Finanzkrise und Umwelt Die Klimakrise nicht vergessen!Seite 2/2

ZEIT ONLINE: Was ist der Grund für dieses Ungleichgewicht?

Weiger: Den Menschen liegt das eigene Geld eben wesentlich näher als die Natur. Der mögliche Verlust materieller Werte ist für die meisten viel bedrohlicher als eine Klimaveränderung, die man nur über Jahrzehnte hinweg beobachten kann und die ja heute scheinbar noch keine großen Auswirkungen hat. Das Dramatische an der Sache ist aber, dass wir den Glauben haben, alle Fehler seien irgendwie zu reparieren. Bei der Finanzkrise mag das ja noch möglich sein, wenn auch um den Preis neuer Verschuldung zulasten künftiger Generationen. Doch der Naturhaushalt ist nur zu einem gewissen Grad reparaturfähig. Es gibt Grenzen, hinter denen setzen sich selbst verstärkende, nicht mehr zu beeinflussende Prozesse ein.

ZEIT ONLINE: Sehen Sie die Gefahr, dass durch die Finanzkrise der Klimaschutz unter die Räder kommt?

Weiger: Ja, diese Gefahr ist nicht gering. In den laufenden Verhandlungen um das Klimaschutzpaket der EU heißt es ja schon, die Wirtschaft könne bei einer sich abzeichnenden Rezession keine weiteren Auflagen mehr verkraften. Da wittern die Lobbyisten der Großindustrie Morgenluft. Man macht also genau wieder den gleichen Fehler, den Klimaschutz gegen die Arbeitsplätze auszuspielen. Anstatt zu erkennen, dass gerade jetzt umso mehr in den Klimaschutz investiert werden müsste, um die Umwelt zu erhalten und neue, zukunftsfähige Arbeitsplätze etwa im Bereich der erneuerbaren Energien zu schaffen.

ZEIT ONLINE: Viele Politiker fordern ein Konjunkturprogramm …

Weiger: Also wieder neue Autobahnen, Flughäfen, alles Bereiche, wo man in kurzer Zeit viel Geld investieren kann, allerdings mit minimalem Arbeitsplatzeffekt und maximaler Umweltbelastung. Dadurch wird die ökonomische und ökologische Krise weiter verschärft.

ZEIT ONLINE: Und die Klimakanzlerin macht da mit!

Weiger: Ich glaube, aus persönlichen Gesprächen mit ihr, dass sie durchaus die Bedrohung des Klimawandels erkannt hat. Aber sie ist teilweise wohl nicht in der Lage, sich dem massiven wirtschaftlichen Druck der Großindustrie und ihrer Lobbyisten inner- und außerhalb des Parlaments zu widersetzen.

ZEIT ONLINE: Also keine klammheimliche Freude, dass sich der umweltzerstörende Kapitalismus selbst ein Bein gestellt hat?

Weiger: Nein, die wäre nicht berechtigt. Denn die Finanzkrise führt ja zu gewaltigen ökonomischen Folgeschäden. Und das wirkt dann auch negativ auf die Ökologie. Man muss sich nur die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ansehen, wo sich das im kleinen Maßstab zeigt. Die Krise hat dazu geführt, dass die KfW ihre Kredite für CO2-Reduktionsmaßnahmen, etwa die Dämmung von Häusern, verteuern musste. Jetzt ist die eigentlich segensreiche Arbeit der KfW in Sachen Klimaschutz in Gefahr. Das alles ist eben kein Nullsummenspiel. Einer zahlt immer die Zeche, entweder der Bürger oder die Umwelt. Und in der heutigen Situation beide zusammen.

ZEIT ONLINE: Müssen wir erst auf eine echte Umweltkatastrophe vor unserer Haustür warten, bis wirklich Substanzielles geschieht?

Weiger: Das wäre fatal, weil es dann zu spät wäre. Wenn nicht das Börsenkapital, sondern das Naturkapital verspielt ist, bedeutet das den Untergang der Menschheit.

Interview: Georg Etscheit

 
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 20.10.2008 um 13:36 Uhr

    Haben unsere Politiker sich eigentlich alle in irgendwelchen Parteihinterzimmern ihr Hirn weggesoffen?? Jahrelang hiess es beim Kapitalmarkt "Nein bloss nicht regulieren - das macht der Markt schon alles von alleine. Jede kontrolle ist schädlich und überhaupt wer andere Meinung ist hat die 'German Angst'. "

    Nu ist die grosse Krise da und nun heisst es: "Ne lassen wir das mal mit den Klimabeschränkungen für die Industrie. Das schadet doch nur. Der Markt macht das schon. Wenn die Leute nur wollen kaufen sie schon kleine Autos und keine SUVs."

    Quatsch!!! Totaler Quatsch!!

    Gegen die Probleme die wir haben werden wenn die Klimaproblematik weltweit erst richtig los geht ist das bisschen Finanzkrise doch der reinste pippifax.

    Aber leider durchdringt die Dummheit eben nicht nur die Politik sondern auch die übrige Gesellschaft. Die Leute die noch vor Monaten über ihre total coolen Fonds mit super Rendite geschwärmt haben und nun das grosse Zittern kriegen, sind doch die selben die jeden Tag mit einem drei Tonnen schweren Jeep fünf Kilometer durch die Stadt zur Arbeit fahren und in ein paar Jahren sich aber beschweren werden von der Politik nicht früh genug vor dem Klimawandel gewarnt worden zu sein. Seid ihr da draussen eigendlich auch so wütend??

    • Anonym
    • 20.10.2008 um 13:51 Uhr

    das inhaltsleere Blabla vom "Neoliberalismus". Dazu gebe man noch "Finanzkrise" und "Klimakatastrophe", ein paar mal richtig umgerührt und fertig ist der Meinungsbrei.

    Ich warte schon mit Häme auf den Tag, da die Mitglieder des heutigen Antineoliberalismusmobs bei Null Grad Celsius in ihrer Lehmhütte hocken, ihren Hirsebrei schlabbern, ihre Pestbeulen mit Schwedenbitter betupfen und sehnsüchtig auf die Klimakatastrophe warten.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Anonym
    • 20.10.2008 um 14:08 Uhr

    Wenn "Antineoliberalismusmob" bedeutet, dass man dafür ist mal hin und wieder darüber nachzudenken wohin sich unsere Welt entwickelt anstatt immer den gleichen Herren und Damen aus Politik und Gesellschaft blind zu vertrauen.
    Dann , ja dann gehöre ich auch dazu !

    • Anonym
    • 20.10.2008 um 14:08 Uhr

    Wenn "Antineoliberalismusmob" bedeutet, dass man dafür ist mal hin und wieder darüber nachzudenken wohin sich unsere Welt entwickelt anstatt immer den gleichen Herren und Damen aus Politik und Gesellschaft blind zu vertrauen.
    Dann , ja dann gehöre ich auch dazu !

    • Anonym
    • 20.10.2008 um 14:08 Uhr

    Wenn "Antineoliberalismusmob" bedeutet, dass man dafür ist mal hin und wieder darüber nachzudenken wohin sich unsere Welt entwickelt anstatt immer den gleichen Herren und Damen aus Politik und Gesellschaft blind zu vertrauen.
    Dann , ja dann gehöre ich auch dazu !

    Antwort auf "Und schon wieder"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Anonym
    • 20.10.2008 um 15:20 Uhr

    Hin und wieder mal nachdenken ist zwar gut, aber darf man nicht erwarten, damit gegen diejenigen konkurrieren zu können, die andauernd nachdenken.

    • Anonym
    • 20.10.2008 um 15:20 Uhr

    Hin und wieder mal nachdenken ist zwar gut, aber darf man nicht erwarten, damit gegen diejenigen konkurrieren zu können, die andauernd nachdenken.

    • ROFI
    • 20.10.2008 um 15:00 Uhr

    "Leider ja, und er wird immer bedrohlicher. Alle Zeichen, die wir mittlerweile sehen, deuten darauf hin, dass die schlimmsten Szenarien des Weltklimarats IPCC möglicherweise noch übertroffen werden."

    Die Daten des IPCC varieren erheblich, noch dazu abhängig von den jeweiligen Szenarien.
    Von welchen IPCC Daten wird hier eigentlich ausgegangen? Und auf welche beruft sich Herr Weiger, wenn er noch dazu von einem übertreffen dieser spricht?
    Die übertriebenenen (möglicherweise falsche oder gefälschte) Werte, die dem hockeystick Modell entsprachen wurden, so weit ich weiß, korrigiert (IPCC übernahm die damligen Werte vom Klimatologen Michael Mann). Es ergibt sich wohl mitllerweile der Beweis, dass das 20. Jahrhundert nicht einmal das wärmste war.

    Er gibt einerseits komplett dem System die Schuld, um an anderer Stelle (unmittelbar im Anschluß) zu sagen, wir brauchen gar kein neues.
    Was nun?

    Was bitte ist eine Ökosoziale Marktwirtschaft? Tauschhandel?
    Warum versucht er darzustellen, es gäbe bisher kein Regelwerk (damit der Mensch seine innovativen Kräfte frei entfalten kann...) und regt sich gleichzeitig als Lobbyist über Lobbyismus auf?

    Stimmt, er hat recht...in der Vergangeit wurden Galilei, Kopernikus... immer mit offenen Armen empfangen. Hierbei geht es jedoch nicht um den Blick zurück, sondern daran zu erinnern wie schon damals zeitgemäß damit umgegangen wurde. Das ändert sich in der ökosozialen Marktwirtschaft - ganz sicher.

    Entschuldigung- ein Widerspruch jagt den nächsten. Bedauenswert, wenig vernünftig, armselig und letztlich nicht ehrlich an der Zukunft interessiert, wenn der fahrende Zug der "Angst und Panikmache" immer nur aufs Neue betreten wird, um selbstsüchtig zu agieren.

    Gegen Furcht halfen die alten russischen Märchen.

    • Anonym
    • 20.10.2008 um 15:20 Uhr

    Hin und wieder mal nachdenken ist zwar gut, aber darf man nicht erwarten, damit gegen diejenigen konkurrieren zu können, die andauernd nachdenken.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Anonym
    • 20.10.2008 um 15:28 Uhr

    Hört, hört! Die Herren Manager haben mit Sicherheit andauernd und sehr angestrengt darüber nachgedacht wie sie alle anderen so richtig verarschen. Denn eines ist doch wohl klar: Niemand aus den Chefetagen der Banken muss Hungerleiden - selbst dann wenn er wegen nachgewiesener Unfähigkeit fristlos rausgeworfen würde (was ja praktisch nicht vorkommt). Es sind wie immer die kleinen die drunter leiden. Genau wie beim Klima. Aber wahrscheinlich sind die dann nach ihrer Lesart selber Schuld.

    • Anonym
    • 20.10.2008 um 15:28 Uhr

    Hört, hört! Die Herren Manager haben mit Sicherheit andauernd und sehr angestrengt darüber nachgedacht wie sie alle anderen so richtig verarschen. Denn eines ist doch wohl klar: Niemand aus den Chefetagen der Banken muss Hungerleiden - selbst dann wenn er wegen nachgewiesener Unfähigkeit fristlos rausgeworfen würde (was ja praktisch nicht vorkommt). Es sind wie immer die kleinen die drunter leiden. Genau wie beim Klima. Aber wahrscheinlich sind die dann nach ihrer Lesart selber Schuld.

    • Anonym
    • 20.10.2008 um 15:28 Uhr

    Hört, hört! Die Herren Manager haben mit Sicherheit andauernd und sehr angestrengt darüber nachgedacht wie sie alle anderen so richtig verarschen. Denn eines ist doch wohl klar: Niemand aus den Chefetagen der Banken muss Hungerleiden - selbst dann wenn er wegen nachgewiesener Unfähigkeit fristlos rausgeworfen würde (was ja praktisch nicht vorkommt). Es sind wie immer die kleinen die drunter leiden. Genau wie beim Klima. Aber wahrscheinlich sind die dann nach ihrer Lesart selber Schuld.

    Antwort auf "Hin und wieder mal"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Anonym
    • 20.10.2008 um 16:41 Uhr

    Sie scheinen ja sehr genau zu wissen, wie der Hase läuft. Nicht nur können Sie die Gedanken der "Herren Manager" lesen und sind in den Chefetagen der Banken ein häufiger und gern gesehener Gast, nein, Sie sind offenbar auch ein Experte für Klimatologie.

    • Anonym
    • 20.10.2008 um 16:41 Uhr

    Sie scheinen ja sehr genau zu wissen, wie der Hase läuft. Nicht nur können Sie die Gedanken der "Herren Manager" lesen und sind in den Chefetagen der Banken ein häufiger und gern gesehener Gast, nein, Sie sind offenbar auch ein Experte für Klimatologie.

    • Anonym
    • 20.10.2008 um 16:41 Uhr

    Sie scheinen ja sehr genau zu wissen, wie der Hase läuft. Nicht nur können Sie die Gedanken der "Herren Manager" lesen und sind in den Chefetagen der Banken ein häufiger und gern gesehener Gast, nein, Sie sind offenbar auch ein Experte für Klimatologie.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Anonym
    • 21.10.2008 um 8:09 Uhr

    Im Gegensatz zu Ihnen glaube ich jedenfalls nicht, dass die Chefetagen der Banken von Verantwortungsbewusstsein und Redlichkeit durchdrungen sind. Und was das Klima angeht: Nun ein bisschen Ahnung ist da in der Tat. Kann ich beweisen das die Klimakatastrophe kommt? Nein!

    Aber schauen Sie dochmal nach warum Blaise Pascal es für sinnvoll hielt an Gott zu Glauben - und übertragen das aufs Klima.

    Da Sie soviel Übung im Nachdenken haben - sollte das doch kein Problem sein.

    Und bitte diese Analogie ist eine Anregung kein Beweis - bevor Sie mir noch vorhalten ich wolle die in die Debatte mit philosophischen Spielereien eingreifen.
    Sehen Sie es als gut gemeinte Anregung.

    • Anonym
    • 21.10.2008 um 8:09 Uhr

    Im Gegensatz zu Ihnen glaube ich jedenfalls nicht, dass die Chefetagen der Banken von Verantwortungsbewusstsein und Redlichkeit durchdrungen sind. Und was das Klima angeht: Nun ein bisschen Ahnung ist da in der Tat. Kann ich beweisen das die Klimakatastrophe kommt? Nein!

    Aber schauen Sie dochmal nach warum Blaise Pascal es für sinnvoll hielt an Gott zu Glauben - und übertragen das aufs Klima.

    Da Sie soviel Übung im Nachdenken haben - sollte das doch kein Problem sein.

    Und bitte diese Analogie ist eine Anregung kein Beweis - bevor Sie mir noch vorhalten ich wolle die in die Debatte mit philosophischen Spielereien eingreifen.
    Sehen Sie es als gut gemeinte Anregung.

  1. Warum diese Aggressivität in einigen Kommentaren ? Als Ersatzbefriedigung für aufgestaute Frustrationen ?

    Bei einer "Ökosozialen Marktwirtschaft" werden natur- und sozialverträgliche Rahmenbedingungen gesetzt , die also der Klimakatastrophe und dem Auseinanderklaffen der Schere zwischen Reich und Arm entgegenwirken!

    Im Buch "Weltmacht Energie" von Hennicke/Müller kann man dies am Beispiel der Unterstützung der Erneuerbaren Energien konkretisiert nachvollziehen.

    BUND - Weiger sollte in seinem Plädoyer für eine "Ökosoziale MArktwirtschaft" unterstützt werden: Die wirtschaftsfundamentalistischen Gegenkräfte sind auch ohne destruktive ZEIT-Leser Kommentare stark genug!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service