Weltfinanzkrise : "USA verlieren Weltmacht-Status"

Geht die Weltmacht USA bald unter? Der britische Historiker Paul Kennedy spricht über seine alte Lieblingsthese und die Folgen der Krise

Paul M. Kennedy lehrt Geschichte an der Universität Yale (USA) und an der London School of Economics. In seinem 1987 erschienenen Werk "The Rise and Fall of the Great Powers" stellte er dar, wie ökonomische Leistungskraft und militärische Macht miteinander zusammen hängen – und er sagte damals auch den bevorstehenden Abstieg der USA als der führenden Weltmacht voraus. Diese Sichtweise kam im Wirtschaftsboom der neunziger Jahre gründlich aus der Mode, doch jetzt ist Kennedy wieder gefragt wie nie.

ZEIT ONLINE: Die Weltfinanzkrise spitzt sich zu, und die Washington Post titelte schon: "Der nächste Weltkrieg wird ein finanzieller sein". Ist es tatsächlich schon so weit?

Paul M. Kennedy: Auf kurze Sicht wäre es sicher nicht angemessen, in solchen Kategorien zu denken. Doch mittel- bis langfristig wird das Zeitalter der Dominanz des Dollars zu Ende gehen.

ZEIT ONLINE: Sie meinen den Dollar als Metapher für die Dominanz des Wirtschaftsraumes USA und seines besonderen way of doing business.

Kennedy: Ich meine durchaus auch den Dollar an sich. Wenn Sie den Anteil unterschiedlicher Reservewährungen bei den Notenbanken in aller Welt betrachten, dann werden Sie feststellen: Um 1990 herum wurde der überwältigende Teil solcher Reserven in Dollar gehalten, und in diesem Sommer war der Anteil von Dollars auf etwa 60 Prozent gefallen. Das ist eine welthistorisch bedeutsame Veränderung. Und wenn Sie zuletzt hie und da gelesen haben, dass der Dollar wieder an Wert gewonnen hat und wieder mehr Leute ihr Geld in den Dollarraum stecken, so verbergen sich dahinter in Wahrheit viele Rückflüsse verängstigter amerikanischer Investoren, die zurück in die Heimat fliehen, damit sie ihre Schulden bezahlen können, ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen können. Doch Sie haben recht: Die zweite, metaphorische Ebene ist eigentlich noch spannender.

ZEIT ONLINE: Die abnehmende Dominanz des Wirtschaftsraumes USA.

Kennedy: Die meisten Europäer haben den Eindruck, dass die anglo-amerikanische Geschäftskultur, die man irgendwo zwischen Ronald Reagan und den Lehman Brothers verorten würde, einen ziemlich schweren Schlag erlitten hat. Da spielt sicher auch Schadenfreude mit. In den USA selber gibt es eine signifikante psychologische Resistenz gegenüber der Ansicht, dass wir hier Zeichen einer amerikanischen Schwächung sehen. Diese Frage ist vielleicht die profundeste. Ich glaube, ja, das amerikanische System, das auf einem großen Vertrauen in die Märkte basiert, erlebt zurzeit eine Schwächung.

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Kommentare

53 Kommentare Seite 1 von 5
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Typical German wishful thinking

Paul Kennedy “Rise and Fall of the Great Powers” showed the link between the economic strength of a country (approximately as measured by GDP on a purchasing power basis) and its power in the world. Nowhere did Kennedy say the power of a country is related to the strength of its currency. If the US dollar devalues it will not change the US GDP on a PPP basis nor the fact that the US remains overwhelmingly dominant in military, culture and technology. Furthermore the US population is projected to rise strongly from 300 million now to 500 million by 2100 while most European countries (especially Germany) will experience population declines.

Therefore on Paul Kennedy’s own logic the USA is going to become more powerful relative to Europe as the 21st century progresses. China of course will rise even faster and possibly India too but it is unlikely that these countries will be able to displace US leadership high technology. The headline that the US is losing it Superpower status is therefore nothing but the typical German wishful thinking that has no basis in fact. The Zeit interviewer would have been better advised to ask Paul Kennedy about germany’s position in the world. With a stagnant economy and declining population the reality is that no country (except Russia) is in such decline as Germany. Already Germany is the 4th poorest country in Western Europe ahead of only Spain, Portugal, Italy and Spain. By 2050 Germany will have a smaller population than either the UK or France, and by 2040 will have been overtaken by the UK as the largest economy in Western Europe.

getroffene Hunde bellen

"If the US dollar devalues it will not change the US GDP on a PPP basis nor the fact that the US remains overwhelmingly dominant in military, culture and technology. Furthermore the US population is projected to rise strongly from 300 million now to 500 million by 2100"

Das mag für den gegenwärtigen Zeitpunkt noch gelten, allerdings zeigt die allgemeine Tendenz für die USA eindeutig nach unten.
Erinnern Sie sich noch an die Zeit vor 10 Jahren? Da war der US-Haushalt ausgeglichen, warf sogar Überschüsse ab. Die USA waren die unumstrittene Führungsmacht auf der Welt und jeder wollte Dollars haben.
Vergleichen Sie das mit der heutigen Situation, drei Kriege später...
Wenn es keinen grundlegenden Politikwechsel in Washington gibt - und daran glaube ich nicht - wird dieses Land in weiteren 10 Jahren definitiv KEINE Supermacht mehr sein. Es wird sich diesen Status einfach nicht mehr leisten können und auf das realistische Maß seiner tatsächlichen Wirtschaftskraft zurechtgestutzt werden.
Übrigens, Waffen kann man nicht essen.
Für mich klingt das nach einer gesunden Entwicklung :)

Bedeutungsverlust, Wo?

Wenn ich täglich sehe, dass ich im deutschen Fernsehen und deutschen Zeitschriften haarklein jedes Wort und jede Wahlkampffinte von irgendwelchen Präsidentschaftskandidaten in den USA verfolgen kann (muss), fällt es mir schwer an eine sinkende Bedeutung der USA zu glauben.

Ich stelle mir auch vor, welche totale Ignoranz ein Leserkommentar in einer amerikanischen Zeitschrift erzeugen würde, wenn dieser in einer anderen Sprache (z.B. deutsch) verfasst wäre.

Warum ist denn die Finanzkrise auch hier gelandet? Genau, weil wir eh alles von den Amis übernehmen. Erst 20 Jahre alles schlecht reden (working poor etc.) und dann doch genauso machen.

usw. usf.

Nein, an einen Bedeutungsverlust der USA glaube ich erst, wenn er wirklich eintritt. Nur davon reden/schreiben hilft da aber ganz gewiss nicht.

Sieht man..

auch am Wertverlust des Dollars gegenüber dem Euro in der Zeit, wo ich Europa nicht bejubeln will. Habe schon in einer meiner ersten Kommentare zur FK gesagt, es ist ein Finanzkrieg. Aus diesem Grunde musste auch unsere Regierung mit Sicherungen nachziehen. Mit einem groben Überschlag ,wohl mit """"624""" Milliarden Dollar
(ca 480€). Die Zahlen hören sich unterschiedlich an, aber nur weil es unterschiedliche Währungen sind. Allso schieben wir wohl Prozentmäßig mehr Material in die Schlacht.

The Brooklyn Bridge...

...is 124 years old. Its original travelers were not cars, they were horses and buggies. Chicago's "L" system was created while Grover Cleveland was in charge. Elvis was king when the electrical grid was rigged. Shoddy transformers trigger blackouts. Failed water levees in New Orleans lead to disaster. Clogged sewers stench cities. Power grids are crashing. One hundred twenty-three water main breaks in San Diego alone. On and on. The nation is giving way to its old age. The U.S. population is expected to grow by 100 million by 2060. So the future prospects right now look worse than now.

http://www.mclaughlin.com/library/transcript.htm?id=609

Have a lot of fun with your 500.000.000 fellow americans in 2100...living in 150+ years old infrastructure. :)

Amerika

Das Amerika in nächster Zukunft die Weltmacht Nr. 1 bleiben wird militerisch und wirtschaflich, daran zweifle ich nicht. China und Indien werden sicherlich aufholen.
Auch technologisch und wissenschaftlich wird die USA eine der führenden Nationen bleiben, wenngleich Europa und Japan meines Erachtens auf Augenhöhe mit den USA sind.
In den letzten Jahren sind zunehmend wieder mehr Nobelpreise nach Europa und auch Deutschland gegangen, was eigentlich Ihrer These des Abstieges wiederspricht.
Aber ich gebe Recht: Bei der jetzigen Geburtenrate wird Deutschland in der Welt sehr stark an Bedeutung verlieren.
Von einer kulturellen Stärke der USA zu sprechen, ist aber eine ziemliche Frechheit. Das Land von Donald Duck, McDonalds, BonJovi und Holywood soll also Kulturnation sein. Ich war selber in den USA, und war erschreckt über die flache Kultur. Da haben meiner Meinung nach Wagner, Goethe, Shakespeare, Mozart, Bach immernoch bleibendere kulturelle Leistungen vollbracht als irgendein Amerikaner.
Und noch eine Frage zum Schluss: Woher wollen sie wissen, dass Grossbrittanien bis 2040 oder 2050 Deutschland überholen wird? Trends können sich sehr schnell umdrehen. Es galt in den 80er Jahren auch als sicher das Frankreich Deutschland bis 2000 ueberholen wird, was aber nicht eingetreten ist. Mit solchen Prognosen wäre ich vorsichtig. Vielleicht haben sie recht. Sicher kann man aber erst im Jahr 2040 oder 2050 sagen, was Sache ist. Oder sind sie etwa Gott der alles weiss?

I agree in essence with your comment and without getting into detail I just want to say that being a prophet or wanting to be one like Mr. Kennedy does not make him an expert. I can proclaim anything and wait just long enough and there is a good chance that my prophecy comes true in time.
What is also the reason that the $ is gaining stenght against the European currencies in the middle of our financial crisis. With a GDP of over 14 trillion (Billion in Germany) the current crisis is about 5% of the GDP whereas in Germany it is about 20% and Germany is the second largest economy. I just want to put things into perspective of some real numbers. By the way the $ is currently 1.358/Euro not 1.6 as it used to be. I think Gates and Buffet could "buy" Island right now real cheap (just kidding)

Gerd, Chicago

@Rudolpho

"Von einer kulturellen Stärke der USA zu sprechen, ist aber eine ziemliche Frechheit. Das Land von Donald Duck, McDonalds, BonJovi und Holywood soll also Kulturnation sein. Ich war selber in den USA, und war erschreckt über die flache Kultur. Da haben meiner Meinung nach Wagner, Goethe, Shakespeare, Mozart, Bach immernoch bleibendere kulturelle Leistungen vollbracht als irgendein Amerikaner."
Sie müssen aber ganz schön tief in die Kiste greifen um ein paar Meister zu nennen die Bedeutung haben. Vielleicht wären sie heute nach Amerika ausgewandert und hätten ihre Werke hier veröffentlicht. Wie sieht es mit den Musikals aus die hier im 20ten Jahrhundert geschrieben wurden von Rodgers & Hammerstein, Irving Berlin oder Authoren wie Ernest Hemingway und John Steinbeck u.A. Also ganz so flach kann es wohl doch nicht sein. Das Interesse an der Muse ist zumindestens in den Großstädten sehr groß (ich kann nicht von den ländlichen Gegenden sprechen).

Gerd, Chicago

Unsinn

Wollen sie also allen Ernstes die Schöpfer amerikanischen Musicals mit Bach, Wagner, Mozart und Beethoven vergleichen?!
Und den schnöden Hemingway mit Hesse oder gar Goethe?!
Nur ein Beispiel: Haben sie schonmal Faust gelesen? Aus Amerika ist mir nichts bekannt was an geistiger Tiefe auch nur annähernd an dieses Werk heranreicht.
Solche Vergleiche wie die Ihren muessen wohl nicht weiter komentiert werden......

@Unsinn

Ich habe keinen Vergleich gemacht sondern nur aufgezeigt, daß es hier in der "jungen" Nation nicht an Talenten fehlt und die alten Meister eben alte Meister sind und was hat Europa seitdem hervorgebracht? Sich nur auf diese alten Meister zu berufen ist eben auch nur lahm. Die Musikals sind mit den leichtherzigen Operetten zu vergleichen wenn Sie schon Vergleiche anbringen. Der Geschmack an der Literatur soll kein Diskussionspunkt sein aber Sie sollten die Musik und Literatur aus der jewieligen zeitlichen Sicht bewerten und nicht überheblich alles verwerfen was nicht über 200 Jahre alt ist. Die USA sind mal gerade 250 Jahre alt. Sie können gerne alles verwerfen was aus den USA kommt aber Hochmut kommt vor dem Fall und mit Ihrer Arroganz stellen Sie sich nur ein Armutszeugnis aus.

Gerd, Chicago

Kulturelle Überlegenheit

Vielleicht gibt es auch in den USA das ein oder andere Talent. Von einer kulturellen Dominanz der USA kann aber nicht die Rede sein. Als Beispiel kann ich mein Elternhaus nennen: Es stehen mehrere hundert Bücher im Regal. Viele russischen Klassiker wie Dostojewski usw, natürlich die deutschen Klassiker und auch französische und italienische. Von Dürrenmatt gibt es etwas und Shakespeare fehlt natürlich auch nicht. Die griechischen Philosophen dürfen auch nicht fehlen.
Irgendwo im Eck steht auch zwei oder drei Bände Hemmingway und ein Band von Pearl Buck. Hemmingway habe ich zugegebenermassen nie gelesen, weil mein Vater gesagt hat das sei keine wirklich wertvolle Literatur und deshalb Zeitverschwendung.
In der Glotze werden in meinem Elternhaus die Nachrichten gesehen, das Auslandsjournal und Freitags gegebenenfalls Der Alte.
Gehärt wird nur klassische Musik, und da zählt durchaus auch ein europäischer Carl Orff aus den 20.ten Jahrhundert.
Es gibt also durchaus auch Menschen aus den 20. ten Jahrhundert die grosse kulturellen Leistungen vollbracht haben. Amerikaner sind dort komischerweise nicht viele dabei.
Dabei sind meine Eltern durchaus Amerika gegenüber wohlwollend eingestellt. Mein Vater ist schon in Rage geraten, wenn über Amerika geschimpft wurde.
Irgendwie werden die Amerikaner als entfernte Verwandte angesehen. Etwas komisch in Ihren Ansichten und manchmal unvernünftig, aber am Ende doch ganz nett.
Die amerikanische Kultur wird aber weder verachtet noch geliebt. Sie wird einfach nicht als als existierend wahrgenommen. In meiner Familie kann ich nichts von einer kulturellen Dominanz Amerikas spüren.

Ich habe nirgendwo von einer Dominanz der amerikanischen Kultur gesprochen, sondern ich habe mich dagegen ausgesprochen, daß die USA nur Mickey Mouse und Hollywood u.a. sind (kulturell gesehen). Wie ich schon sagte, der persönliche Geschmack spielt eine große Rolle bei der Auswahl eines Authors. Hemingway ist auch nicht gerade mein Favorit (schlaf dabei ein), aber ich habe Steinbeck in meinen jungen Jahren gern gelesen (Früchte des Zorns, Jenseits von Eden u.a.)
Ich glaube, wir verstehen uns jetzt ein bischen besser.

Gruß aus Chicago, Gerd

Hehre Namen in Leder

So wie Sie Ihr Elternhaus beschreiben, verkörpert es das klassische deutsche Bildungsbürgertum. Man denkt sofort "Thomas Mann"

Richtig, da gab es die Hohe Kunst und die Niedere, streng geschieden, und für das Halbfertige und Unausgegorene war kein Platz reserviert. Rangfolgen und Bedeutungen wurden ehrfurchtsvoll zelebriert, und beim Klang der heroischen Namen ... Goethe... Beethoven... Sophokles.... erschauerte des Nachgeborenen Seele ---

Nun ja, dies ist das Alte Europa, im Sinne des Wortes: Gereift, Grandios, Verehrungswürdig. Preziös, eigenbrötlerisch, ignorant. Ein Wesen genau wie diese späten Geschöpfe in den Mann'schen Romanen.

Man muss die amerikanische Kultur durchaus nicht "überlegen" finden, aber sie komplett zu ignorieren, dazu gehört schon ein mittelhoher Elfenbeinturm. Von all den anderen Kulturen und deren Leistungen ganz zu schweigen. Um eine Rangfolge kann es dabei nicht gehen und schon gar nicht um einen Bildungskanon. Wichtig ist ein offener Blick dafür, dass Kultur jeden Tag passiert und dass das Wertvolle bleiben wird - auch das Wertvolle von heute.
Auch wenn es manchmal nicht danach aussieht :)

Kulturelle Dominanz

Von einer kulturellen Dominanz Amerikas hatte FreemanJohn gesprochen. Sie haben das nicht behauptet. Der Herr FreemanJohn wohnt wahrscheinlich als Amerikaner in Deutschland und hat irgendwelche Minderwertigkeitskomplexe; sonst hätte er es nicht nötig Amerika so zu loben, und über Deutschland zu lästern.
Dieser unglaubliche Patriotismus in Amerika hat mich bisweilen verwundert. Ist es nicht so, dass jemand der wirklich selbstbewusst ist sich nicht ständig selbst loben muss? Aus welchem Minderwertigkeitskomplex wird das sich selbst Zelebrieren in Amerika geboren? Das habe ich nie bergriffen, weil Amerika ja trotz aller Finanzkrisen usw weiterhin die einzige Supermacht ist?!
Steinbeck habe ich nicht gelsesen, aber eine andere amerikanische Nobelpreisträgerin namens Pearl Buck hat mich verzaubert. Man könnte natürlich sagen, dass sie z.T. in China aufgewachsen ist und so keine typische Amerikanerin ist.
Übrigens kommen auch bisweilen grossartige Filme aus Hollywood wie z.B. A Beuatyful Mind. Solche Höhepunkte sind aber eine Seltenheit. In der Regel besticht das Hollywoodkino aber mehr durch technische Perfektion und grossartige Bilder als durch geistige Tiefe.

@Rudolpho

Mit dem Patriotismus ist es so eine Sache. So ziemlich alle Nationalitäten die hier in den USA vertreten sind feiern ihre national Feiertage mit viel Nationalstolz bis auf die Deutschen, die bauen ein Bierzelt auf. Man hat uns den Nationalstolz nach dem 2. Weltkrieg genommen oder wir haben uns dem selbst entledigt. Sehen Sie sich in Europa um - alle sind öffentlich stolz, die Engländer, die Franzosen,die Italiener usw nur wir Deutschen sind peinlich berührt, wenn einer in der Öffentlichkeit seinen Nationalstolz zeigt. Wir dürfen stolz auf die deutsche Wertarbeit sein, aber da hört es auch schon auf. Wir können nicht mehr "Deutschland, Deutschland über alles"
singen weil es falsch aufgefaßt werden kann. Die Deutschen haben die
Franzosen mehrfach besieg aber den Nationalstolz haben wir denen nicht nehmen können. Ich weiss auch nicht woran das liegt, vielleicht weil wir nie eine 'richtige' Revolution hatten, so mit Köpfe rollen wie in Frankreich und Russland oder der Revolutionskrieg in den USA.
Vielleicht wäre es anders gekommen, wenn der Anschlag auf Hitler
geklappt hätte und wir selber den Krieg beendet hätten. Aber das
ist 'water under the bridge' wie man hier sagt.
Ich weiss aber was Sie meinen mit dem Patriotismus in den USA, aber ich glaube es sind wir Deutschen und nicht die Anderen.
Wir waren zur letzten Fußballweltmeisterschaft drüben und man hat uns blöde angeguckt, wenn wir beim spielen der deutschen Nationalhymne aufgestanden sind.(im Fernsehen, wir waren nicht bei den Spielen).

Gruß aus Chicago, Gerd

Prophetie...

So etwas zu prophezeien ist kein besonderer Verdienst. Nichts hält für die Ewigkeit. Das weiß ein Geschichtswissenschaftler natürlich mehr als jeder andere. Die Frage ist nur wann ? Anzeichen des Zerfalls sind ja deutlich erkennbar.

Ich denke, die Entwicklung hängt weniger davon ab, wie es mit der ökonomischen und militärischen Ausgangslage bestellt ist, sondern eher von der geistigen Flexibilität der Akteure. Man kann eben nicht jede Handlungsaufforderung mit den Traditionen beantworten. Geänderte Randbedingungen erfordern auch die Annahme vormals ungeliebter Alternativen.

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