Internet-Protest Ärger für Datensammler
Die Grünen rufen dazu auf, Firmen Dampf zu machen, die mit persönlichen Daten handeln. Mit Erfolg. Einige Unternehmen scheinen für das Problem sensibler zu werden

Holen Sie sich Ihre Daten zurück!
Datenschutz interessiert gerade ziemlich viele Menschen. Die Politik hat das inzwischen gemerkt, viele Unternehmen aber noch nicht. Das könnte sich ändern. Die Grünen haben jedenfalls im Internet eine Kampagne zu dem Thema gestartet. "Datenschutz ist Bürgerrecht" heißt sie und hat alles, was man für einen Feldzug so braucht.
Unter anderem die Mitmachaktion "Deine Daten gehören Dir". Wer will, kann dort schnell und simpel Formbriefe verschicken, um von Firmen, die persönliche Informationen verarbeiten oder handeln, zu erfahren, welche Daten sie gespeichert haben. Laut Datenschutzgesetz hat jeder Verbraucher ein Recht darauf. Fünf Unternehmen sind es, bei denen die Grünen zum Anschreiben aufrufen: die Adressenhändler Arvato und Schober, der Rabattvermarkter Payback, die Telekom und der Internetbuchhändler Amazon.
"Der Datenschutzbeauftragte von Arvato hat sich bereits gemeldet, wir sollten die Kampagne einstellen, er hätte so viel zu tun mit dieser Flut von Anfragen", sagt Grünen-Chefin Claudia Roth nicht ohne Stolz. "Das zeigt, unsere Kampagne wirkt."
Naja, sagte der auch für Arvato zuständige Datenschutzbeauftragte des Mutterkonzerns Bertelsmann. Insgesamt habe er bisher 370 Mails bekommen. So viele seien das nun auch wieder nicht, pro Jahr wollten normalerweise 1000 bis 1500 Menschen etwas über ihre Daten wissen. Deswegen sei er auch ganz entspannt, sagte Norbert Brinkschneider. Und ja, er habe bei den Grünen angerufen, um zu erfahren, woher die ganzen Mails mit dem immer gleichen Betreff kommen. "Die erste Phase war heftig, aber der Zenit scheint überschritten zu sein." Man leite das an die entsprechenden Stellen weiter, und dann bekämen die Betreffenden per Post ihre Auskunft.
Etwas weniger entspannt scheint man bei Schober zu sein. "Ich möchte zu der Kampagne kein Statement abgeben", sagt die Datenschutzbeauftragte Angela Ehmann. Es seien viele Anfragen, und sie könne nicht sagen, wie lange eine Antwort dauere.
Richtig genervt ist man bei Payback. "Da werden Dinge vermischt, die gar nichts miteinander zu tun haben", sagte Unternehmenssprecher Claus-Peter Schrack. Sicher, dank der Skandale bei Lidl, der SKL und der Telekom gebe es viel Aufmerksamkeit für das Thema. Aber er verstehe nicht, was Payback damit zu tun habe. "Wir sind kein Adressenhändler, wir handeln nicht mit Daten." Selbstverständlich könne jeder Kunde seine gespeicherten Daten einsehen, es mache nur kaum jemand. "Eine komplette Abfrage ist ein absoluter Ausnahmefall", sagte Schrack. Davon gebe es jetzt, nach monatelanger Diskussion um Datenschutz, vielleicht zehn pro Woche. Und von der Kampagnenseite der Grünen seien bisher kaum welche darunter.
Das könnte sogar stimmen. Zwar gibt es heftige Kritik am Rabattsystem Payback. Doch ist es freiwillig. Wer dort mitmacht, glaubt, etwas dafür zu bekommen, und ist sich wohl durchaus bewusst, dass er Informationen über sich preisgibt.
- Datum 10.03.2009 - 16:46 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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