Vor zehn Jahren haben Mediziner, Selbshilfegruppen und Politker in der "Frankfurter Resolution" gefordert, die medizinische Nutzung von Cannabis zu erlauben. Das war ein Vorstoß. Was von der Wissenschaft jahrelang als Kifferkraut verteufelt wurde, sollte nun der therapeutischen Versorgung schwer kranker Patienten dienen.

Mittlerweile existiert ein medizinisch vollwertiges und legal verschreibbares Cannabispräparat: das aus Faserhanf synthetisierte Dronabinol (THC). Von einer problemlosen medizinischen Verwendung ist man in Deutschland allerdings noch weit entfernt, finden die Grünen- und Linksfraktion. Mit ihren Anträgen befasste sich am Mittwoch in einer öffentlichen Anhörung der Ausschuss für Gesundheit.

Die Grünen wollen die medizinische Verwendung von Drogenhanf erleichtern. Die Linksfraktion geht sogar einen Schritt weiter: Cannabis solle auch zur medizinischen Selbstbehandlung und zum Eigenanbau straffrei sein. Die Linkspartei fordert das, weil das existierende wirksame Dronabinol nicht von den Krankenkassen finanziert wird. Für viele Patienten werde so die einzige Therapiemöglichkeit unbezahlbar; Selbstversorgung sei die momentan einzig gangbare Therapie.

Heute ist der medizinische Nutzen des zentralen Canabiswirksttoffes Dronabinol bei bestimmten Erkrankungen unbestritten. So ist erwiesen, dass er Übelkeit bei Chemo-Patienten lindert. Mittlerweile ist auch eine entkrampfende Wirkung bei Patienten mit Multipler Sklerose belegt. Studien zeigen außerdem, dass Dronabinol den Appetit bei Aids-Kranken steigert. Im fortgeschrittenen Stadium der HIV-Infektion führt das so genannte Wasting-Syndrom zu starkem Gewichtsverlust, das wiederum die Sterblichkeit erhöht. "Ernst zu nehmende therapeutische Alternativen zu Dronabinol gibt es hier nicht", so der Berliner Arzt Jörg Gölz in einer Stellungnahme an den Bundestag.

Laut Betäubungsmittelgesetz dürfen Ärzte Dronabinol verschreiben. Das Problem: In den allermeisten Fällen übernehmen die Krankenkassen nicht die Behandlungskosten, weil das Medikament nicht als Fertigarzneimittel zugelassen ist. Viele ärmere Patienten besorgen sich Cannabis auf dem Schwarzmarkt. Damit sind sie der Strafverfolgung ausgesetzt. Zudem wissen sie nicht, welche Zusammensetzungen und Wirkstoffe sie in den zum Teil verunreinigten Pflanzenteilen erwarten.