Nationalelf Löw muss handeln

Michael Ballack kritisiert Joachim Löw in einem Zeitungsinterview. Löw muss nun um seine Autorität kämpfen. Ein Kommentar

Blicken und gehen derzeit in verschiedene Richtungen: Michael Ballack und Joachim Löw

Blicken und gehen derzeit in verschiedene Richtungen: Michael Ballack und Joachim Löw

In einem Interview mit der FAZ teilt Michael Ballack heute kräftig aus, kritisiert Joachim Löws Entscheidungen und bezweifelt seine Menschenführung. Ihr Verhältnis dürfte auf eine Probe gestellt sein, und eventuell wird nun eine weitreichende Frage lange im Raum stehen: Kann Löw mit Ballack noch zusammenarbeiten?

Vordergründiger Zweck von Ballacks Wortmeldung ist es, Torsten Frings, der wegen Versetzung auf die Bank öffentlich über seinen Rücktritt nachdenkt, im Kampf um einen Stammplatz Rückendeckung zu gewähren: „Wenn man einen nicht mehr will“, fordert Ballack, „sollte man das ehrlich ansprechen. Respekt und Loyalität ist doch das Wenigste, was man als verdienter Nationalspieler erwarten kann.“ Es sind essenzielle Vorwürfe, gerade weil sie von Löws wichtigstem Spieler stammen.

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Der Mannschaftsführer attackiert den Nationaltrainer in einer Zeitung – das hat es in der jüngeren Geschichte der Nationalmannschaft noch nicht gegeben. Ballack richtet sich auch gegen Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann, indem er einen von den vielen Klinsmann-Gegnern gerne unterstellten Vorwurf untermauert: dass Klinsmann Oliver Kahn und Christian Wörns unehrlich behandelt und ihnen, entgegen Beteuerungen, 2006 keine echte Chance gewährt habe.

Was wohl seine Mitspieler von Ballacks Lobbyversuch zugunsten Frings denken? In der Mannschaft könnte sich Ballack tatsächlich isoliert haben, wie es die Sport Bild im vergangenen Monat, damals wohl voreilig, kolportierte. Seinem ehemaligen Ersten Offizier Frings jedenfalls wird der Kapitän keinen Gefallen getan haben. Es könnte Löw als Gesichtsverlust ausgelegt werden, Frings wieder zu befördern.

In der Sache ist Ballack an vielen Stellen schwach: Frings spielt nicht mehr in der Form von 2006, Frings-Ersatz Thomas Hitzlsperger macht seine Aufgabe gut, mit ihm hat die Mannschaft gerade zwei Spiele gewonnen. Löw hat gute Argumente auf seiner Seite.

Erst die ferndiagnostische Einmischung Bernhard Peters’ in die Belange des Bundestrainers während der EM, dann der monatelange Ballack/Bierhoff-Streit, jüngst die Klagen Torsten Frings’ in der Bild-Zeitung, nun Michael Ballack – und der Schauplatz ist erneut die Presse. Joachim Löw, Trainer des EM-Zweiten und des Tabellenführers in der WM-Qualifikationsgruppe, ist in Zugzwang geraten. Er muss handeln, um Autorität zurückzugewinnen.

 
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