Ökonomie-Nobelpreis 2008 Volkswirt und MedienlieblingSeite 3/3
Deutschland lieferte Autos nach Frankreich, Frankreich lieferte Autos nach Deutschland. Die "Neue Handelstheorie", von Krugman maßgeblich mitbegründet, hatte die uralte Erkenntnis aufgenommen und formalisiert, dass sehr große Industrieunternehmen umso wirtschaftlicher arbeiten können, je größer die Märkte sind, die sie beliefern. Also lohnt es sich für Renault, ein bestimmtes Automodell für einen bestimmten Käufertyp in Deutschland und in Frankreich zu verkaufen, auf den Bau eines anderen Automodells aber zu verzichten und diesen Submarkt den Kollegen in München oder Stuttgart zu überlassen.
Weil Krugman so völlig anders über den Handel nachdachte, kam er manchmal zu ungewöhnlichen Schlussfolgerungen: Es gebe Situationen, nach denen ein Land nicht unbedingt dem üblichen Ökonomenreflex vom "Öffnet eure Märkte!" gehorchen müsse. Sonderfälle, in denen man die Grenzen auch mal protektionistisch verschließen solle.
An Märkten nämlich, wo es monopolistisch zugeht, wo stets der Größere - derjenige mit dem größeren Kundenstamm - gewinnt, sei es ja unsinnig, Konkurrenten aus anderen Ländern auf den Heimatmarkt zu lassen! Ein Argument, auf das sich Handelsgegner vieler Couleur - auch die Clinton-Administration in den 1990er Jahren - bisweilen begeistert stürzten.
Was Krugman, dem Medienmann, dem Anschein nach nicht schlecht gefiel. Krugman, der Ökonom, wies freilich in seinen ernsthaften Publikationen selber häufig darauf hin, dass nicht jeder theoretisch einleuchtende Fall aus seinen Lehrbüchern auch in der Praxis eine sinnvolle Anwendung finden kann.
Beziehungsweise nur dann, wenn die Politiker allesamt perfekt durchschauen, was am Markt so vor sich geht ...
- Datum 12.10.2009 - 12:02 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Dieser Aufsatz vergisst zu zeigen, dass Krugman ein klarer Protagonist für eine größere staatliche Aufsicht ist. Und seine Strategische Handelstheorie bestätigt die gegenwärtigen Entwicklungen. Wie Stiglitz ist er für einen stärkeren Staat - theoretisch anspruchsvoll begründet.
Krugman will nicht nur Wissenschaftler sein, sondern auch ein vorbildlicher Staatsbürger. Der seine Erkenntnisse nicht im Bücherschrank oder akademischen Zirkeln "hortet", sondern es in den Kreislauf der demokratischen Öffentlichkeit einbringt, damit es dort "arbeiten" und zum Wachstum (des gesellschaftlichen Bewußsteinsstandes) beitragen kann.
Leider sind solche Persönlichkeiten in Deutschland eher selten. Das liegt vielleicht an einer typisch deutschen Professorenmentalität.
Mindestens im gleichen Maße liegt es aber auch an der Eitelkeit und der Ignoranz unserer Berufsjournalisten, Ressort- und Redaktionsleiter. Edelfedern wie die sich mächtig was darauf einbilden, selbst der "einflußreichen Elite" anzugehören und es mit ihrem Ego unmöglich vereinbaren können, einfach mal klügere Leute zu Wort kommen zu lassen.
nicht alles was einem nicht passt kann deswegen mit dem Label "typisch deutsch" versehen werden.
Schon die Sowjets sagten, Bürokratie ist systemübergreifend.
Und Glanzlichter wie Bush und die Neocons kann man sicherlich auch nicht als "typisch deutsch" bezeichnen.
Davon abgesehen,
Krugman hat diese Auszeichnung mehr als verdient, seine Artikel in der Times sind brilliant und von einer bestechenden Klarheit unter der die Fakten dennoch nicht leiden.
nicht alles was einem nicht passt kann deswegen mit dem Label "typisch deutsch" versehen werden.
Schon die Sowjets sagten, Bürokratie ist systemübergreifend.
Und Glanzlichter wie Bush und die Neocons kann man sicherlich auch nicht als "typisch deutsch" bezeichnen.
Davon abgesehen,
Krugman hat diese Auszeichnung mehr als verdient, seine Artikel in der Times sind brilliant und von einer bestechenden Klarheit unter der die Fakten dennoch nicht leiden.
nicht alles was einem nicht passt kann deswegen mit dem Label "typisch deutsch" versehen werden.
Schon die Sowjets sagten, Bürokratie ist systemübergreifend.
Und Glanzlichter wie Bush und die Neocons kann man sicherlich auch nicht als "typisch deutsch" bezeichnen.
Davon abgesehen,
Krugman hat diese Auszeichnung mehr als verdient, seine Artikel in der Times sind brilliant und von einer bestechenden Klarheit unter der die Fakten dennoch nicht leiden.
Eine Anregung, sich einmal mit der populären Literatur Krugmans zu beschäftigen, was ich, wie ich bekennen muss, bislang nicht gemacht habe.
@ HansMeier555
Auch in Deutschland gibt es Wiwi-Professoren, die populäre Bücher schreiben, z. B. Peter Bofinger, Hans-Werner Sinn oder Max Otte.
Über Hinweise auf weitere Veröffentlichungen würde ich mich freuen.
Ich muss gestehen, dass mich diese Auszeichnung für Krugman ganz besonders freut. Schade dass in Deutschland ökonomische Querdenker a la Krugman und Stiglitz Mangelware sind bzw. medial marginalisiert werden.
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