Es war vor ein paar Jahren am Rande eines Handwerkkongresses. Eigentlich ging es um Steuern. Aber dann kam das Thema auf die Altersabsicherung der mitarbeitenden Ehefrauen. Man habe spüren können, wie die Frauen die Luft anhielten, erinnert sich eine Teilnehmerin mit Schaudern, die auch heute noch ihren Namen nicht nennen möchte. "Wir haben uns angesehen und wussten sofort: Das sieht schlecht aus! Aber keine hätte sagen können, wie schlecht genau."

Frauen und Vorsorge – ein schwieriges Kapitel, weiß Helma Sick. Seit über 20 Jahren berät sie in München Frauen zu Geldanlage und Rente. Sie gehört zu den Gründungsmitgliedern der Finanzfachffauen, die seit 1988 spezifische Beratungen für Frauen anbieten. An ihrem Arbeitsalltag hat sich seither wenig geändert. "Die Frauen, die zu mir kommen", erzählt sie, "geben zumeist offen zu, dass sie von dem Thema keine Ahnung haben."

Verstehen kann Sick das nicht. Denn Altersarmut in Deutschland "ist auch heute noch vor allem weiblich". Im Jahr 2007 erhielten Frauen in Westdeutschland im Schnitt 465 Euro aus der gesetzlichen Rente, Männer dagegen 976 Euro. Ostdeutsche Frauen sind etwas besser dran. Leben können aber auch sie kaum von ihren Bezügen.

Bei betrieblichen  Zusatzrenten und privaten Absicherungen sieht es nicht besser aus. 33 Prozent aller Männer haben zusätzlich zur gesetzlichen Absicherung Vorsorge getroffen, erläutert HypoVereinsbank-Vorsorgeexpertin Annemarie Reith, aber nur 26 Prozent der Frauen. Nur 17 Prozent der Frauen dürfen sich im Alter über eine Betriebsrente freuen, aber immerhin 27 Prozent der Männer. 

Frauen, die zu Sick oder Reith kommen, sehen Handlungsbedarf. Das ist keineswegs selbstverständlich wie der aktuelle Kundenmonitor Assekuranz der Kölner Psychonomics AG aus dem Jahr 2008 zeigt. 55 Prozent der dort befragten Frauen glauben demnach, dass die eigene Altersvorsorge nicht ausreicht. Zugleich tun sie aber wenig dagegen. 56 Prozent geben sogar unumwunden zu, nicht ausreichend informiert zu sein. Ein Widerspruch, den auch andere Studien bestätigen.

Vor allem verheiratete Frauen gehen auch heute noch in großer Zahl "geradezu fahrlässig", so Sick, mit ihrer eigenständigen Altersicherung um. "Stattdessen geben sie die Verantwortung an ihren Partner ab." Auch Psychonomics kommt zu dem Ergebnis, dass verheiratete Frauen häufig auch die Policen als Sicherheit betrachten, die eigentlich auf ihren Mann abgeschlossen sind.