Rechtsextremismus Brauner Nachwuchs
Nach der bundesweiten Razzia könnte die "Heimattreue Deutsche Jugend" bald verboten werden. Doch die Neonazis aus dem Umfeld der NPD werden wohl weiter Kinder in ihrem Sinne erziehen
Die gestrigen bundesweiten Hausdurchsuchungen im Morgengrauen kamen offenkundig nicht unerwartet. Viele der rechtsextremen "Zielpersonen" aus dem Umfeld der "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ) scheinen damit gerechnet zu haben. Als die Beamten vor dem Haus des NPD-Bundesvorstandsmitglieds und Chef des Orderdienstes Manfred Börm in Handorf bei Lüneburg anrückten, entstand keine Panik. Der blaue Bus des Neonazis mit dem Zeichen der Artgemeinschaft, dem germanischen Adler, der den christlichen Fisch fängt, parkte hinter dem Haus. Kurz vor Mittag schleppten zivile Beamte einige Kartons mit beschlagnahmten Unterlagen in ihre Autos.
Manfred Börm hat Erfahrung mit Polizei und Justiz. Er war "Gauführer" der 1994 verbotenen "Wiking-Jugend". Heute beteiligt er sich mit seiner Kinderschar an den Zeltlagern und Aktionen der HDJ. Sein Sohn Alf ist "Unterführer" der braunen Nachwuchsorganisation. Er wirbt auf Anzeigen in einschlägigen Blättern für die Ziele der Kadertruppe.
Börm betreibt eine Baufirma, in der er vor allem national gesinnte Mitarbeiter beschäftigt. Eine Kostprobe seiner Handwerkskunst konnten sich gestern auch die Beamten des Landeskriminalamtes ansehen, denn gut sichtbar zur Straße hin wurden Odalrune und Wolfsangel als ehemalige Symbole der Hitlerjugend im Mauerwerk verewigt.
Auch Börms Weggefährte und Kamerad Christian Berisha wechselte vom Umfeld der "Wiking-Jugend" zur HDJ – der fünffache Vater fungiert als deren "Spendenbeauftragter". Als Unternehmer gilt er als einer der Sponsoren der Szene. Die Büroräume einer seiner Firmen in der Lüneburger Innenstadt wurden gestern von Beamten des niedersächsischen Landeskriminalamtes durchsucht, Computer wurden beschlagnahmt. Gegenüber der "Landeszeitung" prahlte der Neonazi, der für eine Unabhängige Wählergemeinschaft auch kommunalpolitisch im Kreistag aktiv ist, damit, dass der HDJ seit einer Woche bekannt gewesen sei, dass Hausdurchsuchungen anständen. "Auch wir haben unsere Informanten", sagte er der Lokalzeitung.
Tatsächlich waberten Gerüchte der bevorstehenden bundesweiten Razzia seit Tagen durch zahlreiche Redaktionen. Fachleute zeigten sich verwundert über die zweiteilige Handlungsweise von Bundeskriminalamt und Innenministerium. So wurde noch kein Verbot des neonazistischen Vereines ausgesprochen, im Gegenteil, man wollte anhand der Hausdurchsuchungen sorgsam prüfen, ob "sich die HDJ in aggressiv-kämpferischer Weise gegen die verfassungsmäßige Ordnung richtet und ihre Tätigkeit den Strafgesetzen zuwiderläuft", ließ Innenstaatssekretär August Hanning in Berlin verkünden. Bisher waren bundesweite Razzien und Verbote rechter Vereine zumeist zeitlich einhergegangen.
- Datum 31.03.2009 - 13:32 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Netz gegen Nazis
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