahrheit ist es andersherum: Bloße Atmosphäre reicht nicht aus für eine zu Herzen gehende Geschichte.

Krabatals Realfilm will alles zeigen, und zwar sofort, und so ergeht es ihm wie dem Müllerburschen, der zaubert, statt Kornsäcke zu schleppen. Der Zauber ist faul. Durch ihn wird das Leben wie der Film verdammt öde.

 
Leser-Kommentare
    • Ilvy
    • 10.10.2008 um 23:29 Uhr

    Ehrlich, ich kann diese ewige Miesmacherei nicht mehr hören! Ich finde den Film sehr, sehr gelungen. Natürlich ist er anders als das Buch. Und es ist auch kein deutscher Harry Potter. Überhaupt einen Vergleich zu Potter zu ziehen ist schon absurd. Es ist etwas ganz Eigenes und das ist doch toll!! Wenn man eine Eins-zu-Eins-Umsetzung haben möchte, dann bleibt einem nur das Hörbuch. Man muss schon ein bisschen offen sein und sich einlassen können auf die Sichtweise eines Anderen!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich glaube, dass sie diesen Text nicht richtig gelesen haben. Der Autor vergleicht den Film in keinster Weise mit Harry Potter. Er spricht allgmein, um einen Anfang zu finden, über Zauberschulen und erwähnt dann halt Harry Potter, zieht inhaltliche Vergleiche, die aber sehr allgemein sind. Dies ist die erste gute Kritik, die ich über den Film Krabat lese. Meiner Meinung nach ist die Verfilmung absolut schiefgelaufen, weil der Regisseur so verliebt ist in seine Spezialeffekte, dass die Geschichte selbst und die Feinheiten darin sehr vernachlässigt werden. Klar kann ein Film nie ganz wie ein Buch sein, aber manche Änderungen sind einfach unnötig und albern.
    Z.B. lässt Kreuzpaintner plötzlich die Gesellen mit Zauberstöcken zaubern. Das scheint so, als wollte er auf dem Harry Potter Trittbrettbesen mitfliegen und so hat er sich den Harry Potter Vergleich selbst zuzuschreiben.
    Kreuzpaintner hatte ein fantastisches Set und alle Möglichkeiten, einen wunderbaren Film zu schaffen. Darin hat er aber leider absolut versagt.Danke für diese Kritik.

    Ich glaube, dass sie diesen Text nicht richtig gelesen haben. Der Autor vergleicht den Film in keinster Weise mit Harry Potter. Er spricht allgmein, um einen Anfang zu finden, über Zauberschulen und erwähnt dann halt Harry Potter, zieht inhaltliche Vergleiche, die aber sehr allgemein sind. Dies ist die erste gute Kritik, die ich über den Film Krabat lese. Meiner Meinung nach ist die Verfilmung absolut schiefgelaufen, weil der Regisseur so verliebt ist in seine Spezialeffekte, dass die Geschichte selbst und die Feinheiten darin sehr vernachlässigt werden. Klar kann ein Film nie ganz wie ein Buch sein, aber manche Änderungen sind einfach unnötig und albern.
    Z.B. lässt Kreuzpaintner plötzlich die Gesellen mit Zauberstöcken zaubern. Das scheint so, als wollte er auf dem Harry Potter Trittbrettbesen mitfliegen und so hat er sich den Harry Potter Vergleich selbst zuzuschreiben.
    Kreuzpaintner hatte ein fantastisches Set und alle Möglichkeiten, einen wunderbaren Film zu schaffen. Darin hat er aber leider absolut versagt.Danke für diese Kritik.

  1. Ich glaube, dass sie diesen Text nicht richtig gelesen haben. Der Autor vergleicht den Film in keinster Weise mit Harry Potter. Er spricht allgmein, um einen Anfang zu finden, über Zauberschulen und erwähnt dann halt Harry Potter, zieht inhaltliche Vergleiche, die aber sehr allgemein sind. Dies ist die erste gute Kritik, die ich über den Film Krabat lese. Meiner Meinung nach ist die Verfilmung absolut schiefgelaufen, weil der Regisseur so verliebt ist in seine Spezialeffekte, dass die Geschichte selbst und die Feinheiten darin sehr vernachlässigt werden. Klar kann ein Film nie ganz wie ein Buch sein, aber manche Änderungen sind einfach unnötig und albern.
    Z.B. lässt Kreuzpaintner plötzlich die Gesellen mit Zauberstöcken zaubern. Das scheint so, als wollte er auf dem Harry Potter Trittbrettbesen mitfliegen und so hat er sich den Harry Potter Vergleich selbst zuzuschreiben.
    Kreuzpaintner hatte ein fantastisches Set und alle Möglichkeiten, einen wunderbaren Film zu schaffen. Darin hat er aber leider absolut versagt.Danke für diese Kritik.

    Antwort auf "Filmkritik Krabat"

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