Deutscher Buchpreis Die Masse will kaufenSeite 2/2

Denn die Menschen sind hilflos, sie wollen wissen, was sie kaufen sollen auf einem stets größer, stets unübersichtlicher werdenden Markt. Auf dem der Begleitlärm die schön klingenden Werke übertönt. Auf dem die Rubrik „Freche Frauen“ oft größer ist als die der Klassik. Selbst wenn die Jury ein womöglich vorhersehbares Urteil gefällt und viele ebenfalls gute Romane nicht berücksichtigt hat, so sollte man doch jedem Menschen wünschen, er möge eher eins der nominierten Bücher lesen als vieles von dem Papier, mit dem die Läden üblicherweise zugepflastert sind.

Der Rest, die Aufregung, das Genörgel, das Geschmäcklerische ist Kritikereitelkeit.
 

 
Leser-Kommentare
  1. Ich störe mich an dem zuckrigen Lyrizismus und an einigen Metaphern, die ich entweder für überspannt oder abgegriffen halte (wobei ich [mit einem gewissen Neid] nicht verhehle, daß ich andere wiederum für großartig halte. Außerdem an dem offensichtlichen Hang des Autors, Thomas Mann in der Länge und Verschachtelung seiner Sätze noch zu überbieten.

    Beispiele:
    Oben, neben dem zweiten Tunnel der Standseilbahn, kam das schon vor mehreren Jahren geschlossene Restaurant Sibyllenhof in Sicht, dessen Terrassen wie von Riesenkindern vergessene Schul-Schiefertafeln vorragten;

    In der aufruhenden Masse der Loschwitzhänge jenseits der Grundstraße, die nun, teilweise sichtbar, als blasses Band in der Tiefe schwang, verlor sich das Mondlicht, nadelte aus vor den Wachtürmen Ostroms, blich ab an der Brücke (sehr schön), über die Soldaten dem Kontrollpunkt am Oberen Plan zustrebten.

    Christian konnte sich auf den Wortlaut nicht besinnen, sosehr er sich auch mühte, dagegen sah er die abgebrochenen Barten des Welses deutlich vor sich, die erblindeten Augen und das dunkle Mooskleid;

    erinnerte sich an seine abergläubische Furcht vor dem Tier und auch vor dem lang schon verstummten, Gruftkälte atmenden Brunnen

    Frage:
    1. Was ist "aufruhend", bitteschön?
    2. "Gruftkälte" ist nicht nur nicht besonders originell, es erinnert eher an die Geisterjäger von John Sinclair.
    3. "...Riesenkindern vergessene Schul-Schiefertafeln vorragten..."
    Etwas exaltiert, außerdem versagt da meine Fantasie, d.h. der
    Versuch, von der Metapher einen Bezug zur Realität herzustellen.
    4. ...abgebrochenen Barten des Welses deutlich vor sich, die erblindeten Augen und das dunkle Mooskleid... (siehe meine Bemerkung unter 3.).

    Das ist natürlich nur ein winziger Ausschnitt aus im übrigen nur einer Leseprobe Des Suhrkamp-Verlages.

  2. Danke an Peter Schoenau für die Zitate. Noch ein bißchen blättern, reinlesen, und die Nicht-Kaufentscheidung steht fest. Quälend prätentiös, bedeutungsvoll raunend, unbedingt Kunst und große Literatur sein wollend. Erinnert an Raoul Schrott, gleiche Liga. Was stößt so ab an dieser Sorte Literatur? Das Unorganische, Kopflastige, angestrengt in die Bedeutung Hochgestemmte. Stichwort Anstrengung: Gut, ist, wenn der Autor sich angestrengt hat? Eben nicht. Bzw. Gut ist, wenn ich es als Leser nicht merke. Bei T. merke ichs bei jedem Satz.

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