Da staunt der ChefUnbezahlte Nachtarbeit?

Die Überstunden häufen sich, doch Geld gibt's dafür viel zu wenig. Was ist zu tun? Die Arbeitsrechtskolumne klärt auf von 

Meine Mutter arbeitet bei einer Leihfirma, in der sie sehr oft Überstunden macht, auch nachts. Die Firma regelt die Überstunden mit einem Zeitwertkonto: -100 und +200 Stunden. Nun hat meine Mutter mittlerweile 405 Stunden angesammelt, die sie sich gerne auszahlen lassen würde. Leider macht ihr Chef es nicht immer mit. Letzten Monat hat meine Mutter 15 Stunden ausgezahlt bekommen (zu einem Betrag von 6,34 Euro). Ihr normaler Stundensatz beträgt aber 7,21 Euro. Auf die Fragen, warum sie für ihre Überstunden weniger bezahlt bekommt, hat ihr Chef nur gemeint, er sei keine Bank. Ich würde gerne wissen, welche Rechte meine Mutter hat, um sich gegen ihren Arbeitgeber zu wehren,

fragt Frau  D.

Liebe Frau D.,

Überstunden sind leider sehr oft ein Streitpunkt zwischen Arbeitgeber und Mitarbeiter. Häufig deshalb, weil Arbeitnehmer nicht über die Rechtslage informiert sind, der Arbeitgeber aber schon.

Anzeige

Grundsätzlich müssen Arbeitgeber Überstunden bezahlen, wenn sie diese angeordnet oder stillschweigend geduldet haben. Für den Ausgleich von Überstunden gibt es für Arbeitgeber verschiedene Möglichkeiten:

- Der Arbeitgeber verhandelt mit seinem Mitarbeiter konkrete Stundensätze.

- Der Arbeitgeber vereinbart (insbesondere für Mitarbeiter, die keinem Tarifvertrag unterliegen) einen bestimmten Überstundenrahmen, der durch das normale Gehalt abgedeckt ist.

- Der Arbeitgeber vereinbart mit seinem Mitarbeiter einen Freizeitausgleich für Überstunden.

Existiert gar keine Regelung, haben Mitarbeiter für ihre Überstunden mindestens einen Anspruch auf die normale Stundenvergütung. Nur leitende Angestellte müssen ohne eine spezielle Vereinbarung Überstunden im Rahmen ihres regulären Gehalts akzeptieren.

Nun kenne ich die konkreten Vertragsbedingungen Ihrer Mutter nicht. Aber so, wie Sie es schildern, komme ich zu dem Schluss, dass der Arbeitgeber zunächst Überstunden abbauen oder einen Teil der Überstunden ausbezahlen muss – und dies mindestens zu ihrem „normalen“ Stundensatz von 7,21 Euro.

Ebenso sollte Ihrer Mutter für die „Nachtarbeit“ ein angemessener Zuschlag gezahlt werden. Schauen Sie diesbezüglich zunächst in den jeweiligen Tarifvertrag. Falls keine Regelungen bestehen, muss der Arbeitgeber für die Nachtarbeit (Zeitraum 23 bis 6 Uhr, in dem mindestens zwei Stunden gearbeitet wird) eine angemessene Zahl bezahlter freier Tage oder einen angemessenen Zuschlag auf das Bruttoarbeitsentgelt gewähren.

Nun kann es für Ihre Mutter schwierig werden, die Vergütung ihrer Überstunden durchzusetzen. Im Streitfall muss sie ganz genau beweisen können, dass sie die Überstunden geleistet hat und dass die Überstunden angeordnet oder mindestens geduldet wurden. Zum Beweis sind Zeugenaussagen ebenso wichtig wie eine genaue Aufzeichnung mit Tages- und Zeitangabe. Auch gut ist, wenn diese Überstunden regelmäßig vom Chef gegengezeichnet werden.

Ihr Ulf Weigelt

-------------------

Wir beantworten Ihre Fragen zum Arbeitsrecht - Woche für Woche auf ZEIT ONLINE.
Schreiben Sie uns (und geben Sie dabei bitte Ihren Namen und Ihren Wohnort an). Wir freuen uns und wählen unter allen Problemen, die uns gestellt werden, jede Woche eine Frage aus und beantworten sie hier.

Zur Startseite
 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    • Quelle ZEIT ONLINE
    • Schlagworte Ulf Weigelt | Arbeitgeber | Arbeitsrecht | Chef | Euro | Gehalt
    Service