Österreich Der Haider-Mythos

Wie der österreichische Ahnherr des europäischen Rechtspopulismus nach seinem Tod verklärt wird

Über Jörg Haider, seine Karriere, sein Leben und seinen Tod ist so ziemlich alles gesagt. Alles und mehr, geschönt und verklärt. In den Stunden und Tagen nach Haiders Unfall wurde in Österreich von politischen Honoratioren der Republik und von Journalisten, die sich für solche halten, so hemmungslos gelogen wie nie zuvor.

Wer sich das Korps, Pardon: den Chor der Nachrufer vom benachbarten Ausland aus angesehen, angehört und nachgelesen hat, dem konnte davon schlecht werden. Der Höhe- oder besser Tiefpunkt dieses Hypes der Nachrufer war die Ergriffenheit, mit der sie Jörg Haider zur Ausnahmegestalt der österreichischen Politik erklärten und auf eine Ebene mit Bruno Kreisky erhoben.

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Ausnahmegestalten nebeneinander, unter sich sozusagen, "auf gleicher Augenhöhe", wie man heute sagt. Du meine Güte! Gewiss war Haider eine politische Figur, die aus der Menagerie der österreichischen Politiker herausragte. Gar so schwer, mit Verlaub (der Autor ist Österreicher), war das ja nicht. Aber Haider und Kreisky, die Großen Zwei der Republik? Das ist dann doch ein Akt der Legendenbildung, der ungenierte Versuch, einen rechten Heldenmythos zu begründen. Die staatstragenden Medien sind dagegen nicht eingeschritten, eher im Gegenteil. Überall im Lande herrschte zwischen ökumenischem Gottesdienst und staatsfeierlichem "Landesbegräbnis" in Kärnten hingebungsvolle Pietät. Skepsis wurde in der 3sat- Kulturzeit wenigstens aus einem Wiener Café gesendet. Ein Rest von Klarsicht und Wahrhaftigkeit.

Haider und Kreisky – dazu ein paar Anmerkungen. Der 1990 verstorbene erste sozialdemokratische Kanzler der Zweiten Republik hatte in seinen letzten Jahren aus der Zurückgezogenheit auf Mallorca mit ein paar altersmilden Äußerungen über Haider für Missverständnisse gesorgt. Das ändert aber nichts daran, dass ihn von Haider, was Anstand, Moral und Rechtsbewusstsein angehen, ganze Welten trennten. Die einzige zulässige Analogie von Haider zu dem Mann, der Österreich den Weg in die europäische Nachkriegs-Moderne geöffnet hat, ist die Tatsache, dass beide über die Grenzen ihres Landes hinaus bekannt und wirkungsvoll waren. Der eine als Demokrat, der andere als Demagoge.

Mit dem ehemaligen Kanzler habe ich mich ein Jahr vor seinem Tod ausführlich über den damals gerade im Aufstieg befindlichen Populisten Haider und seine Rolle in der österreichischen Politik unerhalten. Das Gespräch war Teil eines Buchprojekts, das später, nach Kreiskys Tod, verwirklicht wurde. Deutlich war vor allem Kreiskys Ärger über die Bildung der Großen Koalition, insbesondere darüber, dass die Sozialdemokraten das Außenministerium – sein Außenministerium – an die ÖVP abgegeben hatten. Das alles, um "den Haider" auszugrenzen? Dieses Opfer wäre ihm das nicht wert gewesen.

Man hätte versuchen sollen, den Haider einzubinden, grollte der alte Mann der Sozialdemokratie, der 13 Jahre lang Kanzler von Alleinregierungen gewesen war. "Warum sollte der Haider eigentlich keine Voraussetzungen haben für eine Koalition mit den Sozialdemokraten. Warum nicht? Nur weil er gewisse populistische Neigungen hat? Ich kann mich an so viele erinnern, die populistische Neigungen hatten und die dieser Neigungen durchaus entkleidet werden konnten."

Kreisky hielt den jungen Rechten mit den alten, ewig-gestrigen Sprüchen für resozialisierungsfähig. Diese wohlwollende Prognose hat der Wirklichkeit nicht standgehalten, wie wir wissen. Kreisky allerdings hätte gesagt, wie aus anderen Bemerkungen hervorging, dass er selbst es sich zugetraut hätte. Aber er hatte ja nicht die Gelegenheit. Man muss anmerken: Menschenkenntnis galt nie als Kreiskys Stärke.

Er hat diese Ansicht, wonach der Links-Rechts-Versuch mit Haider durchaus hätte gemacht werden sollen, aus seinem freiwilligen Exil immer wieder mal in die Heimat gesendet. Wie ein fernes Grollen. Haider genoss die Unruhe und Verstimmung, die das in Kreiskys Partei auslöste. Und nährte das Gerücht, zwischen ihnen hätte es eine Art Aussöhnung, jedenfalls eine Annäherung gegeben. Genaueres war von ihm aber nicht zu hören.

Als ich ihn nach Kreiskys Tod einmal danach fragte, blieb er einsilbig. Über eine Begegnung – der Legende nach knapp vor Kreiskys Tod, was so klang, als hätte ihn der Alte ans Sterbelager gebeten, es war aber ein halbes Jahr davor und keine Rede von "Lager" – gibt es keine Details. Über die Entwicklung der politischen Landschaft habe man gesprochen, sagte Haider. Und dass man einander nicht dämonisieren sollte. Das klang durchaus nach Kreisky, das hatte man aber auch in der ÖVP schon geraunt und gemurrt, denn die Anti-Haider-Solidarität der Regierenden war einigen in der Führung der Partei da schon zuwider, auch wenn es noch zehn Jahre bis zur Rechtskoalition von Schüssel und Haider dauern sollte.

Vermutlich werden sie auch über ein Berufungsverfahren Kreiskys gegen ein Urteil gesprochen haben, das gegen ihn ergangen war, weil er Haider einen "Nazi" genannt hatte. Haider seinerseits hatte gegen diese Schmähung geklagt, das Wort zurückzunehmen hatte Kreisky sich geweigert und den Prozess daraufhin verloren. Das Berufungsverfahren wurde später eingestellt. Aber "Aussöhnung"? Warum sollte zusammenkommen, was nie und nimmer zusammengehört?

Zwischen dem Sozialdemokraten und dem Populisten gab es nichts Gemeinsames. Aufklärung und Toleranz, die Grundkonstanten im Leben des Alten, sind unvereinbar mit Volksverhetzung, Verfassungsverletzung und Fremdenverachtung, auf denen die Popularität und Disco-basierte "Bürgernähe" des Jungen gründete. Dieser Gegensatz trennt über den Tod hinaus. Allen verklärenden Lügen und Legenden zum Trotz.

 
Leser-Kommentare
  1. weitgehend darauf reduziert, auf der zu rasen, zu drängeln, andere mit Lichthupe, waghalsigen Überholmanövern usw. zu schikanieren - Würstchen, die sich für Herrenmenschen halten, freie Fahrt für freie Bürger! schreien sie manchmal laut.

    Ähnlich eng geführt hat Haider in Österreich den Begriff freiheitlich, und sein Tod zeigt dies noch einmal wie unter einer Lupe: In grandioser Selbstüberschätzung mit 140 km/h unterwegs, wo 70 erlaubt waren, setzte er sich über die Gesetze seines Landes hinweg - wie oft hatte er dies in widerwärtiger Stimmungsmache ausländischen Mitbürgern unterstellt - und hatte Pech.

    Glück war, dass sich ihm eine Betonmauer, hinter(!) einer Hecke unsichtbar, in den Weg stellte - und nicht etwa ein Mensch, vielleicht auf dem Heimweg, einem Botengang oder was einen auch immer aus dem Haus treiben mag, dessen Leben der Landeshauptmann ganz selbstverständlich aufs Spiel setzte.

    Haider war, bis zu seinem Ende, ganz offenbar ein völlig verantwortungsloser Mensch, dem öffentliche Ämter nie hätten anvertraut werden dürfen, und die Wahlerfolge der Rechten und die oben beschriebenen Reaktionen auf seinen Tod zeigen, dass es mit der charakterlichen Integrität vieler anderer auch nicht weit her sein kann.

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    • Rahab
    • 14.10.2008 um 21:28 Uhr

    aus meiner sicht, nichts mehr hinzuzufügen.

    Der spricht mir aus dem Herzen!

    ich selbst habe haider nie gewählt, viele seiner äußerungen einfach nur für geschmacklos gehalten...auch wenn er sich in der letzten zeit doch zum besseren gewandelt hatte.
    dennoch..ich denke
    1.) um 01.30 ist es eher unwahrscheinlich, dass jemand am land botengänge erledigt...aber ich spreche nur von meinen erfahrungswerten. kann natürlich sein, dass es doch leute gibt, die um diese zeit nicht schlafen, sondern noch aufs postamt müssen - einfach nur um sich zu vergewissern, dass dieses wirklich erst um 08.00 aufsperrt.
    natürlich ist es dennoch verantwortungslos stark betrunken zu fahren - mich interessiert aber derzeit, wie kommt es, dass jemand, der nie vie alkohol getrunken hat sich eines abends so mir nix dir nix, hemmungslos antrinkt? Und 1,8 promille sind ja nicht wenig...
    2.) egal wie man zu diesem politiker gestanden haben mag, ich denke, dass man niemandem den tod wünschen, oder sich über dessen tod freuen sollte - ausnahmen sind für mich diktatoren oder tyrannen, die ihrer bevölkerung wirkliches leid zufügen. ich persönlich kann nur sagen, dass ich kein leid von ihm erfahren habe - wer nun an die sanktionen denkt - nun die waren einfach lächerlich.
    und ich finde es einfach nur pietätlos, dass auch die cnn kommentatorin sagte "viele freuen sich nun, dass er auf die politische szene keinerlei einfluss mehr hat". naja, wenn er in pension gegangen wäre, so kann man das durchaus sagen - aber wenn er keinen einfluss mehr hat aufgrund seines todes, so ist das nur geschmacklos.

    wie ein anderer leser hier bereits geschrieben hat, finde ich auch, dass es wesentlich interessanter gewesen wäre, dieses ereignis hinsichtlich der politischen zukunft österreichs (wieder eine große koalition!) zu analysieren, als zum xten Mal zu erklären warum haider nicht wie kreisky war.

    Danke! Wenn ich solche Kommentare lese, fühl ich mich weniger allein.

    • livius
    • 20.10.2008 um 13:28 Uhr

    Sie unterstellen - ausgehend vom Verhalten einiger Autofahrer auf deutschen Autobahnen - daß in Deutschland Freiheit "weitgehend" als Willkür verstanden wird, und nicht als verantwortliches Handeln im Verständnis eines allg. verbindlichen Sittengesetzes. Sie gehören sicher nicht zu jenen (Unfreien), auf die das zuträfe. - Doch Sie unterstellen wiederum dem österreichischen Rechtspopulisten Haider, "Haider war, bis zu seinem Ende, ganz offenbar ein völlig verantwortungsloser Mensch" , daß er zu jenen gehörte. Resultiert Ihre "offenbare" Erkenntnis über Haiders politische und menschliche Verantwortungslosigkeit aus ständig persönlicher Begegnung mit ihm, oder ist sie in Summa das Ergebnis permanenter Medienberichterstattung? Sollte das letztere zutreffen, wäre zu fragen (denken Sie an die Medienberichterstattung über Sebnitz), haben Sie alle Quellen kritisch geprüft? - was der Arbeit eines Historikers gleichkäme. Träfe dies nicht zu, machten Sie sich, ob dieses rigorosen Urteils über Haider, ebenfalls des Mißbrauchs von Freiheit, wie jene, schuldig. Bedenken Sie, Haider wurde auf tragische Weise dem Leben entrissen und kann sich, bezogen auf die Umstände des Unfalls, nicht mehr rechtfertigen. Deshalb gilt das Gebot der Achtung vor der Würde des Toten: de mortuis nil nisi bene!

    • Rahab
    • 14.10.2008 um 21:28 Uhr

    aus meiner sicht, nichts mehr hinzuzufügen.

    Der spricht mir aus dem Herzen!

    ich selbst habe haider nie gewählt, viele seiner äußerungen einfach nur für geschmacklos gehalten...auch wenn er sich in der letzten zeit doch zum besseren gewandelt hatte.
    dennoch..ich denke
    1.) um 01.30 ist es eher unwahrscheinlich, dass jemand am land botengänge erledigt...aber ich spreche nur von meinen erfahrungswerten. kann natürlich sein, dass es doch leute gibt, die um diese zeit nicht schlafen, sondern noch aufs postamt müssen - einfach nur um sich zu vergewissern, dass dieses wirklich erst um 08.00 aufsperrt.
    natürlich ist es dennoch verantwortungslos stark betrunken zu fahren - mich interessiert aber derzeit, wie kommt es, dass jemand, der nie vie alkohol getrunken hat sich eines abends so mir nix dir nix, hemmungslos antrinkt? Und 1,8 promille sind ja nicht wenig...
    2.) egal wie man zu diesem politiker gestanden haben mag, ich denke, dass man niemandem den tod wünschen, oder sich über dessen tod freuen sollte - ausnahmen sind für mich diktatoren oder tyrannen, die ihrer bevölkerung wirkliches leid zufügen. ich persönlich kann nur sagen, dass ich kein leid von ihm erfahren habe - wer nun an die sanktionen denkt - nun die waren einfach lächerlich.
    und ich finde es einfach nur pietätlos, dass auch die cnn kommentatorin sagte "viele freuen sich nun, dass er auf die politische szene keinerlei einfluss mehr hat". naja, wenn er in pension gegangen wäre, so kann man das durchaus sagen - aber wenn er keinen einfluss mehr hat aufgrund seines todes, so ist das nur geschmacklos.

    wie ein anderer leser hier bereits geschrieben hat, finde ich auch, dass es wesentlich interessanter gewesen wäre, dieses ereignis hinsichtlich der politischen zukunft österreichs (wieder eine große koalition!) zu analysieren, als zum xten Mal zu erklären warum haider nicht wie kreisky war.

    Danke! Wenn ich solche Kommentare lese, fühl ich mich weniger allein.

    • livius
    • 20.10.2008 um 13:28 Uhr

    Sie unterstellen - ausgehend vom Verhalten einiger Autofahrer auf deutschen Autobahnen - daß in Deutschland Freiheit "weitgehend" als Willkür verstanden wird, und nicht als verantwortliches Handeln im Verständnis eines allg. verbindlichen Sittengesetzes. Sie gehören sicher nicht zu jenen (Unfreien), auf die das zuträfe. - Doch Sie unterstellen wiederum dem österreichischen Rechtspopulisten Haider, "Haider war, bis zu seinem Ende, ganz offenbar ein völlig verantwortungsloser Mensch" , daß er zu jenen gehörte. Resultiert Ihre "offenbare" Erkenntnis über Haiders politische und menschliche Verantwortungslosigkeit aus ständig persönlicher Begegnung mit ihm, oder ist sie in Summa das Ergebnis permanenter Medienberichterstattung? Sollte das letztere zutreffen, wäre zu fragen (denken Sie an die Medienberichterstattung über Sebnitz), haben Sie alle Quellen kritisch geprüft? - was der Arbeit eines Historikers gleichkäme. Träfe dies nicht zu, machten Sie sich, ob dieses rigorosen Urteils über Haider, ebenfalls des Mißbrauchs von Freiheit, wie jene, schuldig. Bedenken Sie, Haider wurde auf tragische Weise dem Leben entrissen und kann sich, bezogen auf die Umstände des Unfalls, nicht mehr rechtfertigen. Deshalb gilt das Gebot der Achtung vor der Würde des Toten: de mortuis nil nisi bene!

    • Rahab
    • 14.10.2008 um 21:28 Uhr

    aus meiner sicht, nichts mehr hinzuzufügen.

  2. Der Kommentar richtet sich generell an die Redaktion der Zeit im allgemeinen als an den Autor des hier kommentierten Artikels:

    Das ist der dritte Artikel den ich auf ihrer Internetplattform zu diesem Thema lesen kann und es ist der dritte Artikel der durch seine Einseitigkeit auffällt. (Das was die Autoren dem Blickwinkel der österreichischen Mehrheitsbevölkerung vorwerfen - nebenbei gesagt). Ihre Redaktion bedient sich hierzu offenbar ihrer "Quotenösterreicher", damit nicht der Verdacht entsteht, dass deutsche Redakteure, quasi von oben herab über ihre österreichischen Nachbarn schimpfen. Allerdings gehen sie nicht besonders dezent vor. Die erste ausgesprochen einseitige Wortspende kam von einem Reakteure des Falters - keine Zeitung die in Liberalität und Qualität mit der Zeit mit halten kann, sondern einer dezediert linken Zeitung. Von Herrn Perger weiß ich nichts, außer dass er offenbar ebenfalls Österreicher ist. Ich weiß auch nicht warum er das Landesbegräbnis so zynisch erwähnt, dass jedem Landeshauptmann zuteil wird, und nichts mit irgendjemandes Meinung über die Person Haider zu tun hat.

    Die Redaktion der Zeit hat sich bei der Behandlung dieses Themas nicht dazu entschieden interessante aktuelle Fragen zu behandeln (Wie wirkt sich das geschehene auf die Koalitionsverhandlungen in Wien aus? Kommt eine Wiedervereinigung des dritten Lagers jetzt in Frage?) sondern dazu österreichischen (ich nehme an) Gastredakteuren die Möglichkeit zu geben ihre Meinung zu schreiben. Keine falsche Entscheidung, allerdings trifft sie wie die Juristen es nennen schon ein Auswahlverschulden für die von ihnen dafür engargierten Autoren.

    Klar ist, dass nicht nur weil jemand gestorben ist, deswegen alle Differenzen oder Reibungspunkte die man mit einer Person hatte aufgehoben sind, und das eine posthume Glorifizierung von Menschen auch gefährlich für die Zukunft sein kann, ABER diese Überlegungen endbinden niemanden einer zumindest ausgewogenen Betrachtung des politischen Lebenswerks eines verstorbenen Politikers. Ich vermute ja, dass die Empörung über die etwas zurückgebliebenen, reaktionären kleinen Nachbarn im Süden immer ganz gut beim deutschen Leser ankommt. Das ändert aber nichts daran, dass Jörg Haider, trotz seiner Neigung dazu sich populistisch am Rand der Geschmacklosigkeit zu bewegen, mit seiner Ablehnung des österreichischen Proporzsystems eine Entwicklung angestoßen hat, die Österreich auch zum guten verändert hat. Ich stelle bei der Lektüre ihrer Zeitung zum Thema der Linkspartei immer wieder Fest, dass sie sich schon immer die Mühe geben Themen von mehreren Seiten zu beläuchten, gerade betreffend politische Bewegeungen am Rande des Spektrums, und keine polemischen Schnellschüße abgeben.

    Versuchen sie bitte auch im Bezug auf Österreich dieses Niveau aufrecht zu erhalten.

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    bin ich wirklich froh, dass wenigstens im Nachbarland die nachträgliche fast allseitige Haiderverehrung als absurd aufgezeigt wird - schöner und weniger geschmacklos wäre es natürlich, wenn sich unsere Medien - speziell der ORF - nicht für diese Verherrlichung missbrauchen ließen. Ich kann auch nicht sehen, was Haider Positives für Österreich geleistet haben soll. Ich habe mich, vor allem bei meinen häufigen Auslandsaufenthalten, für seine Aussagen immer nur geniert und kann desahlb nicht umhin erleichtert zu sein, dass wir uns die in Zukunft ersparen werden.

    bin ich wirklich froh, dass wenigstens im Nachbarland die nachträgliche fast allseitige Haiderverehrung als absurd aufgezeigt wird - schöner und weniger geschmacklos wäre es natürlich, wenn sich unsere Medien - speziell der ORF - nicht für diese Verherrlichung missbrauchen ließen. Ich kann auch nicht sehen, was Haider Positives für Österreich geleistet haben soll. Ich habe mich, vor allem bei meinen häufigen Auslandsaufenthalten, für seine Aussagen immer nur geniert und kann desahlb nicht umhin erleichtert zu sein, dass wir uns die in Zukunft ersparen werden.

    • cotta
    • 14.10.2008 um 22:01 Uhr

    ... dass eine solche "Verklärung" einfach zur hiesigen Mentalität gehört? Seinerzeit brachte sogar die reaktionäre Kronenzeitung einen ehrenvollen Nachruf auf Thomas Bernhard, wieso sollten dann sozialdemokratische- oder grüne Politiker nicht gut von Jörg Haider reden? Ich habe noch nie im Leben FPÖ oder BZÖ gewählt, aber ich möchte einfach nicht am Friedhof herumtanzen. Sorry, nein wirklich nicht.

    • toxxic
    • 14.10.2008 um 23:47 Uhr

    Lieber Autor dieses Artikels, Sie monieren, dass Haider von Kollegen Ihrer Zunft fälschlich zur "Ausnahmegestalt der österreichischen Politik" erhoben worden sei.

    Wollten Sie mit dieser Aussage nur die österreichischen Politker der Gegenwart oder auch jene der Vergangenheit beschimpfen? Sollte Haider keine Ausnahmegestalt gewesen sein? Eher der Normaltypus also? Oder Haider nicht nur der Normaltypus eines österreichischen Politikers, mehr noch der Normaltypus eines Österreichers?

    Wie auch immer. Kein anderes Land der neueren europäischen Gegenwart, abgesehen von Lukatschenko's Weissrussland vielleicht, wurde wegen eines Politikers derart ins diplomatische Abseits gestellt. Noch nicht mal Berlusconi's Italien. Was wäre denn Ihrer Ansicht nach eine "Ausnahmegestalt"?

  3. Der spricht mir aus dem Herzen!

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    • Anonym
    • 15.10.2008 um 17:34 Uhr

    Fortsetzung:
    solchen Wortgeäffe, so freudig Beifall zollen, Herr Menschen- Arzt, das ist schon ein Vorbild für alle Medizinstudenten.

    • Anonym
    • 15.10.2008 um 17:34 Uhr

    Fortsetzung:
    solchen Wortgeäffe, so freudig Beifall zollen, Herr Menschen- Arzt, das ist schon ein Vorbild für alle Medizinstudenten.

    • Anonym
    • 15.10.2008 um 5:44 Uhr
    7. Geh

    Jeder der aus dem Alpenraum stammt weiss dass dort die Rechten omnipräsent sind und sich quasi hinter jedem jeden freundlichen Mitbürger verbergen können. Man ist vor menschlichen Täuschungen und Enttäuschungen nicht gefeit. Und wer als Norddeutscher die Bayern schon für Konservativ hält, "Holla die Waldfee" wie man bei euch sagt. Der Vergleich mit der enge der Landschaft zwischen den Bergen und der geistigen Enge drängt sich fast auf, woher's aber wirklich stammt darüber haben sich schon viel schlauere Köpfe den selbigen zerbrochen.
    Fakt ist aber dass Haider nur etwas kanalisieren konnte, aufgrund des ihm von seinen Anhängern zugesprochenen Charisma, was eh schon latent vorhanden ist. Und das wird mit ihm daher auch nicht verschwinden. Man soll über Tote nicht all zu schlecht reden daher verkneif ich mir an dieser Stelle alles weitere.

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    Rassismus und Ausländerfeindlichkeit sind latent vorhanden und warten immer wieder auf einen, der sie kanalisiert. Nicht nur in Österreich...

    Rassismus und Ausländerfeindlichkeit sind latent vorhanden und warten immer wieder auf einen, der sie kanalisiert. Nicht nur in Österreich...

  4. Danke meinen Vorpostern für die angeregte Diskussion, in die ich gerne auch meine Meinung einbringen würde...

    Ich denke, dass zunächst einmal dem Tod Haiders - wie auch bei Ableben eines Politikers jedweder Couleur - Betroffenheit und Anteilnahme folgen sollte und nicht - wie leider auch hier in einigen Kommentaren - zynische Freude und politische Abrechnung.

    Jörg Haider war mit Sicherheit - ohne an dieser Stelle eine Wertung vornehmen zu wollen - ein Ausnahmegestalt österreichischer Politik. Wie schon in den Vor-Kommentaren angeführt, hat kein österreichischer Politiker eine derart kontroverse Diskussion weit über die Grenzen ausgelöst wie er.

    Dabei sollte Eines nicht vergessen werden: Im Normalfall - und dies sollten wir in den meisten westlichen, demokratischen Staaten erwarten dürfen - repräsentieren gewählte Politiker die Meinungen von Teilen der Bevölkerung, auch wenn dies in manchen Fällen erstaunen oder gar erschrecken mag. Und so ist - erneut ohne zu kritisieren - Haider's Erfolg nicht nur auf Zufälle und Protest zurückzuführen, sondern teils auch ganz konkret auf seine Positionen, die manchen Österreichern nachvollziehbar, logisch und erwähnenswert erschienen.

    Übrigens sehen wir ähnliche Entwicklungen auch in der politischen Landschaft Deutschlands: Fühlen sich Teile der Bevölkerung nicht mehr hinreichend von den großen Volksparteien repräsentiert, so gelingt es Populisten linker und rechter Ausrichtung, massive Erfolge zu erzielen.

    Insofern sollte Jörg Haiders Tod weniger dazu genutzt werden, extreme politische Tendenzen auf einzelne Personen zu reduzieren, sondern sich statt dessen in einer jetzt abgekühlteren Atmosphäre zu überlegen, dank welcher Ursachen diese Einstellungen in der Bevölkerung entstehen.

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