Finanzkrise und Premier League Kein Crash in der Premier League

Der englische Fußballverband hat 3,7 Milliarden Euro Schulden, doch die Finanzkrise wird nicht zur Krise der großen Klubs der Premier League werden

Lord Triesman, der Vorstandsvorsitzende des englischen Fußballverbands (FA), beziffert die Verbindlichkeiten des englischen Fußballs auf 3,7 Milliarden Euro

Lord Triesman, der Vorstandsvorsitzende des englischen Fußballverbands (FA), beziffert die Verbindlichkeiten des englischen Fußballs auf 3,7 Milliarden Euro

Es sind schwere Zeiten, selbst für Fußballer und Wettanbieter. Kaum jemand wollte in den vergangenen Tagen auf die Ergebnisse der englischen Nationalmannschaft tippen. Die WM-Qualifikationsspiele interessierten angesichts der immer stärker auf den englischen Fußball niederschlagenden Finanzkrise beinahe niemanden. Die schlechten Nachrichten reißen im Moment einfach nicht ab.

Mike Ashley, der finanziell überforderte Besitzer von Newcastle United, findet weiterhin keine Käufer. Der FC Liverpool hat den schon seit Jahren geplanten, 440 Millionen Euro teuren Stadionneubau für unbestimmte Zeit vertagt; "zu riskant und schwierig“ sei dieses Unternehmen im derzeitigen Klima, befindet Geschäftsführer Rick Parry. Und West Hams isländischer Eigentümer Bjorgolfur Gudmundsson hat nach der Verstaatlichung der von ihm geführten Landsbanki 300 Millionen Euro verloren. "Wir werden wahrscheinlich kein Geld für neue Spieler im Januar zur Verfügung haben“, sagte sein Vize Asgeir Fridgeirsson.

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Lord Triesman, der Vorstandsvorsitzende des englischen Fußballverbands (FA), bezifferte die Verbindlichkeiten des englischen Fußballs auf 3,7 Milliarden Euro, warnte vor der Gefahr eines Zusammenbruchs und regte eine Gehaltsobergrenze an. UEFA-Präsident Michel Platini denkt laut darüber nach, verschuldete Vereine von internationalen Wettbewerben auszuschließen. In den Vorschlägen schwingt eine Menge Populismus und nicht wenig Schadenfreude mit.

Besonders im Ausland ergötzt man sich an der Krise der Fußballhegemonialmacht; schlagzeilenträchtig wird bereits der völlige Kollaps, der von den bösen ausländischen Investoren in den Ruin getriebenen Premier League, prognostiziert.

Dabei wird vieles in einen Topf geworfen und übersehen, dass hinter dem Alarmismus politische Macht- und Verteilungskämpfe stecken: Triesman, ein Labour-Politiker und ehemaliges Mitglied der Kommunistischen Partei, will die Unabhängigkeit der Liga vom Verband abschaffen, Platini schürt demagogisch Überfremdungsängste („Ein Scheich als Präsident und elf Afrikaner auf dem Platz, wo ist da noch Liverpool?“), um mit Hilfe von europäischen Gesetzesmachern das neoliberale Spiel der Kräfte zu beschneiden und die Kontrolle über europäische Spitzenvereine zurückzugelangen.

Ganz so dramatisch wie von Triesman dargestellt, ist die Lage der Premier League nämlich nicht. „Unsere Verbindlichkeiten belaufen sich derzeit auf 3,1 Milliarden Euro“, konkretisierte Liga-Chef Richard Scudamore, „aber das entspricht ja in etwa unserem jährlichen Umsatz. Ich denke, dass die Eigentümer die Risiken realistisch einschätzen“.

Leser-Kommentare
  1. 1. Blase

    Nach dem Platzen der Immobilienblase und dem darauf folgenden Platzen der Spekulationsblase ist sicher bald die Fußballblase dran. Es wird nun halt alles versucht, dieses Platzen noch ein wenig hinauszuzögern, denn solange die Blase hält, lässt sich eine Menge Geld darin verdienen. Abgesehen davon - was kann es Schöneres geben für das aufgeblasene Ego eines Finanzpotentaten, als einen richtigen Fußballverein zu besitzen?

    v.

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