Bankenkrise"Die Aktionäre müssen bluten"

Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, warnt davor, das Rettungspaket der Bundesregierung für alle Banken verpflichtend zu machen. Die Schuld für die Krise sieht er auch bei den Aktionären. Ein Interview

Der gebürtige Schweizer Thomas Straubhaar (51) ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Hamburg. Er ist Mitglied der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und hat vor kurzem für Schlagzeilen gesorgt, als er für jeden Steuerzahler eine Rückerstattung in Höhe von 200 Euro forderte.

ZEIT ONLINE: Die Teilnahme am Rettungspaket scheint bei den Banken verpönt, sie haben Angst, stigmatisiert zu werden. Die USA haben die Banken dagegen zur Teilnahme verpflichtet. Wäre das nicht auch in Deutschland sinnvoll?

Thomas Straubhaar: Einerseits ja, weil dadurch für eine Bank, die den Rettungsanker nutzen will, keine eigendynamische Misstrauenslawine ausgelöst würde. Diese könnte zu einem massiven Vertrauensverlust, einem Abzug von Bankeinlagen und einem Wegfall der Kreditwürdigkeit führen und damit die Bank erst recht in Schwierigkeiten bringen. Aber wenn man das Rettungspaket verpflichtend macht, wird auch stabilen Banken mit einem guten Geschäftsmodell etwas aufgezwungen, was sie möglicherweise weder wollen noch benötigen. Soll die Verpflichtung beispielsweise auch für die Sparkassen gelten? Wenn ja, wieso - wenn nein, wieso nicht?

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ZEIT ONLINE: Aber eine Stärkung der Eigenkapitalbasis der Banken ist doch sinnvoll.

Straubhaar: Sicher, aber die Maßnahme könnte vom Markt anders wahrgenommen werden. Es ist ein klares Signal, dass es besonders schlecht um eine Bank steht. Und schon könnten die Bankkunden die Einlagen abziehen. Eine ganze Lawine käme da ins Rollen.

ZEIT ONLINE: Aber genau deshalb will man doch das Programm verpflichtend machen. Es sollen nicht einzelne Banken an den Pranger gestellt werden.

Straubhaar: Ja, das ist das Dilemma. Aber ich bin überzeugter Liberaler und mir widerstrebt es, auch jene Banken zu dieser Maßnahme zu zwingen, die vorsichtig und gut gewirtschaftet haben. Außerdem maßt sich der Staat als Gegenleistung etwas an, was ihm eigentlich nicht zusteht: Er bestimmt plötzlich das operative Geschäft mit. Wenn er als Bedingung fordert, die Gehälter auf 500.000 Euro zu beschränken, frage ich mich, wie das überhaupt funktionieren soll und ob er das auch als Minderheitsaktionär gegen den Willen der Mehrheitsaktionäre durchsetzen kann. Das wäre aktienrechtlich sicher heikel. Bei bestehenden Verträgen stelle ich mir das zudem juristisch sehr schwierig vor.

ZEIT ONLINE: Der Staat verlangt eben Gegenleistungen für seine Geldspritze.

Leserkommentare
    • Anonym
    • 21.10.2008 um 10:46 Uhr

    Die Behauptung, die Aktionäre wären an der Finanzkrise ursächlich "schuld", halte ich doch für ein wenig gewagt aus dem Munde eines intelligenten Menschen. Die Aktionäre waren sich über die möglichen Folgen sicher mehrheitlich nicht bewusst.

    Andererseits muss jeder Aktionär mit dem Kursrisiko rechnen, und wenn der Kurs runter geht oder das Unternehmen pleite geht, hat er halt Pech gehabt. Schließlich hat ja auch bei den Verlusten in der populären Telekom-Aktie meines Wissens niemand nach einem staatlichen Rettungspaket zum Wohl der Aktionäre gerufen.

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    Doch, es waren die Aktionäre die genau wussten was sie wollen und auch genau wussten was Sie tun. Sie wissen es immer noch ! Hier geht es nicht um die vielen tausend Kleinaktionäre die ein bischen am Heimarbeitsplatz oder via ihrem Bankberater handeln sondern um die "Large Account Share Holders" die locker einige 100 Mio. in ein oder mehrere Unternehmen investieren. Einige andere Drahtzieher wie die viel zitierten Hedgefonds gehören ebenfalls in die gleiche Kategorie von Investoren.

    Es sind auch diese Investoren/Aktienbesitzer welche die CEO's herbei zitieren wenn die Rendite, der Umsatz oder die Profite nicht stimmen. So werden Mia. aus den Unternehmen rausgesaugt die deswegen weder für die Angestellten, weder für Vernünftige langfristige Investitionen noch für Steuergelder benutzt werden können.

    Leider ist die INSM und deren in allen möglichen Medien auftretenden Angestellten gerade eben von diesen Grossaktionären und den damit verbunden Unternehmen finanziert. Die Politik die nun durch alle möglichen Länder schwirrt ist ein Resultat u.a des Lobbying und der Medialen Verbreitung der INSM Ideologie. Die Aussagen der INSM Angestellten sind leider nicht immer im positiven Sinne Zitatfähig !

    Hier ein Beispiel aus der BBC Seite (Interview mit Jayati Ghosh aus einer ganzen Serie von alternativen Oekonomischen Wahrnehmungen, in Englisch) wie es im viel zitierten Indien, dem angeblich so erfolgreichen, aussieht welches ähnliche Wirtschaftspolitk anwendet wie Europa, China usw. Kurz, die Reichen werden auch dort immer reicher während eer grösste Teil der Bevölkerung verarmt... ähnlich wie in vielen Ländern Europas.

    Alles nicht so erstrebenswert.

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Helda Camara

    • exitus
    • 21.10.2008 um 11:20 Uhr

    Das es immer Leute gibt die meinen zu wissen wer intelligent ist und werd nicht .... tststs.
    Sind alle Aktionäre "Schuld" an der Krise? Naja, sagen wir dochmal "Mitschuld". Ja auch die kleinen Aktionäre sind alle Mitschuld! Zu hoffen das man mit ein paar Aktien mal ne schnelle Mark machen kann und gleichzeitig zu meinen die Verantwortung für das eigene Handeln am Bankschalter an den Berater abtreten zu können ist eben auch nicht sehr intelligent. Da braucht man gar nicht mit der alten Weisheit zu kommen, dass eben alles mit allem zusammenhängt.

    Doch, es waren die Aktionäre die genau wussten was sie wollen und auch genau wussten was Sie tun. Sie wissen es immer noch ! Hier geht es nicht um die vielen tausend Kleinaktionäre die ein bischen am Heimarbeitsplatz oder via ihrem Bankberater handeln sondern um die "Large Account Share Holders" die locker einige 100 Mio. in ein oder mehrere Unternehmen investieren. Einige andere Drahtzieher wie die viel zitierten Hedgefonds gehören ebenfalls in die gleiche Kategorie von Investoren.

    Es sind auch diese Investoren/Aktienbesitzer welche die CEO's herbei zitieren wenn die Rendite, der Umsatz oder die Profite nicht stimmen. So werden Mia. aus den Unternehmen rausgesaugt die deswegen weder für die Angestellten, weder für Vernünftige langfristige Investitionen noch für Steuergelder benutzt werden können.

    Leider ist die INSM und deren in allen möglichen Medien auftretenden Angestellten gerade eben von diesen Grossaktionären und den damit verbunden Unternehmen finanziert. Die Politik die nun durch alle möglichen Länder schwirrt ist ein Resultat u.a des Lobbying und der Medialen Verbreitung der INSM Ideologie. Die Aussagen der INSM Angestellten sind leider nicht immer im positiven Sinne Zitatfähig !

    Hier ein Beispiel aus der BBC Seite (Interview mit Jayati Ghosh aus einer ganzen Serie von alternativen Oekonomischen Wahrnehmungen, in Englisch) wie es im viel zitierten Indien, dem angeblich so erfolgreichen, aussieht welches ähnliche Wirtschaftspolitk anwendet wie Europa, China usw. Kurz, die Reichen werden auch dort immer reicher während eer grösste Teil der Bevölkerung verarmt... ähnlich wie in vielen Ländern Europas.

    Alles nicht so erstrebenswert.

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Helda Camara

    • exitus
    • 21.10.2008 um 11:20 Uhr

    Das es immer Leute gibt die meinen zu wissen wer intelligent ist und werd nicht .... tststs.
    Sind alle Aktionäre "Schuld" an der Krise? Naja, sagen wir dochmal "Mitschuld". Ja auch die kleinen Aktionäre sind alle Mitschuld! Zu hoffen das man mit ein paar Aktien mal ne schnelle Mark machen kann und gleichzeitig zu meinen die Verantwortung für das eigene Handeln am Bankschalter an den Berater abtreten zu können ist eben auch nicht sehr intelligent. Da braucht man gar nicht mit der alten Weisheit zu kommen, dass eben alles mit allem zusammenhängt.

  1. Doch, es waren die Aktionäre die genau wussten was sie wollen und auch genau wussten was Sie tun. Sie wissen es immer noch ! Hier geht es nicht um die vielen tausend Kleinaktionäre die ein bischen am Heimarbeitsplatz oder via ihrem Bankberater handeln sondern um die "Large Account Share Holders" die locker einige 100 Mio. in ein oder mehrere Unternehmen investieren. Einige andere Drahtzieher wie die viel zitierten Hedgefonds gehören ebenfalls in die gleiche Kategorie von Investoren.

    Es sind auch diese Investoren/Aktienbesitzer welche die CEO's herbei zitieren wenn die Rendite, der Umsatz oder die Profite nicht stimmen. So werden Mia. aus den Unternehmen rausgesaugt die deswegen weder für die Angestellten, weder für Vernünftige langfristige Investitionen noch für Steuergelder benutzt werden können.

    Leider ist die INSM und deren in allen möglichen Medien auftretenden Angestellten gerade eben von diesen Grossaktionären und den damit verbunden Unternehmen finanziert. Die Politik die nun durch alle möglichen Länder schwirrt ist ein Resultat u.a des Lobbying und der Medialen Verbreitung der INSM Ideologie. Die Aussagen der INSM Angestellten sind leider nicht immer im positiven Sinne Zitatfähig !

    Hier ein Beispiel aus der BBC Seite (Interview mit Jayati Ghosh aus einer ganzen Serie von alternativen Oekonomischen Wahrnehmungen, in Englisch) wie es im viel zitierten Indien, dem angeblich so erfolgreichen, aussieht welches ähnliche Wirtschaftspolitk anwendet wie Europa, China usw. Kurz, die Reichen werden auch dort immer reicher während eer grösste Teil der Bevölkerung verarmt... ähnlich wie in vielen Ländern Europas.

    Alles nicht so erstrebenswert.

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Helda Camara

    Antwort auf "Die Behauptung, die"
  2. Ich kann der Auffassung von Herrn Straubhaar nur zustimmen. Um diesen Prozess zu beschleunigen und das Geldsystem wieder besser abzusichern, würde ich diesen, jetzt wo der Schirm gespannt ist, mit einer starken Anhebung der Mindestreserven und Eigenkapitalanforderung hinterlegen.

    • exitus
    • 21.10.2008 um 11:20 Uhr

    Das es immer Leute gibt die meinen zu wissen wer intelligent ist und werd nicht .... tststs.
    Sind alle Aktionäre "Schuld" an der Krise? Naja, sagen wir dochmal "Mitschuld". Ja auch die kleinen Aktionäre sind alle Mitschuld! Zu hoffen das man mit ein paar Aktien mal ne schnelle Mark machen kann und gleichzeitig zu meinen die Verantwortung für das eigene Handeln am Bankschalter an den Berater abtreten zu können ist eben auch nicht sehr intelligent. Da braucht man gar nicht mit der alten Weisheit zu kommen, dass eben alles mit allem zusammenhängt.

    Antwort auf "Die Behauptung, die"
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    • Anonym
    • 21.10.2008 um 12:35 Uhr

    Ich habe implizit angenommen, dass Herr Straubhaar intelligent ist. Wenn Sie daran zweifeln, ist das ihre Sache.

    Mir schien die Erwähnung des Begriffes "Schuld" zu dieser Intelligenz nicht zu passen. Schuld ist ja nun nicht gerade einfach zu definieren, aber wir können wohl am ehesten davon ausgehen, dass der strafrechtliche Begriff der Schuld gegenüber anderen - wie etwa religiösen - hier die höchsten Präzisierungen erfahren hat, da er ständig praktisch angewendet wird.

    Wichtigstes Merkmal dieses Schuldbegriffes ist das Unrechtsbewusstsein. Da muss man sich von vorneherein die Frage stellen, woran der Aktionär erkennen soll, dass er Unrecht begeht, wenn er in eine Bankaktie investiert ? Können Sie diese Frage beantworten ?

    Nein, es geht hier nicht um Schuld oder gefühltes Unrecht, sondern um die Verantwortung für Konsequenzen, auch solche die man nicht vorhersehen kann. Und da fordert die Öffentlichkeit zu recht, dass Aktionäre hier nicht verhätschelt werden, da wir alle Verantwortung tragen müssen.

    • Anonym
    • 21.10.2008 um 12:35 Uhr

    Ich habe implizit angenommen, dass Herr Straubhaar intelligent ist. Wenn Sie daran zweifeln, ist das ihre Sache.

    Mir schien die Erwähnung des Begriffes "Schuld" zu dieser Intelligenz nicht zu passen. Schuld ist ja nun nicht gerade einfach zu definieren, aber wir können wohl am ehesten davon ausgehen, dass der strafrechtliche Begriff der Schuld gegenüber anderen - wie etwa religiösen - hier die höchsten Präzisierungen erfahren hat, da er ständig praktisch angewendet wird.

    Wichtigstes Merkmal dieses Schuldbegriffes ist das Unrechtsbewusstsein. Da muss man sich von vorneherein die Frage stellen, woran der Aktionär erkennen soll, dass er Unrecht begeht, wenn er in eine Bankaktie investiert ? Können Sie diese Frage beantworten ?

    Nein, es geht hier nicht um Schuld oder gefühltes Unrecht, sondern um die Verantwortung für Konsequenzen, auch solche die man nicht vorhersehen kann. Und da fordert die Öffentlichkeit zu recht, dass Aktionäre hier nicht verhätschelt werden, da wir alle Verantwortung tragen müssen.

  3. Wer hat Aktien persönlich gekauft?
    Herr Strauhaar sagt meiner Ansicht nach zu Recht, dass Aktionäre für das, was sie wo anlegen, eine Eigenverantwortung zu tragen haben.
    Sogenannte Kleinaktionäre legen ihr Erspartes aber nicht persönlich in börsenkotierten Aktiengesellschaften an, sondern im Normalfall in einen Fonds, an dem sie sich durch den Rat einer Bank oder einer Versicherung beteiligen - mit meistens sehr kleinen Beiträgen. Aktienhandel und damit heute im Normalfall Speklulation betreiben Banken, Versicherungen, Penisonskassen. Und diese nehmen dann auch das Stimmrecht an den Hauptversammlungen wahr, wählen die Aufsichtsräte und segnen das Geschäftsgebahren ab. Von einer "Eigenverantwortung" von Kleinanlegern zu sprechen ist in diesem Zusammenhang eine schöne theoretische, aber keineswegs eine realitätsbezogene Floskel.
    Ihre durchaus gesetzlich geregelte Verantwortung nicht wahrgenommen haben die Bankmanager, die ihnen zur Verfügung stehenden Apparate (Analysten, Ratingsysteme usw.) und die Aufsichtsräte.
    Man kann sehen, dass diese Verantwortlichen sich um ihre Verantwortung drücken. Wenn ich mir da zum Beispiel das Verhalten des noch amtierenden bayerischen Finanzministers und CSU-Vorsitzenden Huber vor Augen führe, weiss ich, wo der Hase im Pfeffer liegt:
    Als langjähriger Aufischtsratsvorsitzender der Bayerischen Landesbank hat er seine Verantwortung gegenüber den Steuerzahlern, die mit 50 % ungefragt und zwangsweise Miteigentümer, nämlich Aktionäre der Bank sind - und über die bayerischen Sparkassen, welche die andere Hälfte ihr eigen nennen, gleich noch einmal, ebenfalls ungefragt, also zwangsweise -, nicht wahrgenommen. Wie er diese Verantwortung nicht wahrgenommen hat, spielt keine Rolle. Fest steht: Unter seiner Verantwortung hat diese Bank spekuliert und riesige Verluste eingefahren - auf Kosten der in diesem wie in vielen anderen Fällen anonymen Aktienbesitzer. Diese Aktienbesitzer haben keine Ahnung gehabt, was da auf der Grundlage ihres Kapitaleinsatzes spekuliert wurde. Als Steuerzahler konnten sie ganz praktisch gar nicht mitbestimmen. Nur über die Abwahl der CSU war ein Eingriff möglich. Deshlab hat sich die CSU auch sehr bemüht, dass die Bankgeschäfte des Staates, den sie regierten, unter dem Deckel der Veschwiegenheit, der Nicht- und Falschinformation und der Lüge bleiben sollten.
    Herr Huber hat das selbstredend gewusst.
    Um die Bank zu retten oder in eine andere Landesbank überführen zu können, werden nun weitere Staatsmittel angefordert. Staatsmittel, an denen Huber als bayersicher Staatsminister im übrigen ursprünglich den Freistaat Bayern nicht solidarisch beteiligen, das heisst die ganze Finanzierung des Notpakets dem Bund und damit den Steuerzahlren aller Bundesländer überlassen wollte.
    Herr Huber tut so, als sei er ein Opfer der Krise. Er ist aber kein Opfer, sondern einer der Täter dessen, was zur Krise geführt hat. Ein Täter, der im Wust institutionalisierter Unübersichtlichkeiten, die er kraft seiner Ämter sehr wohl gekannt und durchschaut haben musste, gehandelt hat.
    Wer so handelt, handelt meiner Ansicht nach nicht korrekt. Ein bisher in der Krise nie gelesenes oder gehörtes Wort: Korrekt.
    Korrekt handeln hätte geheisen, dass sich die Manager und die Aufsichtspersonen im Sinne der Aktionäre verhalten hätten. Wer hat denn an den Hauptversammlungen der bayerischen Landesbank die Geschäftsführung bestätigt? Einzelaktionäre? Wer hat die Millionen Steuerzahler, deren Steuergeld unter anderem in Form von Aktien die Eigenkapitalgrundlage der BLB gebildet haben, vertreten?

    Kurz: Das Beispiel Huber zeigt geradezu paradigmatisch, wie verlottert die Sitten in diesem Gewerbe inzwischen alltäglich geworden sind.
    Wenn jemand ohne Fahrkarte in der S-oder der U-Bahn erwischt wird, muss er eine massive Busse bezahlen; wenn jemand eines kleinen Ladendiebstahls überführt wird, wird er straffällig. Wenn ein Minister und Aufsichtsratsvorsitzender einer bedeutenden Bank spekulativ Geld vernichtet, das ihm nicht gehört hat, das ihm bloss anvertraut worden ist, bleibt er weiterhin Finanzminister, bleibt er weiterhin Aufsichtsratsvoristzender, bleibt er strafrechtlich unverfolgt. Besonders pikant erscheint mir in diesem Zusammenhang die Gdeschmacklosigkeit der Bundeskanzlerin, ausgerechnet ein Mitglied des Aufsichtsrates der Hypo, nämlich Thietmeyer, zum Vorsitzenden einer Kommission vorzuschlagen - und dies über den Kopf des an sich zusatändigen Bundesfinanzministers hinweg-, welche diese ganzen Umstände analysieren und Vorschläge zur Veränderung dieser Verantwortungsverweigerungen aufarbeiten soll. Dass sie nachher verbreiten liess, Thietmeyers Aufsichtsratsmandat sei ihr nicht bekannt gewesen, beleuchtet grell die korruptive Ebene der ganzen Krise.

    Das brtisiche Modell der vorübergehenden Verstaatlichung und damit der Überführung der Bankgeschäfte in öffentlich einsehbare und kontrollierbare Verhätnisse, wie Strauhaar es antönt, erscheint mir als einigermassen geeignet, die dringend notwendige Rückführung der Geschäftsgrundlagen von Banken, Versicherungen und Pensionkassenverwaltungen auf den Boden rechtsstaatlicher Verhältnisse zu bewerkstelligen. Vor allem muss der Staat im Interesse der Rechtsgleichheit seiner Bürgerinnen und Bürge die Staatsanwaltschaften in Bewegung setzen, damit den Spekulanten, die ihnen anvertrautes Geld verludern, zur Verantwortung vor der unabhägnigen gerichtlichen Justiz gezogen werden können.

  4. das mit heisser Nadel unter Drohungen ("Entweder ihr zahlt oder die Wirtschaft kollabiert") der Finanzbosse zusammengeschusterte Rettungspaket enthält eine Reihe von Fehlern, so belohnt es gerade die Vorstände, die am miesesten gewirtschaftet haben mit der Möglichkeit, staatlich legitimierte Insolvenzverschleppung zu betreiben.

    Doch bei allem Lamentiren über Schuld und Sühne darf nicht vergessen werden, dass es kaum einen Unterschied macht ob Banken staatlich oder privat sind, entscheidend ist, was die Banken für ein Geschäft betreiben! Im Vordergrund muss die Finanzierung der Realwirtschaft stehen. Glücksspiele mit synthetischen "Finanzprodukten" muss verboten werden. Sehr gut herausgearbeitet und beschrieben in dem Buch "Geld arbeitet nicht" von Hauke Fürstenwerth und in seinem interview auf manager magazin online. Das sollten sich die Politiker zum Ziel setzen, nur dann hat die gegenwärtige Aktion einen Sinn.

    • ADoria
    • 21.10.2008 um 12:10 Uhr

    Der Mann irrlichtert durch die Medienlandschaft und gibt seinen Senf zu allen Dingen, die auch er nicht beeinflussen kann.
    Beispiel: Herr Straubhaar sitzt als Berater bei der Initiative für Neue Soziale Mrktwirtschaft und erklärt im Fernsehen, ihm müsse mal einer erklären, was Soziale Marktwirtschaft eigentlich sei.
    Ich glaube auch nicht an diesen Humbug, sitze aber aus diesem Grund auch nicht in einem solchen Gremium.

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    • Chali
    • 21.10.2008 um 14:36 Uhr

    Sie müssen lediglich den Namen richtig lesen:
    Diese Initiative will keine Marktwirtschaft, schon gar keine soziale, sondern etwas Neues! (Nämlich den Neo-Feudalismus.)

    Und um etwas aus der Welt zu schaffen, müssen Sie es doch nicht kennen!

    • Chali
    • 21.10.2008 um 14:36 Uhr

    Sie müssen lediglich den Namen richtig lesen:
    Diese Initiative will keine Marktwirtschaft, schon gar keine soziale, sondern etwas Neues! (Nämlich den Neo-Feudalismus.)

    Und um etwas aus der Welt zu schaffen, müssen Sie es doch nicht kennen!

    • Anonym
    • 21.10.2008 um 12:35 Uhr
    8. Schuld

    Ich habe implizit angenommen, dass Herr Straubhaar intelligent ist. Wenn Sie daran zweifeln, ist das ihre Sache.

    Mir schien die Erwähnung des Begriffes "Schuld" zu dieser Intelligenz nicht zu passen. Schuld ist ja nun nicht gerade einfach zu definieren, aber wir können wohl am ehesten davon ausgehen, dass der strafrechtliche Begriff der Schuld gegenüber anderen - wie etwa religiösen - hier die höchsten Präzisierungen erfahren hat, da er ständig praktisch angewendet wird.

    Wichtigstes Merkmal dieses Schuldbegriffes ist das Unrechtsbewusstsein. Da muss man sich von vorneherein die Frage stellen, woran der Aktionär erkennen soll, dass er Unrecht begeht, wenn er in eine Bankaktie investiert ? Können Sie diese Frage beantworten ?

    Nein, es geht hier nicht um Schuld oder gefühltes Unrecht, sondern um die Verantwortung für Konsequenzen, auch solche die man nicht vorhersehen kann. Und da fordert die Öffentlichkeit zu recht, dass Aktionäre hier nicht verhätschelt werden, da wir alle Verantwortung tragen müssen.

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    • exitus
    • 21.10.2008 um 12:58 Uhr

    ...wir können wohl am ehesten davon ausgehen, dass der strafrechtliche Begriff der Schuld gegenüber anderen - wie etwa religiösen - hier die höchsten Präzisierungen erfahren hat, da er ständig praktisch angewendet wird.

    Wieso können wir davon ausgehen? Ich denke vielmehr, dass hier ein moralisch / ethischer Schuldbegriff viel angebrachter wäre. Hier gibt es auch eine Schuld durch Ignoranz.

    • QUOTE
    • 21.10.2008 um 15:03 Uhr

    ...von vorneherein die Frage stellen, woran der Aktionär erkennen soll, dass er Unrecht begeht, wenn er in eine Bankaktie investiert ? Können Sie diese Frage beantworten?"

    Aber sicher doch: alleine die von Leuten wie Ackermann und Co. angepeilten Eigenkapitalrenditen von 25%+ pro Jahr hätten die Leute argwöhnisch machen müssen.

    (Das reale Äquivalent hierzu wäre etwa, wenn Ihnen abends am Hinterausgang des Bahnhofs ein bleicher, unrasierter magerer junger Mann ein kaum gebrauchtes Navigationsgerät/Handy usw. anbietet...sagen Sie da auch: "Oh, toll!" und greifen zu, ohne weiter nachzudenken? Vermutlich nicht, oder? Aber wenn Ihnen ein smarter junger Milchbart mit noch feuchtem BWL-Diplom und Krawatte was von den "hervorragenden Anlagemöglichkeiten in moldawischen Staatsanleihe oder tschetschenischen Immobilienfonds" erzählt ist das natürlich etwas vollkommen anderes...)

    Ich hab mich immer gefragt, wo in der realen Welt man einen derartigen Wertzuwachs erreichen kann. Nun, die Antwort auf diese Frage haben wir alle jetzt bitter erhalten: gar nicht. Die irrsinnigen Eigenkapitalrenditen der vergangenen Jahre sind alle nur im virtuellen Raum erspekuliert worden. Ein gigantisches finanzielles Soufflée, das den Köchen nun leider verfrüht zusammengefallen ist.

    • exitus
    • 21.10.2008 um 12:58 Uhr

    ...wir können wohl am ehesten davon ausgehen, dass der strafrechtliche Begriff der Schuld gegenüber anderen - wie etwa religiösen - hier die höchsten Präzisierungen erfahren hat, da er ständig praktisch angewendet wird.

    Wieso können wir davon ausgehen? Ich denke vielmehr, dass hier ein moralisch / ethischer Schuldbegriff viel angebrachter wäre. Hier gibt es auch eine Schuld durch Ignoranz.

    • QUOTE
    • 21.10.2008 um 15:03 Uhr

    ...von vorneherein die Frage stellen, woran der Aktionär erkennen soll, dass er Unrecht begeht, wenn er in eine Bankaktie investiert ? Können Sie diese Frage beantworten?"

    Aber sicher doch: alleine die von Leuten wie Ackermann und Co. angepeilten Eigenkapitalrenditen von 25%+ pro Jahr hätten die Leute argwöhnisch machen müssen.

    (Das reale Äquivalent hierzu wäre etwa, wenn Ihnen abends am Hinterausgang des Bahnhofs ein bleicher, unrasierter magerer junger Mann ein kaum gebrauchtes Navigationsgerät/Handy usw. anbietet...sagen Sie da auch: "Oh, toll!" und greifen zu, ohne weiter nachzudenken? Vermutlich nicht, oder? Aber wenn Ihnen ein smarter junger Milchbart mit noch feuchtem BWL-Diplom und Krawatte was von den "hervorragenden Anlagemöglichkeiten in moldawischen Staatsanleihe oder tschetschenischen Immobilienfonds" erzählt ist das natürlich etwas vollkommen anderes...)

    Ich hab mich immer gefragt, wo in der realen Welt man einen derartigen Wertzuwachs erreichen kann. Nun, die Antwort auf diese Frage haben wir alle jetzt bitter erhalten: gar nicht. Die irrsinnigen Eigenkapitalrenditen der vergangenen Jahre sind alle nur im virtuellen Raum erspekuliert worden. Ein gigantisches finanzielles Soufflée, das den Köchen nun leider verfrüht zusammengefallen ist.

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