Friedrich Merz ist wieder da. Drahtig und braungebrannt steht er am Montagnachmittag im großen Saal der nordrhein-westfälischen Landesvertretung in Berlin, wippt beim Reden leicht hin- und her. Er habe sich, sagt er, schon überlegt, ob das heute der richtige Tag sei, um sein Buch vorzustellen. Dann grinst er breit und fährt fort: "Es hätte keinen besseren geben können".

Am Morgen hat die Bundesregierung ein fast 500 Milliarden schweres Paket zur Rettung der Banken des Landes geschnürt, eine Maßnahme die vor wenigen Wochen noch undenkbar schien. Das Vertrauen der meisten Bürger in die Marktwirtschaft dürfte selten so erschüttert gewesen sein, wie in den vergangenen Tagen. Selbst von Bankern hört man kaum noch etwas anderes als den Ruf nach mehr Staat. Das System scheint in seinen Grundfesten diskreditiert.

Und ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt tritt nun also ein fast vergessener Friedrich Merz auf, und fordert: "Mehr Kapitalismus wagen". Antizyklischer hätte er seine Botschaft nicht platzieren können. Erreicht hat er so ein Maximum an Aufmerksamkeit.

Doch wer nun auf große Provokationen hoffte, der wurde schnell enttäuscht. Als Vertreter eines regellosen Turbokapitalismus wollte Merz sich keineswegs verstanden wissen. "Wir brauchen offene Märkte, aber darin brauchen wir Regeln, die der Staat setzt", fasste er seine Botschaft dagegen recht gemäßigt zusammen.

Überhaupt: An dem Vorgehen der Regierung hat er nichts auszusetzen. Das Rettungspaket findet er notwendig, von einer Verstaatlichung könne keine Rede sein. Man muss ihm zugute halten: Nicht nur mündlich, auch in seinem Buch, dessen Text schließlich schon seit längerer Zeit feststeht, gibt Merz, was die Finanzmärkte angeht, nicht den großen Deregulierer.

Zwar zitiert er dort auch die "unsichtbare Hand des Marktes", die nach Ansicht des Ökonomen Adam Smith im Alleingang größtmöglichen Wohlstand schafft, doch er macht sich diese Position nicht vollständig zu eigen. Ja, man kann in seinem Buch sogar nachlesen, dass es die "Gier und die halsbrecherischen Aktionen einzelner Manager" seien, die zur Kritik an den Kapitalmärkten geradezu einladen.