Am Dienstagabend war bekannt geworden, dass die Finanzlöcher bei der BayernLB wesentlich größer sind als bisher bekannt und sie insgesamt 6,4 Milliarden Euro an neuem Kapita l benötigt. Als erste Bank will sie daher den Rettungsfonds der Bundesregierung in Anspruch nehmen und daraus 5,4 Milliarden Euro anfordern. Eine Milliarde Euro sollen das Land und die bayerischen Sparkassen als Eigentümer an zusätzlichem Kapital aufbringen.

Noch-Ministerpräsident Günther Beckstein kritisierte am Morgen die Informationspolitik des BayernLB-Vorstands. Noch am Wochenende hätten "völlig andere Zahlen im Raum gestanden", sagte er in München. "Da müssen wir alle sagen, es ist irgendwas Massives in der Bank daneben gegangen." Der designierte neue Ministerpräsident Horst Seehofer gab sich ebenfalls erschüttert, ebenso wie CSU-Landtagsfraktionschef Georg Schmid.

Beckstein wies die Kritik der FDP zurück, die CSU habe den künftigen Koalitionspartner nicht über das wahre Ausmaß der Krise informiert. "Es ist nicht so, dass wir die FDP im Dunkeln gelassen haben. Ich bin ja genauso enttäuscht, dass Bankmanager, die sehr viel mehr Verstand haben als ich, weil sie ein Mehrfaches verdienen, nicht in der Lage sind, eine Größenordnung anzugeben", sagte der scheidende Regierungschef.

Noch am Wochenende war lediglich von einem Kapitalbedarf der Landesbank von 2 bis maximal 5 Milliarden Euro die Rede gewesen. Schon in der Vergangenheit war der CSU-Landesregierung mehrfach vorgeworfen worden, die Probleme bei der BayernLB verschleiert und Zahlen zurückgehalten zu haben. Sie hatte jedoch stets die Verantwortung dem Bank-Vorstand zugewiesen, obwohl Beckstein und Finanzminister Erwin Huber im Verwaltungsrat der Bank sitzen und daher den Umfang der notwendigen Milliarden-Abschreibungen und des Kapitalbedarfs eigentlich kennen müssten.

Beckstein betonte, die zusätzlich fehlenden Milliarden hätten keine unmittelbaren Folgen für den Landeshaushalt. Der Löwenanteil werde zunächst beim Bund abgeladen. Die Auswirkungen wären erst mittel- bis längerfristig zu spüren, wenn Bayern das Geld zurückzahlen müsse. Die Probleme für die Koalition halte er im Prinzip für beherrschbar.