Die Weltwirtschaft ist im freien Fall.Afrika aber, jener Kontinent, auf dem südlich der Sahara rund 40 Prozent der Menschen mit einem Dollar pro Tag oder weniger auskommen müssen, wächst. Im kommenden Jahr soll die Wirtschaftsleistung Afrikas um rund sechs Prozent zunehmen. Im laufenden Jahr werden es 5,9 Prozent sein.

Es mehren sich die Zeichen, dass Afrika besser durch diese Krise kommt als der Rest der Welt. Bislang schien die fehlende Anbindung des Kontinents an die globalen Finanzmärkte das wirtschaftliche Wachstum vieler Länder zu hemmen. Unternehmer schimpften über die starren Devisenkontrollen, mit denen der Staat die Geldströme begrenzte, die den Kontinent verlassen durften - aus Angst, das Kapital würde fluchtartig ins Ausland verschwinden. Solche Einschränkungen galten vielen Marktliberalen als Investitionshemmnis.

Die Banken Afrikas sind bis heute von den internationalen Finanz- und Immobilienmärkten weitgehend abgeschottet. In Nigeria und Südafrika etwa dürfen die Institute nur einen geringen Teil ihres Vermögens außerhalb des afrikanischen Kontinents anlegen. So kamen sie gar nicht in die Versuchung, am amerikanischen Immobilienmarkt gefährliche Wetten einzugehen. Möglicherweise entgingen ihnen dadurch Geschäfte in guten Zeiten - doch jetzt, da Banken auf der ganzen Welt kollabieren und andere mit sich reißen, erweist sich die Isolation als segensreich. Sie wirkt wie ein Schutzschild vor der weltweit um sich greifenden Krise.

Während die Regierungen in den USA und Europa mit Milliarden wankende Banken retten müssen, läuft das Geschäftsleben in Südafrikas Bankenmetropole Sandton weitgehend in gewohnten Bahnen. Zwar fielen auch an Afrikas Börsen die Kurse zuletzt rapide, Banken verloren im Sog der Krise an Wert. Aber anders als im Westen machen sich Fachleute um einen Bankrott der afrikanischen Institute kaum Sorgen. Der Economist zitiert den Direktor der Afrikaabteilung des IWF, Benedicte Christensen, mit den Worten: "Wir sehen, was die Banken angeht, keine systemischen Risiken in einem afrikanischen Staat".

Darüber hinaus profitiert der Kontinent von der Verschiebung der Machtgewichte - weg vom Westen und den USA, hin zu China -, die durch die Finanzkrise verstärkt wird. Das Interesse Chinas und der Golfstaaten an einem größeren Einfluss in Afrikas rohstoffreichen Ländern wächst. Auch das könnte nach Ansicht des Leipziger Ökonomen und Afrikaexperten Helmut Asche in Zeiten der Krise "stabilisierend" auf den Kontinent wirken, nun, da der Westen als Kreditgeber und Investor weitgehend ausfällt.

"Die Achse China-Indien und Afrika wird stärker werden", sagt der Ökonom. Auch aus den Golfstaaten flossen zuletzt stetig Petro-Dollars in den Osten Afrikas. Der IWF schätzt, dass die ausländischen Investitionen und Kredite nach Afrika im vergangenen Jahr auf 53 Milliarden angestiegen sind - eine fünfmal so hohe Summe wie noch zu Beginn des Jahrzehnts.