Die Zeichen der Niederlage für John McCain mehren sich: "Er hat nichts mehr zu verlieren", analysierte selbst der neokonservative Publizist William Kristol in der New York Times die Lage des Republikaners drei Wochen vor der Präsidentschaftswahl. "Bush ist unpopulär. Die Medien feindlich. Und die Kernschmelze des Finanzsystems macht alles noch schlimmer", schreibt der einflussreiche Publizist. Er empfahl angesichts der klaren Führung des Demokraten Barack Obama bei den Umfragen, dass McCain sein "wirres und inkompetentes" Wahlkampfteam feuern und völlig neu anfangen sollte.

Kurz vor der dritten und letzten TV-Debatte zwischen McCain und Obama am Mittwoch in New York stehen fast alle Zeichen auf einen deutlichen Wahlsieg des schwarzen Senators aus Illinois. Vor allem die Wirtschaftsturbulenzen geben Obama ohne viel eigenes Zutun erheblichen Auftrieb. Nichts beunruhigt die Amerikaner mehr als die Turbulenzen an der Wall Street und die taumelnde US-Wirtschaft.

84 Prozent der Amerikaner glauben einer USA Today /Gallup-Umfrage zufolge, dass es mit der Wirtschaft weiter bergab geht. Eine satte Mehrheit traut zwar weder Obama noch McCain und schon gar nicht US-Präsident George W. Bush zu, die Krise zu lösen. Aber immerhin haben noch 44 Prozent der Befragten zu Obama Vertrauen, McCain kommt gerade mal auf 31 Prozent – und nur 16 Prozent setzen noch auf Bush.

McCain spricht seinen Anhängern fast schon ein wenig verzweifelt Mut zu: Die Medien hätten ihn zwar abgeschrieben, aber es gebe angesichts von sechs Prozentpunkten Rückstand keinen Grund zum Trübsalblasen. "Wir haben sie genau dort, wo wir sie wollten", sagte er am Sonntag etwas nebulös über die Demokraten. Der 72-Jährige wird nicht müde, vor Obama zu warnen, der den Bürgern höhere Steuern und mehr Staat bescheren werde. Keine leichte Botschaft in Zeiten, in denen der Republikaner Bush 700 Milliarden Dollar Steuergelder zur Stabilisierung der "freien Märkte" in die Hand nimmt.