Es war im Juni diesen Jahres, als Angela Merkel in einer Rede zum 60-jährigen Bestehen der sozialen Marktwirtschaft die "Bildungsrepublik Deutschland" ausrief. Den Schlachtruf "Bildung für alle" wollte die Kanzlerin zum neuen politischen Leitmotiv machen – eine moderne Übersetzung des von Ludwig Erhard seinerzeit ausgegebenen Mottos "Wohlstand für alle".

Im August begann Merkel dann ihre Bildungsreise durchs Land. Gut ein Dutzend vorbildlicher Einrichtungen unterschiedlichster Couleur hat sie seither besucht. Es war eine PR-trächtige, aber auch eine gefährliche Tour.

Denn mit jeder Station ihrer Reise stiegen die Erwartungen an die Ergebnisse des Bildungsgipfels, der als krönender Abschluss gedacht war und nun an diesem Mittwoch in Dresden stattfindet. Auf ihm wollen sich Bund und Länder sowohl auf bildungspolitische Grundsätze als auch auf konkrete Maßnahmen für die nächsten Jahre einigen.

Von Anfang an wehte der Kanzlerin aus den Ländern, vor allem aus den unionsregierten, scharfer Gegenwind entgegen. Offen und versteckt protestierten die Länderfürsten gegen die Einmischung des Bundes in einen Bereich, der ihnen seit der Föderalismusreform 2006 noch ausschließlicher zusteht als schon zuvor.

Doch die Kanzlerin ließ sich scheinbar nicht einschüchtern. "Die Menschen erwarten von uns nicht, dass wir über Zuständigkeiten streiten, sondern dass wir die Probleme lösen", sagte sie, wo sie nur ging und stand.

Ein schöner, ein wahrer Satz. Denn tatsächlich ist Bildung ein Thema, dass den meisten Menschen wie kaum ein anderes unter den Nägeln brennt. Gleichwohl dürften sie sich am Mittwochabend verwundert die Augen reiben.

Denn viele Probleme, die im Alltag besonders präsent sind – das ungleiche Niveau von Schulen, Lehrermangel und Stundenausfall, der Streit um Einheitsschulen versus dreigliedriges Schulsystem, um nur einige zu nennen – werden auf dem Gipfel keine oder nur indirekt eine Rolle spielen. Einerseits, weil die Länder dies in Eigenregie regeln, andererseits, weil die Differenzen zwischen Union und SPD zum Beispiel in der Frage des Schulsystems unüberbrückbar scheinen. Eine einheitliche Position ist hier undenkbar.

Gleichwohl gibt es eine Reihe anderer drängender Themen, für die in Dresden Lösungsansätze verabschiedet werden sollen. Vieles davon ist allerdings längst beschlossen und wäre auch ohne Bildungsgipfel umgesetzt geworden.

Seit Jahren wird beispielsweise in immer neuen Studien die soziale Undurchlässigkeit des deutschen Bildungssystems beklagt, die besonders Kinder von Migranten trifft. Um dies zu ändern, wollen Bund und Länder vor allem ihre Bemühungen bei der frühkindlichen Bildung verstärken. So sollen generell Sprachtests im Kindergarten eingeführt werden, um sicherzustellen, dass alle Kinder bei Schulbeginn Deutsch sprechen. Allerdings: Solche Tests gibt es bereits in vielen Bundesländern, neu ist nur, dass sie nun bis 2010 flächendeckend Standard sein sollen.