Deutschpop Das Lied zur ZEITSeite 2/2

Uhlmann: Ich hätte eine Idee für den Bundestagswahlkampf der Grünen, damit sie deutlich über zehn Prozent kommen. Sie sollten Aufkleber für Autostoßstangen machen, wie in Amerika: »Vote Özdemir: Döner-Schwabe from outta hell«.

DIE ZEIT: Ich bin nicht sicher, ob dieser Spruch bei den Grünen wirklich genauso durchgeht.

Uhlmann: Özdemir ist cool, er hat mittlerweile auch richtige Koteletten, das finde ich gut.

DIE ZEIT: Sie sind selten um einen Spruch verlegen. Bei Konzerten moderieren Sie auch gerne etwas länger zwischen den Songs.

Uhlmann: Das liegt an den Anfängen der Band. Wir sind zuerst in Punkläden aufgetreten, obwohl unsere Musik viel zu weich dafür ist. Das Publikum wollte Punk hören, wir hatten keinen Punk dabei. Also musste ich die Leute erst mal auf unsere Seite moderieren. Ein guter Freund, Markus Wiebusch, der Sänger der Band Kettcar, hat mir erzählt, dass er als Junge immer gesagt hat, er wolle »der Anwalt der kleinen Leute« werden, das finde ich sehr komisch. Ich wollte immer Showmaster werden wie Rudi Carrell, Laß dich überraschen, große Samstagabendunterhaltung. Das lebe ich jetzt auf der Bühne aus. Vielleicht ist Tomte ja Rudi Carrell plus Punkrock.

DIE ZEIT: Wie verdienen Sie als Popmusiker eigentlich Ihr Geld? Ihre Musik gibt’s doch kostenlos im Internet.

Uhlmann: Mit Tourneen. Und natürlich auch mit Sponsoring. Wenn ein Kommunikationsunternehmen fragt, ob ich im Vorprogramm von Adam Green auftrete, und ich damit in 40 Minuten zwei Jahre Kita-Geld für mein Kind verdiene – dann mache ich das. Wenn aber ein Angebot kommt, bei dem verlangt wird, dass wir uns auf der Bühne mit der Farbe einer Marke anleuchten lassen, kann mir das gestohlen bleiben. Ich lasse mich nicht zu Tode branden.

DIE ZEIT: Sie sind einerseits Musiker mit Punkrock-Attitüde, andererseits als Chef einer kleinen Plattenfirma auch Arbeitgeber. Wie bekommen Sie das zusammen?

Uhlmann: Wenn ich Zahlen sehe, dreht sich bei mir alles. Darum kümmern sich beim Label meine Partner und im Privaten meine Freundin, Gott sei Dank.

DIE ZEIT: Und was ist das Geheimnis Ihrer Beziehung?

Uhlmann: Sie herrscht, ich reagiere. Funktioniert super.

Das Gespräch führt Christoph Amend vom ZEITmagazin

Das Album "Heureka" von Tomte erscheint am 10. Oktober bei Grand Hotel Van Cleef.

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