"Sehr pessimistisch" seien am Wochenende die Teilnehmer der konservativen Americans-For-Prosperity-Konferenz gewesen, berichtet Soren Dayton, Editor von The Nextright , einer Webseite, die sich dem Aufbau einer neuen konservativen Bewegung widmet. "Fast keiner von ihnen hatte McCain in den Vorwahlen unterstützt, und der Gedanke an eine Präsidentschaft McCains war für sie nicht besonders aufregend", schreibt Dayton. "Aber sie gingen nicht davon aus, dass sie dieses Problem haben werden würden. Alle redeten von der Präsidentschaft Barack Obamas."

Keine drei Wochen vor den amerikanischen Präsidentschaftswahlen liegt der Demokrat im Wettkampf um die Wählergunst vorn – einigen Umfragen zufolge mit einem zweistelligen Vorsprung vor John McCain. Auch die Prognose der Wahlmännerverteilung sieht gut für den Demokraten aus. Nach den Berechnungen von RealClearPolitics stehen 277 Stimmen für Barack Obama 158 Stimmen für John McCain gegenüber – während die Verteilung von 103 Delegierten noch unklar ist. Und auch damit, dass die Republikaner am vierten November im Senat und Repräsentantenhaus Sitze dazu gewinnen können, rechnen nur noch die wenigsten amerikanischen Wahlbeobachter.

Immer mehr konservative Wortführer fallen deshalb auf eine Frage zurück, die schon im Februar kursierte, als John McCain zum Unmut der Parteibasis nach den Republikanischen Vorwahlen als Sieger aus einem Feld ohne Favoriten hervorgegangen war: Wie kann sich die amerikanische Rechte nach acht Jahren Bush und einer nicht auszuschließenden Niederlage John McCains neu erfinden?

"Wer werden unsere nächsten Anführer sein?", fragt Dayton und konstatiert mit Blick auf die amerikanische Rechte: "Keine der Gruppen hat einen glaubwürdigen Plan für die Erbfolge." Ein aktuelles Beispiel für den Zusammenbruch konservativer Institutionen sei die zweiwöchentlich erscheinende National Review . Ausgerechnet in den Reihen dieser Zeitschrift, die als ältestes intellektuelles Flagschiff der amerikanischen Konservativen gilt, mehren sich die Stimmen, die John McCain und Sarah Palin scharf kritisieren.

Der New-York-Times -Kommentator David Brooks etwa, der seine Karriere bei der National Review begonnen hatte, bezeichnete die Republikanische Vizekandidatin Sarah Palin in der vergangenen Woche als Krebsgeschwür seiner Partei. George F. Will, ein ehemaliger Herausgeber des konservativen Magazins, zweifelte bereits Ende September in der Washington Post an McCains Fähigkeit, als Präsident einen kühlen Kopf zu behalten, und kam zu dem Ergebnis, Obama könne seinen Mangel an Erfahrung noch gutmachen – McCain seine Hitzköpfigkeit aber möglicherweise nicht mehr. Und Wills Amtsnachfolger Wick Allison setzte in einem Essay gleich zur Generalkritik am Status quo der amerikanischen Rechten an: "Heute sind es die sogenannten Konservativen, deren politisches Programm in Stein geschlagen ist, obwohl es eindeutig nicht funktioniert", schreibt Allison. "Bushs Steuersenkungen führten zu einem riesigen Haushaltsdefizit. Und John McCain bläht seine Glaubwürdigkeit als 'Konservativer' auf, indem er noch größere Steuersenkungen vorschlägt."

Nicht nur finanzielle Fehlentscheidungen habe "diese Spielart des Konservatismus" in den vergangenen Jahren mit sich gebracht, sondern auch die Verschwendung von Menschenleben, den Verlust moralischer Glaubwürdigkeit und die Zerstörung der amerikanischen Wirtschaft. "Jetzt droht McCain, alles noch schlimmer zu machen", schreibt Allison. "Das ist nicht Konservatismus – es ist Verschwendung, die sich als Konservatismus maskiert." Er werde deshalb Barack Obama wählen, beschließt der Autor – den Kandidaten, der in seinen Augen für die pragmatischere Politik steht.