Die Abgeordneten des deutschen Bundestages haben beschlossen, das Afghanistanmandat um 14 Monate bis zum Dezember 2009 zu verlängern. Sie wollen das Thema damit aus dem Bundestagswahlkampf des nächsten Jahres heraushalten. So verständlich diese Entscheidung sein mag, so falsch ist sie. Wenn nämlich die deutsche Afghanistanpolitik an etwas krankt, dann ist es genau das: Mangel an öffentlicher Diskussion.

Es ist nie ernsthaft versucht worden zu erklären, warum und wozu deutsche Bundeswehrsoldaten dort ihr Leben riskieren. Obwohl der Einsatz in Afghanistan die größte außenpolitischen Missionen in der Geschichte der Bundesrepublik ist, ist er die längste Zeit auf Beamtenebene behandelt worden. Die Bundeskanzlerin drückte sich geradezu vor dem Thema. Man musste sie regelrecht drängen, bevor sie den Truppen am Hindukusch endlich einmal einen Besuch abstattete.

Außenminister Steinmeier war zwar etwas rühriger, doch mehr als Floskeln von "Wiederaufbau" und "Stabilisierung" kamen ihm auch nicht über die Lippen. Angesichts der zunehmenden Gewalt und der sich insgesamt verschlechternden Lage in Afghanistan klingen diese Worte inzwischen wie verzweifelte Durchhalteparolen. In Regierung und Parlament herrscht absolute Ratlosigkeit – das ist der Eindruck den man gewinnt.

Ja nicht darüber reden! Und wenn, dann nicht mehr als gerade nötig! Das ist die Strategie der Regierung, die in Wahrheit keine ist. Denn Afghanistan wird die Deutschen wieder einholen, Wahlkampf hin oder her. Spätestens dann, wenn erneut deutsche Soldaten ihr Leben verlieren, wird die Debatte in aller Heftigkeit wieder aufflammen. Man kann sich gut vorstellen, wie sie verlaufen wird. Nämlich hysterisch.

Wie sollte es auch anders sein? Die Regierung will die Deutschen auf den Ernstfall nicht vorbereiten. Sie will nicht darüber reden, dass der gesamte Einsatz bedroht ist und in einer Niederlage enden könnte. Sie will nicht darüber reden, dass es Tote geben wird, weil sie nicht erklären kann, warum und wozu sie sterben. Oder wie sollte man die Tatsache verstehen, dass ein deutscher Soldat, der in Afghanistan zu Tode kommt, nicht als "gefallen" gilt, sondern als "umgekommen"? Denn was die Soldaten in Afghanistan erleben ist nach der Diktion des Verteidigungsministers kein Krieg – deswegen kann ein Soldat auch nicht "fallen". Wie muss sich das für einen Soldaten anfühlen, der dort fast täglich unter Beschuss kommt?

Der Wahlkampf wäre eine Chance gewesen, über all das zu reden. Man hätte sich in aller Öffentlichkeit streiten können. Freilich wären davon keine Lösungen zu erwarten gewesen, aber die Bürger hätten sich beteiligen können. Allein das hätte der Afghanistanmission – ganz egal wie man dazu steht – eine etwas breitere Legitimationsbasis verschafft.