Manchmal stimmt es nicht, dass Dopingbetrüger den Dopingfahndern einen Schritt voraus sind. Manchmal sind die Fahnder einfach einen Schritt zurückgegangen. So, wie offenbar das Internationale Olympische Komitee bei den Spielen in Peking.

Das IOC hatte sich in Peking für sein eigenes Kontrollprogramm auf die Schulter geklopft. Es sei das beste, tollste und größte der Welt gewesen. Jetzt kommt heraus: Es war auch besonders lückenhaft. Die Hälfte aller Länder war nämlich gar nicht richtig einbezogen. Sie haben dem IOC nicht mitgeteilt, wo sich ihre Athleten gerade aufhalten.

Wie sollten die Kontrolleure sie also finden? Doch anstatt die Verbände dafür zu bestrafen, hat das IOC lieber geschwiegen. Das hat jetzt die unabhängige Beobachtergruppe der Welt-Anti-Doping-Agentur aufgedeckt.

Von den Athleten Reinheit zu erwarten, aber selbst nicht alles für die Sauberkeit des Sports zu tun, damit beschädigt das IOC nicht nur die eigene Glaubwürdigkeit, sondern auch die der Olympischen Spiele.

Zweites Versäumnis: Das IOC ließ die Proben nicht auf Insulin untersuchen. Dabei ist Insulin eine Modedroge im Sport geworden, gerade weil es lange nicht zu entdecken war. Doch inzwischen steht ein wissenschaftlich anerkanntes Testverfahren zur Verfügung.

Es gibt daher nur zwei Möglichkeiten: Entweder wollte das IOC nicht auf Insulin testen lassen. Oder es ist nicht auf der Höhe der Entwicklung. Das kann das IOC durch die Nachuntersuchung der Proben jetzt noch einmal wettmachen. Nicht aber das Versäumnis, die Athleten aus der Hälfte aller Länder während der Spiele in Peking mangelhaft kontrolliert zu haben. Falls unter ihnen Dopingbetrüger waren – das IOC hat sie entkommen lassen.