Das Missy-Magazin will viel. "Wir brauchen eine Frauenzeitschrift mit Anspruch", sagt Chris Köver. Sie ist Gründungsmitglied und vertraut auf das Konzept: feministische Texte für junge Frauen. Hipper als Emma , aber in der Sache ernst. Die Nische auf dem Frauenzeitschriftenmarkt sei so groß, dass auch das Magazin groß rauskommen könne, hofft die Missy -Redaktion. Diesen Montag gibt es die Zeitschrift erstmals am Kiosk.  

Der Verband deutscher Zeitschriftenverleger zählt 97 Publikationen auf dem Frauenzeitschriftenmarkt. Sie erscheinen wöchentlich, 14-tägig, monatlich und zweimonatlich. Die meisten Wochentitel sind Günstig-Heftchen, heißen Bild der Frau oder Die Aktuelle . Ihr Inhalt: Diät-, Koch- und Schminktipps. Für junge Frauen stehen Hochglanzmagazine wie Glamour oder InStyle im Regal, die Mode, Kosmetik und Lifestyle versprechen und nebenbei den ein oder anderen Sex-Tipp bereithalten.  

Was scheinbar fehlt, sind Frauenmagazine mit Themen, die über die reine Lebensberatung hinausgehen. Beispiele hierfür sind selten. Die Brigitte hat eine Auflage von rund 770.000 Stück und wird nach eigenen Angaben von Frauen zwischen 14 und 64 Jahren gelesen, die "hoch gebildet und gut verdienend" sind. Die einzige Frauenzeitschrift mit einem politischen Anspruch ist bisher Emma . Die Wegbereiterin für Magazine wie Missy konnte ihre Auflage in den letzten Jahren entgegen des allgemeinen Trends sogar steigern.  

Doch die Versuche der Verlage, neue Titel in dieser scheinbaren Lücke zu platzieren, die sich vom Mainstream ein wenig abheben, scheitern. Das aktuellste Beispiel ist Allegra , ein Magazin des Axel Springer Verlags, das im April 2007 eingestellt wurde. Die Begründung: " Allegra hat in einem hart umkämpften Segment kontinuierlich an Umsatz verloren, es gibt für die Zeitschrift keine ausreichende wirtschaftliche Perspektive." Sprich: Die Zeitschrift wurde zu wenig verkauft und zog nicht genügend Anzeigenkunden an.  

"Die klassischen Frauenzeitschriften funktionieren nur deshalb im Print, weil der Großteil der Leserinnen das Internet kaum zum Lesen nutzt", sagt Barbara Witte, Leiterin des Studiengangs Fachjournalistik in Bremen. Die Zielgruppe sei an Gedrucktes gewöhnt. Für junge Zeitschriften aber sei das Internet die Zukunft. Hier funktionierten auch Nischenprodukte mit Tiefgang. Damit Frauen aber an den Kiosk gingen und sich dort ein neues Print-Magazin kaufen, müsse es den Geschmack einer sehr heterogenen Zielgruppe treffen. "Ich bin ja nicht nur Frau und habe dadurch gleichgeschaltete Interessen", sagt Witte. Als ausgewiesenes Frauenmagazin Leserinnen in Massen für Themen zu begeistern, die über oberflächliche Unterhaltung für die Zugfahrt hinausgehen, sei äußerst schwierig.  

Dabei ist es nicht mal entscheidend, ob ein großer Name hinter einem Produkt steht. Der Verlag Gruner+Jahr relaunchte 2006 seine Zeitschrift Young Miss und nannte sie Brigitte Young Miss . Das neue Magazin sollte anders sein, hipper und "junge, intelligente Frauen" ansprechen. Auflage rund 174.000 Stück. Es gab die neue BYM genau drei Ausgaben lang. Zuwenig verkauft – wieder eingestellt. Und bei Gruner+Jahr merkte man, junge und intelligente Frauen sind heute schwer zu überzeugen, am Kiosk zwei Euro zu bezahlen. BYM.de währenddessen bleibt weiterhin bestehen und wird von drei Redakteurinnen plus Chefredaktion betreut.