US-Wahl "Sorry, Dad, ich wähle Obama"Seite 2/2

Dem Wahlbekenntnis zu Barack Obama folgte am Wochenende mit Christopher Buckley ein weiterer National-Review -Schreiber. "Sorry, Dad, I’m Voting for Obama" , titelte er. Buckley ist Kolumnist der Zeitschrift, die sein Vater, der in diesem Jahr verstorbene William Buckley, 1955 gegründet hatte. Einst habe er eine Rede für McCain geschrieben und bei anderen Konservativen ein Wort für den ungeliebten Kandidaten eingelegt, bekennt Christopher Buckley. Jetzt schreibt er angesichts von McCains Wahlversprechen, der verschärften Attacken auf Barack Obama und der Nominierung von Sarah Palin: "Der Wahlkampf hat John McCain verändert. Er hat ihn unglaubwürdig gemacht."

Der Grund dafür, dass Buckley seine Entscheidung auf einer unabhängigen Internetseite und nicht auf den Seiten der National Review bekannt gibt, sei das Beispiel einer Kollegin gewesen, die in dem Magazin kürzlich Sarah Palin kritisiert hatte: Bis dato seien 12.000 wütende und ausfallende E-Mails in der Redaktion eingegangen.

Wem zuallererst der Kampf gegen Abtreibung und Homo-Ehe am Herzen liege, der gehöre weiter zu den Republikanern, schreibt Daniel Koffler im Blog der Zeitschrift The American Conservative . Alle anderen Konservativen, so deutet er an, sollten sich überlegen, ob die Republikaner noch ihre politische Heimat seien. Koffler selbst polemisiert gegen die Bush-Regierung, die die "größte Expansion nationaler Ausgaben seit Präsident Johnson" zu verantworten habe, gegen die Bürgerrechte zu Felde gezogen sei und im Irak eine unmessbare Menge an Blut vergossen habe. "Und, ja, es waren ein Republikanischer Präsident, Finanzminister, Zentralbankvorsitzender, Präsidentschaftskandidat und Vizekandidatin, die die Finanzwirtschaft im Heimatland der protestantischen Arbeitsethik in eine Sozialdemokratie nach skandinavischem Modell umformten – nur, dass es bei uns nun sehr viel üppigere Sozialhilfe für inkompetente Superreiche gibt."

"Es scheint, als ginge ein Riss durch die Republikanische Partei, der zwischen den intellektuellen Eliten und der Fraktion der Sozialkonservativen verläuft", fasst ein selbst erklärter Mitte-Rechts-Blogger seine Sicht der Dinge zusammen. Dass ein Wahlsieg John McCains angesichts zynischer Polemiken der einen und wütender Angriffe der anderen genug Kitt bietet, daran scheinen immer weniger konservative Blogger zu glauben.

 
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 14.10.2008 um 16:09 Uhr

    Die Stellungnahmen deuten nach meiner Ansicht weniger auf einen Zerfall der amerikanischen Rechten hin, als auf einen Zerfall der ideologischen Prägung aller Parteien - ein Vorgang, der bei uns auch schon im vollen Gang ist und sich in der Diversifizierung der Parteienlandschaft äußert.

    Man kann darin eine Krise sehen, wenn man es als Werteverlust ansieht. Man kann es aber auch als Chance betrachten, wenn die ultimative Erkenntnis sich durchsetzt, dass es nicht möglich ist, eine komplexe Welt mit einer handvoll naiv-überheblicher Patentrezepte zu bewältigen, sondern dass es spezifischer Sachkenntnis bedarf, um ein bestimmtes Problem zu lösen.

    Eine Gesellschaft wird erwachsen.

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    od1, Sie unterschätzen die Ideologie, der diese Reformer erlegen sind! Meiner Meinung nach ist genau das Gegenteil der Fall von dem was Sie sagen. Die Reformer wollen sich nicht von "naiv-überheblichen Patentrezepten" verabschieden, sondern diese effektiver umsetzen. Sehen Sie sich den Satz über die Homoehe an, dann wissen Sie, wie die ticken.

    od1, Sie unterschätzen die Ideologie, der diese Reformer erlegen sind! Meiner Meinung nach ist genau das Gegenteil der Fall von dem was Sie sagen. Die Reformer wollen sich nicht von "naiv-überheblichen Patentrezepten" verabschieden, sondern diese effektiver umsetzen. Sehen Sie sich den Satz über die Homoehe an, dann wissen Sie, wie die ticken.

  1. Man sollte nicht unerwähnt lassen (was hier mit dem Hinweis auf die Homoehe in einem Satz abgehakt wird), wie man sich eine "Reform" der Republikaner vorzustellen hat: Noch verknöcherter, noch wertkonservativer, noch macchiavelischer, noch sozial ungleicher, noch weisser. Nicht umsonst wird McCain von vielen Republikanern als linksextremer Aussenseiter in seiner Partei wahrgenommen.
    Das Bush-Bashing ist deshalb wohl eher oberflächlich und opportunistisch, waren es doch eben diese Leute, die seine Regierung erst ermöglicht haben und selbst die absurdesten Ideen durch die Instanzen geboxt haben.
    Sollen die Republikaner doch bitte Obama wählen, aber sympathisch werden sie dadurch noch lange nicht.

  2. od1, Sie unterschätzen die Ideologie, der diese Reformer erlegen sind! Meiner Meinung nach ist genau das Gegenteil der Fall von dem was Sie sagen. Die Reformer wollen sich nicht von "naiv-überheblichen Patentrezepten" verabschieden, sondern diese effektiver umsetzen. Sehen Sie sich den Satz über die Homoehe an, dann wissen Sie, wie die ticken.

    Antwort auf "Pubertät"
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    • Anonym
    • 14.10.2008 um 21:19 Uhr

    Ich habe im Artikel nicht ein einziges mal das Wort Reform gefunden. Es ging im Artikel doch wohl vielmehr um die Orientierungslosigkeit der Republikaner. Dass sich in einer solche Situation natürlich wie immer Fanatiker aller Couleur bemüßigt fühlen, ihren Senf abzulassen, liegt in der Natur der Sache. Das bedeutet nicht, dass ich diese Fraktion unterschätze, aber sie sind nur ein Übergangsstadium zu einer professionelleren Politik.

    • Anonym
    • 14.10.2008 um 21:19 Uhr

    Ich habe im Artikel nicht ein einziges mal das Wort Reform gefunden. Es ging im Artikel doch wohl vielmehr um die Orientierungslosigkeit der Republikaner. Dass sich in einer solche Situation natürlich wie immer Fanatiker aller Couleur bemüßigt fühlen, ihren Senf abzulassen, liegt in der Natur der Sache. Das bedeutet nicht, dass ich diese Fraktion unterschätze, aber sie sind nur ein Übergangsstadium zu einer professionelleren Politik.

    • sjdv
    • 14.10.2008 um 17:02 Uhr

    In einem 2-Parteien-System wie den USA mit seiner extrem hetrogenen Bevölkerung decken die Republikaner - wie auch die Demokraten - ein ganzes Spektrum an Meinungen ab. Da gibt es die religiös Konservativen ("Theoconservatives"), die Neokonservativen, die Neoliberalen wie auch gemäßigt Konservative.
    Gerade mit der Wahl Palins hat McCain viele der eher gemäßtigen Rechten verschreckt. Bei einer Volkspartei, die ein breites Spektrum abdeckt, hatte er strategisch die Wahl zwischen Pest und Cholera. Jetzt kann man wohl sagen, dass Lieberman die bessere Wahl gewesen. Zwar wäre die Parteirechte von einem unabhängigen Juden alles andere als begeistert gewesen, aber die hätte deshalb noch lange nicht Obama gewählt.

    • Anonym
    • 14.10.2008 um 21:19 Uhr

    Ich habe im Artikel nicht ein einziges mal das Wort Reform gefunden. Es ging im Artikel doch wohl vielmehr um die Orientierungslosigkeit der Republikaner. Dass sich in einer solche Situation natürlich wie immer Fanatiker aller Couleur bemüßigt fühlen, ihren Senf abzulassen, liegt in der Natur der Sache. Das bedeutet nicht, dass ich diese Fraktion unterschätze, aber sie sind nur ein Übergangsstadium zu einer professionelleren Politik.

  3. Stimmt, das Wort "Reform" kommt wohl von mir, Sorry. Allerdings wird meiner Meinung nach eine Gruppe beschrieben, die Obama nicht deshalb wählen wollen, weil sie eingesehen haben, dass demokratische Politik möglicherweise "besser" wäre, sondern es sind Protestwähler, für die sich McCain zu weit links befindet. Und diese Leute wissen ganz genau was sie wollen und sind keineswegs "orientierungslos".

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    • Anonym
    • 15.10.2008 um 9:55 Uhr

    Demokratie ist ein Massenphänomen. Ich muss nicht wissen, was jeder einzelne Wähler sich bei dem denkt, was er macht. Entscheidend ist, was hinten rauskommt. Möglicherweise ist Ihre Einschätzung ja zutreffend auf bestimmte Gruppen.

    Aber wenn es tatsächlich so wäre, dass gerade die Abtreibungs-, Schwulen- und "Neger"-Hasser Obama wählen, dann darf man schon die Frage stellen, inwieweit jene Wähler über die Folgen ihrer Wahl orientiert sind. Denn die zukünftigen Nachfolger McCains bekämen dadurch ja ein klares Signal: man muss so sein wie Obama, um die Wählergunst zu bekommen. Das würde ich dann (aus Sicht der Hardliner) eher als wählertaktische Inkompetenz denn als Protestwählen bezeichnen.

    • Anonym
    • 15.10.2008 um 9:55 Uhr

    Demokratie ist ein Massenphänomen. Ich muss nicht wissen, was jeder einzelne Wähler sich bei dem denkt, was er macht. Entscheidend ist, was hinten rauskommt. Möglicherweise ist Ihre Einschätzung ja zutreffend auf bestimmte Gruppen.

    Aber wenn es tatsächlich so wäre, dass gerade die Abtreibungs-, Schwulen- und "Neger"-Hasser Obama wählen, dann darf man schon die Frage stellen, inwieweit jene Wähler über die Folgen ihrer Wahl orientiert sind. Denn die zukünftigen Nachfolger McCains bekämen dadurch ja ein klares Signal: man muss so sein wie Obama, um die Wählergunst zu bekommen. Das würde ich dann (aus Sicht der Hardliner) eher als wählertaktische Inkompetenz denn als Protestwählen bezeichnen.

    • Anonym
    • 15.10.2008 um 9:55 Uhr

    Demokratie ist ein Massenphänomen. Ich muss nicht wissen, was jeder einzelne Wähler sich bei dem denkt, was er macht. Entscheidend ist, was hinten rauskommt. Möglicherweise ist Ihre Einschätzung ja zutreffend auf bestimmte Gruppen.

    Aber wenn es tatsächlich so wäre, dass gerade die Abtreibungs-, Schwulen- und "Neger"-Hasser Obama wählen, dann darf man schon die Frage stellen, inwieweit jene Wähler über die Folgen ihrer Wahl orientiert sind. Denn die zukünftigen Nachfolger McCains bekämen dadurch ja ein klares Signal: man muss so sein wie Obama, um die Wählergunst zu bekommen. Das würde ich dann (aus Sicht der Hardliner) eher als wählertaktische Inkompetenz denn als Protestwählen bezeichnen.

    Antwort auf "orientierungslos?"
  4. Ich frage mich viel eher:
    WARUM lenken die sogenannten "Rechten" ein?
    Wiesp wählen sie auf einmal Obama?
    Weil McCain kein Konzept hat? Weil Obama "pragmatischer" ist?

    Konzept kann man das, was Obama präsentiert doch auch nicht wirklich nennen. Er hat gute Gedanken, aber Lösungen oder Vorgehensweisen hat er wenig geliefert. Nicht, dass McCain da auch nur einen Deut bsser wäre, aber dann könnten die Republikaner ihrer Partei ja treu bleiben.

    Derzeit überwiegt bei mir das Gefühl, dass die Republikaner gar nicht regieren wollen. Und das mit gutem Grund!
    Die nächsten Jahre werden für die Weltsicherheit eine enorme Herausforderung.
    Jeder weiß, dass die Amerikaner möglichst schnell aus dem Irak abziehen
    werden, wenn Obama Präsident wird.
    Das Machtvakuum in dieser Region kann momentan vermutlich niemand abschätzen. Dazu kommt die Wirtschaftskrise und die zunehmende soziale Ungerechtigkeit in Amerika.
    Die Republikaner haben den Karren vor die Wand gefahren.
    Die Demokraten sollen jetzt retten, was zu retten ist, während die "Rechten" schon wieder unbehelligt ihren nächsten Coup planen werden.
    Und der liegt vielleicht noch nicht in 2012, aber spätestens in 2016.

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