Bert Kaempfert Der Sound der Bundesrepublik
Er ist der Vater der Fernsehorchester, hat Welthits wie "Spanish Eyes" oder "Strangers in the Night" geschrieben und ganz nebenbei die Beatles entdeckt. Eine Erinnerung zum 85. Geburtstag Bert Kaempferts
Ein Taxi war schuld. Es hatte "Fips", den sechsjährigen Sohn eines Hamburger Malergesellen, angefahren. Die Versicherung zahlte 500 Mark Schmerzensgeld, das war eine üppige Summe 1929. Mutter Kaempfert kaufte ihrem Bert ein Klavier und bezahlte den Unterricht an Piano, Klarinette, Saxofon und Akkordeon.
Kaempfert wurde Saxofonist beim Danziger Radio-Orchester, kam dann zum Marine-Musikkorps der Wehrmacht auf Sylt. In dänischer Kriegsgefangenschaft gründete er seine erste Big Band und tingelte nach der Entlassung mit ihr durch Norddeutschlands amerikanische Offiziersclubs – so weit, so normal für einen deutschen Nachkriegsjazzer, geboren am 16. Oktober 1923 in Hamburg-Barmbek als Berthold Kämpfert.
Die eigentliche Bert-Kaempfert-Story begann zeitgleich mit der Geschichte der Bundesrepublik. Seit Ende der vierziger Jahre komponierte und arrangierte Kaempfert Schlager für den Norddeutschen Rundfunk und die Plattenfirma Polydor. Er schrieb Hits wie Freddy Quinns Die Gitarre und das Meer oder das Arrangement Wooden Heart für Elvis Presley, die englische Version von Muss i denn.
Der instrumentale Titel Wunderland bei Nacht war in den USA als Wonderland by Night 1961 fünf Wochen lang Nummer eins, die erste eines deutschen Komponisten. Auch Afrikaan Beat, L.O.V.E, Chanson d‘Amour und Red Roses for a Blue Lady wurden zu Evergreens – wären es echte Jazz-Songs, würde man sie Standards nennen. Aber Kaempfert machte "Musik, die nicht stört", wie er es nannte, "Musik, die niemandem wehtut". Heute heißt das Easy Listening und ist irgendwie Kult.
- Datum 09.10.2008 - 18:42 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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