Man braucht gar nicht erst historische Parallelen zu bemühen, um beunruhigt zu sein. So vergleicht etwa der Kölner Politikwissenschaftler und Armutsforscher Christoph Butterwegge die jetzige Situation mit der nach 1929 und glaubt wie damals an ein Erstarken der rechten Szene.

Es genügt aber auch schon ein Blick auf jüngsten Parolen der NPD. Deren Antwort auf die Finanzkrise ist der Ruf nach einem starken Staat und einer starken Nation – eine im Moment höchst anschlussfähige These, zumal sie mit der Forderung nach mehr sozialer Gerechtigkeit verbunden ist. Auch wenn es der Bundesregierung gelingen sollte, eine fundamentale Wirtschaftskrise abzuwenden, könnten solchen Parolen auf fruchtbaren Boden fallen. Denn es bleibt bei vielen Menschen die Furcht vor unabsehbaren Folgen der Finanzkrise.

Jan Ross hat in der ZEIT als Zukunftsszenario eine verängstigte Gesellschaft neuer Spießer beschrieben, die sich als Folge einer neuen Verunsicherung an Heim, Konto und Familienwerte klammern. Man muss jedoch noch einen Schritt weitergehen.

Die eigentliche Gefahr droht nämlich nicht von Langweilern, sondern von Demagogen. Unter der Losung "Kapitalismus und Globalisierung stoppen!" formuliert die NPD ihre Haltung zum Rettungspaket des Staats: "Während die Bundesregierung eine Erhöhung des Regelsatzes für Hartz-IV-Empfänger trotz hoher Inflationsraten weiter strikt ablehnt, im Bundestag um jede einzelne Million bei der Kinderbetreuung gerungen wird und Millionen von Pendlern nach der Streichung der Pendlerpauschale nicht mehr wissen, wie sie ihre Spritkosten bezahlen sollen, werden einer privaten Großbank mal eben so 35 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt – man hat’s ja."

Eine Einschätzung, die sicher bei einigen Bürgern auf Resonanz stößt. Nach einer OECD-Studie nahmen die Einkommensunterschiede und der Anteil armer Menschen in der Bundesrepublik viel schneller zu als in den meisten anderen Industrieländern. Eine wachsende Zahl von Menschen könnte daher von nationalen Parolen verführt werden, die ihnen einfache Antworten auf die sozialen und globalen Probleme versprechen.

Die Rechtsextremen jedenfalls fühlen sich derzeit voll bestätigt in ihrer Behauptung, dass die Globalisierung Produkt eines ungezügelten Finanzkapitalismus ist, hinter dem finstere (jüdische) Spekulanten stehen. Die Wall Street dient ihnen, wie einst den Nazis, als Synonym für das Böse schlechthin. Entsprechend fordern Neonazis die Rückkehr zu einer nationalen Ökonomie, eine Verstaatlichung der Banken und einen "Ausstieg aus dem Teufelskreis der Globalisierung zugunsten einer raumorientierten Volkswirtschaft".