In München nehmen CSU und FDP heute um 10.00 Uhr ihre Koalitionsverhandlungen auf. Wegen des hohen Zeitdrucks soll bis Ende kommender Woche fast täglich verhandelt werden. Nach bayerischem Recht muss der neue Ministerpräsident spätestens am 27. Oktober vom Landtag gewählt werden. Neuer Regierungschef soll der bisherige Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer werden.

Knackpunkte der Verhandlungen sind vor allem die Schulpolitik und die innere Sicherheit. Die FDP fordert eine Verlängerung der Grundschulzeit auf sechs Jahre, die CSU lehnt das ab. Die Liberalen wollen außerdem Änderungen bei den Online-Durchsuchungen und beim Versammlungsrecht.

Bei beiden Themen hat die CSU bereits Entgegenkommen signalisiert. Wegen ihrer schweren Verluste bei der Landtagswahl vor zwei Wochen ist die bayerische Unionspartei erstmals seit Jahrzehnten auf einen Koalitionspartner angewiesen.

Auf größeren Widerstand dürften andere Forderungen der FDP seitens der CSU stoßen. Die Liberalen wollen für den Freistaat erreichen, dass Schwule und Lesben ihre Lebenspartnerschaften auch auf dem Standesamt eintragen können - die "Homo-Ehe" wie in anderen Bundesländern gibt es in Bayern bislang nicht, Partnerschaften können nur beim Notar eingetragen werden. Auch beim Thema flexiblerer Ladenöffnungszeiten liegen CSU und FDP noch weit auseinander. CSU-Politiker betonen, dass ihnen der geschäftsfreie Sonntag "heilig" sei.

Einigkeit herrscht offenbar auf beiden Seiten, dass ein ausgeglichener Haushalt nicht mehr oberste Priorität hat. Angesichts der internationalen Finanzkrise und drohender Milliardenbelastungen für den bayerischen Haushalt durch Risiken bei der halbstaatlichen Bayerischen Landesbank stellte FDP-Chef Martin Zeil eine Zukunft ohne weitere Neuverschuldung in Frage: Es könne nicht sein, dass wegen der Finanzkrise wichtige Vorhaben in der Bildung oder bei der Ausstattung der bayerischen Polizei nicht mehr finanziert werden könnten, sagte er.