Für die CSU war es ein historischer Tag unter trüben Vorzeichen: Gut zwei Wochen nach ihrem Debakel bei der Bayernwahl nahmen die Christsozialen am Dienstag mit der FDP Koalitionsverhandlungen auf. Das letzte Mal, dass die CSU einen Partner mit ins bayerische Regierungsboot holen musste, war 1958.

Doch noch vor dem ersten Luftholen droht dem schwarz-gelben Regierungsbündnis bereits Atemnot. Denn die Verhandlungen beginnen
unter dem düsteren Schatten der weltweiten Finanzkrise. Sollte der Bund sich durchsetzen und den Ländern einen 35-Prozent-Anteil an dem fast 500 Milliarden Euro schweren Rettungspaket für die deutsche Finanzbranche abverlangen, würde der CSU/FDP-Koalition das wichtigste Instrument jeder Regierung fehlen: Geld.

Dabei könnte alles so schön sein. Abgesehen von der Gesellschafts- und Bildungspolitik trennt CSU und FDP nicht allzu viel. Beide
Parteien sind derzeit außerordentlich nett zueinander. Denn das geplante schwarz-gelbe Bündnis soll auch ein Testlauf für die
Bundestagswahl 2009 sein. Aber nun stört die Finanzkrise. Für die CSU ist das ein weiterer Alptraum. Denn als eine ihrer größten Leistungen hält sie sich zugute, dass der bayerische Etat seit 2006 ausgeglichen ist. Deswegen hätte der Freistaat eigentlich viel größere finanzielle Spielräume als andere Bundesländer - etwa um Lehrer einzustellen und für andere schöne Projekte.

Doch das droht sich in Luft aufzulösen, weil Deutschlands Banken gerettet werden müssen. Der vom Bund geforderte Länderanteil  entspräche einer Summe von über 160 Milliarden Euro. Auf Bayern würde wegen seiner Wirtschaftskraft und großen Bevölkerung aller Voraussicht nach eine zweistellige Milliardensumme entfallen. Das bedeutet zwar nicht, dass die Staatsregierung auf einen Schlag einen zweistelligen Milliardenbetrag berappen müsste. Doch müsste Vorsorge getroffen werden. "Eine unmittelbare Auswirkung auf den Haushalt 2008/2009 ist nicht damit verbunden", sagte der Finanzminister und scheidende CSU-Chef Erwin Huber. "Was aber später passieren wird, das kann man heute nicht sagen."

Ungewiss ist auch die Lage der BayernLB, für deren Risiken die Staatsregierung als Miteigentümer in jedem Fall gerade stehen muss.
Die CSU sendet verwirrende Signale aus. Huber will zwar mögliche Lasten der BayernLB mittragen, nicht aber den allgemeinen
bundesweiten "Risikoschirm". Der designierte Ministerpräsident Horst Seehofer warnt, dass Bayern unter Umständen auf "lange, lange Zeit jeglicher finanzielle Spielraum" genommen werde. Seehofer ist dennoch grundsätzlich für das Rettungspaket aus. Einen
"Automatismus" für die Beteiligung Bayerns könne es allerdings nicht geben.

Der künftige Koalitionspartner FDP stellt den ausgeglichenen Haushalt vorsichtshalber schon jetzt unter Vorbehalt. Das Rettungspaket dürfe nicht dazu führen, dass die neue Staatsregierung "ihre politischen Aufgaben nicht erfüllen kann", sagt ihr Generalsekretär und möglicher Wirtschaftsminister Martin Zeil.

Auch in Hessen sorgen sich SPD und Grüne angesichts drohender Haushaltslöcher um die Bezahlbarkeit ihrer politischen Vorhaben in der angestrebten rot-grünen Minderheitsregierung unter Duldung der Linkspartei. Alles stehe unter Finanzierungsvorbehalt, sagte SPD-Generalsekretär Norbert Schmitt bei einem ersten Zwischenbericht der Koalitionsverhandlungen. Für 2009 fehlten rund 1,5 Milliarden Euro – die Auswirkungen der Finanzmarktkrise noch gar nicht eingerechnet.