Folgen der Finanzkrise Schwung für die SPD

Bundestag und Bundesrat verabschieden heute das Banken-Rettungspaket. Wer profitiert politisch von der Krise? Auf den ersten Blick die Kanzlerin. Tatsächlich aber spielt die Krise vor allem der SPD in die Hände

Krisengewinnler: Das neue SPD-Trio Franz Müntefering, Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier

Krisengewinnler: Das neue SPD-Trio Franz Müntefering, Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier

Krisen und Katastrophen sind die Stunden der Exekutive. Da müssen die Regierenden handeln und Führung zeigen. Die Opposition hingegen ist weitgehend zum Schweigen verurteilt. Wer will schon verantwortlich dafür sein, dass sich die Krise verschärft oder die Katastrophe ausweitet, Deiche brechen oder die Wirtschaft in die Rezession stürzt.

So ist es auch in diesen Tagen. Die internationale Bankenwelt steht am Abgrund, und die Große Koalition versucht genauso verzweifelt wie hektisch, die deutschen Banken vor der Pleite zu bewahren. Unvorstellbare 480 Milliarden Euro stellt sie zur Verfügung, um deren Liquidität zu sichern und ihr Eigenkapital zu stärken.

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Keine Oppositionspartei traut sich, sich dem Rettungsplan, den die Bundesregierung quasi als Notstandsgesetz durchs Parlament paukt, ernsthaft in den Weg zu stellen.

Natürlich betonen die Kanzlerin und ihr Finanzminister, dass allein die Staatsräson sie antreibt. Merkel und Steinbrück berufen sich, um den Ernst der Lage zu unterstreichen, auf die Verfassung und die mit ihren Amt eingegangene Verpflichtung, Schaden vom deutschen Volke abzuwenden. Doch Politiker sind immer gewohnt, alle Dinge zugleich machtstrategisch vom Ende her zu denken. Und das Ende ist in diesem Fall die Bundestagswahl 2009.

Damit stellen sich zwei Fragen. Erstens: Profitiert von der aktuellen Krise eher die Regierung oder die Opposition. Fragen die Bürger in erster Linie danach, wer die Krise (mit)verursacht hat, ob die Regierungsparteien etwa durch früheres Tun oder Unterlassen die Exzesse der Bankmanager befördert haben? Oder schauen sie vor allem, wer den Auswirkungen am energischsten entgegen getreten ist? Zweitens: Welche Folgen hat das alles für das Kräfteverhältnis der beiden Regierungsparteien zueinander?

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würde vor allem die Kanzlerin aus der Krise Kapital schlagen und damit die CDU. Angela Merkel inszeniert sich geschickt als oberste Krisenmanagerin, die entschlossen handelt und führt, als Staatsfrau im besten Sinne. Sie wirbt unentwegt für Vertrauen und versucht, den sozialdemokratischen Finanzminister Peer Steinbrück, der zweifelsfrei von der Sache mehr versteht, an den Rand zu drängen.

Es war schon immer so: In bewegenden Zeiten scharen sich die Wähler um den Regierungschef. Helmut Kohl gewann deshalb als Kanzler der Einheit die schon verloren geglaubte Bundestagswahl 1990. Auch Gerhard Schröder rettete sich 2002, indem er mitten im Wahlkampf energisch und medienwirksam die Jahrhundertflut an der Elbe bekämpfte und sich dem Irakkrieg widersetzte.

Leser-Kommentare
  1. Der Artikel von Christopf Seils erscheint mir doch etwas zu subjektiv. Einen langfristig größeren Vorteil der Finanzkrise der SPD zuzuschreiben, halte ich für unrealistisch. Der derzeitige Aufwärtstrend der SPD resultiert aus der monatelangen Führungskrise, natürlich verbessert sich die Situation gerade (viel schlechter konnte sie ja auch nicht mehr werden). Das die SPD Krise vergessen und überwunden ist, ist schlichtweg falsch. Dies wird sich spätestens im beginnenden Wahlkampf zeigen, wenn die SPD-Linke, ähnlich wie bei der CDU im Wahlkampf gerne einmal die CSU, sich in die Wahlkampfthemen nicht immer Steinmeier freundlich einbringen wird. Die SPD-Linke ist zwar gerade etwas stiller geworden, aber es ist doch nicht davon auszugehen, dass dies so bleibt.
    Und den Vorteil aus der Finanzkrise sehe ich eindeutig bei der Kanzlerin und nur an zweiter Stelle bei der SPD. Auch langfristig. Schließlich steht auch Frau Merkel und ihre Partei für eine Soziale Marktwirtschaft, also einer Kombination aus Freiheit und Verantwortung. Dies wird auch sie geschickt für sich weiter nutzen u ihre Führungsstärke und das ideale Konzept der Sozialen Marktwirtschaft weiter propagieren. Staatsmännisches Krisenmanagment bleibt länger in den Köpfen der Bürger, als aufkommende Äußerungen der SPD wie: "Seht ihr, wir haben es gewusst!"

  2. Bei dieser Krise darf es nicht darum gehen wer die besten Karte hat, sondern das man gemeinsam die Karre aus den Dreck zieht. Allerdings ist der Finanzminister Herr Steinbrück von der SPD eine herausragende Kapazität in Finanzfragen den Rest der SPD dürfen wir getrost vergessen.

  3. vorausgesetzt freilich, die Sozialdemokraten kriegen nicht plötzlich Angst vor der eigenen Courage, weil alles nicht so schlimm kommt. Brachial ausgedrückt: Gelingt es, die Krise schnell zu meistern, gibt das wohl eher der CDU Chancen zur Reorganisation. Fast müsste die SPD an einer langanhaltenden Krise interessiert sein...das hätte dann aber mit Staatsraison nichts mehr zu tun, mehr mit Lafontainismus.

  4. Es wird schwierig für Westerwelle & Co, in nur 11 Monaten, den Wähler vergessen zu machen, wer in dieser Republik seit 25 Jahren als politischer Arm der Casino-Bankster in Erscheinung getreten ist. In der CDU lag "nur" der Wirtschaftspolitische Flügel komplett daneben, die Blüm-CDU hat da immer klar gegengehalten, Aber ihr Wunschpartner ist monothematisch der politische Haupttäter der aktuellen Krise. Man darf nun nicht müde werden, bis zur Wahl darauf hinzuweisen.
    Ich bin schon sehr gespannt darauf, wie die FDP sich winden wird wie ein geseifter Aal, um dieser selbst gestellten Falle zu entrinnen: Let them entertain us!

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    Alles, was gesagt werden kann, kann klar gesagt werden -
    Ludwig Wittgenstein

    • Anonym
    • 17.10.2008 um 12:24 Uhr
    5. der

    Artikel ist wenig subtiles Hochschreiben der neoliberalen Agenda-SPD mit ihrem neualten Personal. Diese SPD hat mit der SPD eines Willy Brandt oder Helmut Schmidt schon lange nichts mehr gemeinsam und ist zum Erfüllungsgehilfen des organisierten Großkapitals an der Seite der CDU mutiert - und dass sie das tunlichst bleiben soll, werden noch einige Artikel dieser Richtung zu bewirken versuchen.

    Viel interessanter ist die Frage, wie lange es dauert, bis die Bürger den aktuell stattfindenden kalten Staatstreich des Kapitals merken und sich der USPD zuwenden.

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    Als Antwort auf Ihre letzte Frage: Wenn das Fernsehen, sowie Zeitungen wie die Zeit, die Süddeutsche, FAZ, Handelsblatt, Focus, Spiegel etc. als meinungsbildende Medien überwunden sind, würde ich eine solche Entwicklung für möglich halten. Da sind meine Hoffnungen aber eher gering.

    v.

    von Karl ARnold aus dem Simplicissimus der frühen zwanziger Jahre? Darin sieht man einen lethargischen Mann unter einem Baum sitzen und auf seine Taschenuhr starren. Bildunterschrift: "Halb sechs -sie muss kommen, die Weltrevolution!"

    So ähnlich kommen Sie mir auch vor...

    Als Antwort auf Ihre letzte Frage: Wenn das Fernsehen, sowie Zeitungen wie die Zeit, die Süddeutsche, FAZ, Handelsblatt, Focus, Spiegel etc. als meinungsbildende Medien überwunden sind, würde ich eine solche Entwicklung für möglich halten. Da sind meine Hoffnungen aber eher gering.

    v.

    von Karl ARnold aus dem Simplicissimus der frühen zwanziger Jahre? Darin sieht man einen lethargischen Mann unter einem Baum sitzen und auf seine Taschenuhr starren. Bildunterschrift: "Halb sechs -sie muss kommen, die Weltrevolution!"

    So ähnlich kommen Sie mir auch vor...

  5. Als Antwort auf Ihre letzte Frage: Wenn das Fernsehen, sowie Zeitungen wie die Zeit, die Süddeutsche, FAZ, Handelsblatt, Focus, Spiegel etc. als meinungsbildende Medien überwunden sind, würde ich eine solche Entwicklung für möglich halten. Da sind meine Hoffnungen aber eher gering.

    v.

    Antwort auf "der"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • keox
    • 18.10.2008 um 14:17 Uhr

    vergessen?

    • keox
    • 18.10.2008 um 14:17 Uhr

    vergessen?

  6. von Karl ARnold aus dem Simplicissimus der frühen zwanziger Jahre? Darin sieht man einen lethargischen Mann unter einem Baum sitzen und auf seine Taschenuhr starren. Bildunterschrift: "Halb sechs -sie muss kommen, die Weltrevolution!"

    So ähnlich kommen Sie mir auch vor...

    Antwort auf "der"
    • Anonym
    • 17.10.2008 um 14:39 Uhr
    8. ?

    Keine Sorge, die Kenntnis, dass die Weltrevolution um 1920 als realistische Möglichkeit existierte, wird bei Ihnen niemand voraussetzen.

    Ansonsten empfehle ich Ihnen für die Absonderung Ihres Uffz-Geschreis das Forum des Focus.

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